
- Ring frei - Gong zur nächsten Runde - BoxingPress
Ein Cutman stillt Blut. Zwischen den Runden, damit die Boxer und Kampfsportler weiterkämpfen können. Denn Blut hat schon manchen Kämpfer zum Verlierer gemacht. Ein Cutman ist nicht derjenige, der entscheidet, ob eine Auseinandersetzung wegen einer Gesundheitsgefahr abgebrochen wird. Sein Job ist es, Blut zu stillen, damit der Verletzte genug sieht, um im Fight zu bleiben.
Eine Platzwunde wird mit Adrenalin versorgt
Bei einer Platzwunde (Cut) verwendet ein Cutman meist eine 3-cl-Flasche Adrenalincloridlösung 1:1000. Sie ist klar wie Wasser, verströmt aber einen beißenden Chemiegeruch. Vermischt mit Vaseline versorgt man mit Hilfe eines sauberen Wattestäbchens die blutende Wunde. Weitere Waffen im Kampf gegen die Zeit und das fließende Blut sind Avitene und Trombine, die auf einen offenen Cut aufgetragen werden dürfen.
Das Erfolgsrezept des Cutman ist der richtige Druck
Sobald der Boxer, K1-Kämpfer oder ein anderer Kampfsportler in der Ecke sitzt, wird die Wunde mit beiden Daumen ausgedrückt und mit sterilisiertem Mull gereinigt. Anschließend wird die Salbe mit dem Adrenalin aufgetragen und erneut Druck auf die Wunde ausgeübt. Wichtig zu wissen: Adrenalin, Avitene und Thrombin haben jeweils ihre eigene spezielle Wirkung, und das Geheimnis für die bestmögliche Blutstillung ist der richtige Druck. Vor allem, wenn man eine blutende Nase behandelt, ist Vorsicht angesagt. Keinesfalls sollte man das Mull tief und ohne Rücksicht auf Verluste in die Nase des Verletzten schieben.
Kühlung gegen Schwellungen
In der Ringpause vom Cutman oft gebraucht: das sogenannte „Enswell“, ein kleines Metallteil in Form eines altertümlichen Bügeleisens. Gekühlt hilft es gegen Schwellungen und ähnlich wie bei Cuts besteht die große Kunst darin, den richtigen Druck von der richtigen Seite aus auszuüben. Wenig Sinn ergibt es, wenn man hastig mit dem Enswell oder dem Eis-Stick auf der Schwellung hin und her reibt. Das Gesicht des Verletzten ist keine Zaubertafel, auf der man Schwellungen einfach wegwischen oder wegradieren kann. Angemessener und ausreichender Druck ist die einzig mögliche Zauberformel. Man drückt mit der einen Hand das Enswell auf die Schwellung. Mit der anderen Hand zieht man den Kopf des Kämpfers zu sich heran. Jede Sekunde der Rundenpause ist für den Druck wichtig. Man darf nicht eine einzige Sekunde verschenken. Nur so lassen sich akute Schwellungen im Ring am besten behandeln.
Das Training des Boxers kann helfen
Die Arbeit eines Cutman beginnt schon lange vor dem Fight. Gute "Cutmänner" beschäftigen sich mit einem Boxer. Sie wissen, ob er im Gym beispielsweise eine Platzwunde erlitten hat, zu Blutungen neigt oder in dieser Hinsicht eher robust beschaffen ist. Sie geben dem Boxer wichtige Tipps, etwa wie er bei der Behandlung einer Nasenblutung richtig atmet. Oder dass er zu viel Salz oder salzhaltige Speisen unmittelbar vor einem Kampf meiden sollte. Gleiches gilt für zuviel Aspirin oder andere blutverdünnende Medikamente, da sonst die Gefahr besteht, störker zu bluten. Auch Drogen und Steroide machen die Haut dünner und erhöhen die Cutanfälligkeit.
Michel Trabant: Verletzungen wiegen doppelt schwer
Der deutsche Faustkämpfer Michel Trabant beispielsweise ist ein Bluter, so nennt man einen Boxer, der dazu neigt, verletzt zu werden. Ein Bluter kann fast nichts gegen seine Veranlagung machen. Man weiß nicht, ob es bei den Blutern an der Beschaffenheit der Knochen um die Augen liegt oder an der Elastizität oder Dicke der Haut, doch einige erwischt es fast bei jedem Fight. So auch Andres Fernandez im Kampf gegen Clarence Adams. Schon nach kurzer Zeit war sein Gesicht gezeichnet und blutüberströmt. Der Cutman von Fernandez war jedoch von schlechter Qualität und sein Geld nicht wert. Er benutzte für das Gesicht das gleiche Tuch, mit dem er zuvor das Wasser vom Ringboden aufgewischt hatte. So kam es, wie es kommen musste. Fernandez wurde wegen der Verletzung aus dem Kampf genommen und Adams hieß der Sieger. Ohne einen guten, fähigen Cutman beziehungsweise Trainer und Betreuer im Boxring hat man es eben doppelt schwer.
