Kanadische Ortsnamen in der Sprache der First Nations

Rekonstruktion eines historischen Handelsposten - Marc Lautenbacher, Québec
Rekonstruktion eines historischen Handelsposten - Marc Lautenbacher, Québec
In Wahrheit gründete ja erst der Handel mit den dort lebenden Ureinwohnern, den First Nations, viele bedeutende Städte in Kanada und den USA .

Die ersten Kontakte mit den Indianern fanden oft in der Nähe von Plätzen für den Handel mit Pelzen statt. Diese Orte waren vormals Indianersiedlungen und im Laufe der Zeit ließen sich dort auch die Einwanderer und Siedler aus Europa nieder. So sind ausgesprochen viele Namen dieser ehemaligen Handelsplätze indianischen Ursprungs. Sie wurden im Laufe der Zeit sowohl für die französische als auch die englische Sprache abgewandelt. Hier einige der wichtigsten und bekanntesten Bezeichnungen mit ihren ursprünglichen Bedeutungen aus ganz verschiedenen Sprachen der First Nations:

Dakota: In der Sprache der Sioux-Indianer bedeutet es "menschliches Wesen" und ist eine kleine First Nations-Gemeide im Süd-Westen von Manitoba. Außerdem ist es der Name zweier US-Bundesstaaten.

Gaspé: Namen der wundervoll gelegenen Verwaltungs-Hauptstadt am äußersten Norden der Gaspésie-Halbinsel in der Provinz Quebec. In der Sprache der Micmac "gespeg" oder "keschpi" bezeichnet das Wort "das Ende unserer Gebiete". Wird oft auch mit "das Ende der Welt" übersetzt.

Les Escoumins: Name eines kleinen Städtchens an der Nordküste des Sankt Lorenz Stromes sowie eines Flusses, bekannt durch die Fährschifffahrt und heutiger Sitz des Stammes der Essipit. In der Sprache der Montagnais, einem Stamm der Algonkins, "ischkomins" heißt es "Meeresbucht" oder ist auch der Name von Waldbeeren.

Mississauga: Wirtschaftlich sehr bedeutende Stadt bei Toronto und kanadischer Sitz vieler europäischer Konzerne sowie dem Verwaltungssitz der Behörde für Einwanderer aus Europa. In der Sprache der Anishinabe - zu deutsch "das erste Volk" oder auch Ojibwa oder Chippewa genannt - bedeutet das Wort "große Schlange" und ist ebenso Name eines Indianerstammes. In der Cree-Sprache bedeutet es witziger Weise jedoch den "Ort, wo es viele Bremsen (die, die stechen) gibt". Vermutlich wegen seiner Lage direkt am Ontario-See.

Montréal: Nach dem Berg direkt über dem damaligen Irokesen-Dorf "Hochelaga - sprich oschelagah" - benannt, der damals Mont Royal genannt wurde. Dort überwinterte Entdecker Jaques Cartier mit seiner Mannschaft unter Mithilfe der Ureinwohner, als er am 2. Oktober 1534 bei seiner ersten Entdeckungsreise ankam.

Niagara: Wort aus der Seneca-Sprache, die zur Sprachfamilie der Irokesen gehört und etwa "sehr bedeutsame fallende Wasser" in der Übersetzung heißt. Ebenfalls Name eines Städtchens direkt am Ontario-See mit seinem bekannten Weinanbaugebiet, vom Fluß, der die Grenze zwischen den USA und Kanada bildet sowie von den weltberühmten Wasserfällen selbst.

Okanagan: Indianerstamm, welcher zur Sprachfamilie der Salishane gehört und im Okanagan Valley in British Columbia noch heute lebt. Auch Name eines Sees und des dortigen Flußes, der in den Columbia River mündet. Genaue Bedeutung unbekannt, wohl ein Eigenname. Es gibt dort heute rund 6.000 Stammes-Angehörige in rund 7 verschiedenen Gruppen.

Ottawa: Name der Hauptstadt und des Regierungssitzes von Kanada sowie des dortigen Flußes und von "odo-dah-wahs", einem Wort aus der Algonkin-Sprachfamilie, abgeleitet. Hier bedeutet es etwa "Platz, um zu tauschen". Das gleiche Wort in der Sprache der Montagnais und der Atikameks heisst jedoch "sprudelndes Wasser", was auf die dortigen Wasserfälle zurückzuführen ist. Auch in der Cree-Sprache bedeutet es "die Wasser, die schäumen". Fälschlicherweise nahm man zuerst an, daß das Wort Ottawa mit dem gleichnamigen Stamm der Odawah-Indianer assoziiert werden könnte. Jedoch hat dieser Stamm - geschichtlich belegt - niemals seinen Wohnsitz auf der Insel Manitoulin im Huron Lake verlassen. Da beschreibt das Wort nämlich "die mit hoch gestecktem Haar und Ohrgehänge".

Pontiac: Bedeutet "kann den Feind aufhalten" in der Sprache der Ojibwa oder Chippewa und lautete ursprünglich "obwondiag". Kleine Stadt ganz im Westen von Quebec sowie Namen des Häuptlings der Ottawa. Berühmtester Indianer in der Geschichte Nordamerikas sowie enger Verbündeter der Franzosen im Widerstand gegen die britische Vorherrschaft. Nach Pontiac wurde unter anderem eine Automarke benannt, ebenso eine Stadt in Illinois und Michigan in den USA.

Saguenay: Stammt von einem sehr alten Ausdruck, den die Algonkins und die Irokesen gleichermaßen verwenden, obwohl sie sich in Kultur und Sprache beträchtlich unterscheiden, um eine Traumreise in die Welt der Geister zu beschreiben. Das Wort lautet "sagah-nah" und stammt von den Wikinger Wort "saga" für "erzählen, weitersagen". Benennt eine geografische Region, eine Stadt, einen Fjord und einen Fluss im Norden von Quebec, Nähe des Lac Saint-Jean.

Saskatoon: Das Wort kommt aus der Cree-Sprache und beschreibt eigentlich eine Frucht, die an eine kleine Birne erinnert, welche mit Kernen, so fein wie Sand gefüllt ist. Name der grössten Stadt in der Provinz Saskatchewan sowie eines Sees im Mauricie Nationalpark in der Provinz Quebec.

Tadoussac: Inzwischen sehr bekannt gewordenes Städtchen, um im Sommer Wale zu beobachten, welches an der Nordküste des Sankt Lorenz Stromes liegt. Aus dem Wort "totoshik" der Montagnais und dem Wort "taposimgeg" der Algonkins abgeleitet. Bedeutung: "Brüste der Frau" oder auch nur "Brustwarzen"!

Winnipeg: Wort aus der Cree-Sprache mit der Bezeichnung für "trübes Wasser" oder "schlammiges Wasser". Hauptstadt der kanadischen Provinz Manitoba sowie dem dortigen See, der mit über 400 Kilometern Länge und 100 Kilometern Breite zu den 15 grössten Seen der Welt zählt.

Quellen:

  • Eigene Recherchen vor Ort
  • Bernard Assiniwi - "Lexique des noms indiens du Canada", "Le Petit Robert - Les noms propres".
Marc Lautenbacher/Quebec, 2010, Marc Lautenbacher

Marc Lautenbacher - Marc LAUTENBACHER, geboren 1956 in Stuttgart, wuchs in einer Familie auf, in welcher alles Künstlerische eine besonders wichtige ...

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