Es war das wichtigste Exportgut, welches die junge französische Kolonie im 17. Jahrhundert zu bieten hatte: Pelze. Raue und umtriebige Waldläufer, die sog. „coureur des bois “, erbeuteten diese in großer Menge auf ihren oft monatelangen Streifzügen durch die endlosen Wälder Nordamerikas. Nur selten begaben sich diese Jäger und Fallensteller in die Nähe der wenigen französischen Siedlungen. Meist sind es einsame Militärposten, Handels- oder Missionsstationen, wo sie am Ende der Jagdsaison ihre Ausbeute an kostbaren Pelzen verkaufen und sich mit neuen Proviant und Schießpulver versorgen konnten.
Die Indianer als wichtigste Verbündete der Waldläufer
Über Monate hinweg völlig auf sich allein gestellt, waren die verschiedenen Indianer-Stämme, in deren Territorien die französischen Jäger umher streiften, ihre wichtigsten Verbündeten. In der Einsamkeit der Wälder waren sie auf das Wohlwollen, die Unterstützung, die Kenntnisse und Erfahrungen dieser Stämme angewiesen. Dies erforderte seitens der Waldläufer eine vertiefte Kenntnis der Sprache, der Lebensweise und der Gebräuche ihrer indianischen Verbündeten. Nicht selten waren die französischen Trapper auch zur Teilnahme an den zahlreichen Kriegszügen der mit ihnen jeweils verbündeten Stämme gezwungen.
Angleichung an die Kultur der Indianer
Diese enge Bindung an die indianischen Kulturen Kanadas förderte seitens der französischen Waldläufer nicht nur Verständnis und Respekt gegenüber der indianischen Lebenswelt, sondern zunehmend auch freundschaftliche und nicht selten auch familiäre Beziehungen. Denn häufig genug kam es offenbar auch zu sexuellen und schließlich auch ehelichen Verbindungen der französischen Waldläufer mit indianischen Frauen. Diese Verheiratungen intensivieren überdies den Prozess der immer stärkeren kulturellen Angleichung der französischen Jäger an die Lebenswelt der Indianer. Ein Prozess der zur selben Zeit auch bei englischen Trappern im 17. und 18. Jahrhundert beobachtet werden kann. Nicht selten sprachen die Kinder aus solchen Beziehungen zu gleichen Teilen Französisch, beziehungsweise die indianische Sprache ihrer Mutter.
Die Kultur der Métis und ihre Sprache
Namentlich in Kanada entwickelt sich aus diesen Familien und ihren Nachfahren ein eigenständiges Volk, die sog. „Métis“ („Mestizen“/“Mischlinge“). Deren Nachfahren sprechen teilweise bis heute noch eine Mischung aus altertümlichem Französisch und Cree, einer der damals am weitesten verbreiteten Indianer-Sprachen Kanadas. Métis mit schottischen Trapper-Vorfahren sprechen dagegen eine inzwischen jedoch nahezu ausgestorbene Mischung aus Cree und schottischem Gälisch, der Muttersprache ihrer schottischen Vorväter. Diese waren jedoch erst nach den Franzosen in die kanadischen Wälder vorgedrungen.
Christliche und indianische Glaubensvorstellungen vermischen sich
Die Verbindungen zwischen Europäern und indianischen Frauen bedingte aber nicht nur die Entstehung einer europäisch-indianischen Mischsprache. Auch die von Vater und Mutter vermittelten unterschiedlichen Glaubenssysteme gingen in der Kultur der Métis eine eigentümliche Verbindung ein. Denn auch aus der indianischen Kultur entlehnte religiöse Praktiken spielten für die Angehörigen dieses Volkes über Generationen hinweg eine wichtige Rolle – sehr zum Missfallen der französischen Missionare. Diese beargwöhnten auf ihren vorgeschobenen Missionsposten bereits im 17. Jahrhundert die zunehmende Anpassung der Waldläufer und ihrer Kinder an die indianische Kultur. Diese Entwicklungen schienen für die Missionare die Gefahr zu bergen, dass die ohnedies sehr raubeinigen und ungezügelten Pelzjäger ihre Rolle als christliche Vorbilder für ihre Familien und ihre indianischen Verwandten somit endgültig verlieren könnten.
Die Angst der Missionare
Zudem sah man offenbar auch den starken Einfluss der indianischen Frauen auf ihre europäischen Männer und ihre Kinder äußerst kritisch. Denn alle diese Entwicklungen liefen der ursprünglichen Bekehrungsstrategie der Missionare zuwider, mit Hilfe der Christianisierung der amerikanischen Ureinwohner die indianische Kultur durch eine christlich-orientierte zu ersetzen. Dies betraf nicht nur die damit verbundene Absicht der Missionare, die eigentlich nomadischen Mestizen in der Umgebung der Missionsstationen sesshaft werden zu lassen, sondern insbesondere auch ihre religiösen und moralischen Vorstellungen und Selbstverständnisse. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein sollte der Kampf vor allem katholischer Ordensmitglieder, alsbald jedoch auch konkurrierender englisch-protestantischer Missionsgesellschaften, um die „Seelen“ und die „Zivilisierung“ dieser Mestizen währen.
Die Métis im heutigen Kanada
Erst 1982 sind die Métis vom kanadischen Staat als indigene Minderheit offiziell anerkannt worden. Rund 300.000 Kanadier zählen sich heute zum Volk der Métis, die entsprechend der ursprünglich nomadischen Lebensweise ihrer Vorfahren in vielen kanadischen Provinzen verbreitet sind. Wie jedoch nahezu alle nordamerikanischen Indianer sind sie weitgehend assimiliert, das heißt sie sprechen meist eine europäische Sprache als Umgangssprache und sind zudem christianisiert.
