Die Familie der Kängurus (Macropodidae) umfasst mehr als ein Fünftel aller lebenden Beuteltierarten. Oft wird der Begriff Beutler mit dem Känguru identifiziert, dabei ist dessen Aussehen nicht typisch für die Mitglieder der Beutler-Ordnung (Marsupialia). In Südamerika und in der australischen Region haben Beuteltiere fast die gleiche Vielfalt von Lebensformtypen entwickelt wie die höheren Säuger (Placentalia). Alle Beuteltiere besitzen in beiden Geschlechtern, einen paarigen Beutelknochen, aber nicht bei allen Arten ist ein echter Beutel ausgebildet.

Da fast kein Beuteltier eine Placenta (Mutterkuchen) hat, die eine Ernährung des Embryos über einen längeren Zeitraum ermöglicht, werden die Jungen nach sehr kurzer Tragzeit in einem wenig entwickelten Zustand geboren. Das Junge kriecht dann gleich in den Bauchbeutel der Mutter, saugt sich dort an der Zitze fest und entwickelt sich darin in acht bis neun Monaten zum fertigen Känguru.

Bis auf eine Gattung leben alle Kängurus auf dem Boden

Dann kommt es heraus, kehr aber noch lange immer wieder in den Schutz des mütterlichen Beutels zurück, bis es ganz selbstständig geworden ist. Eine weitere Besonderheit ist, dass Kängurumütter ihre Jungen durch eine Art "Phasenverschiebung" zu unterschiedlichen Zeitpunkten zur Welt bringen. Unter den Riesenkängurus tragen von vier Weibchen drei ein Junges im Beutel und jede fünfte Mutter säugt noch ein weiteres, bereits frei mitlaufendes Jungtier.

Es gibt mehrere Känguru-Arten. Das Rote und das Graue Riesenkänguru sind mit Schwanz etwa 2,5 Meter lang und kräftig. Sie können außerordentlich gut springen, weil sie kräftige Hinterbeine und lange Füße haben, Auf dem dicken, starken Schwanz stützen sie sich zum "Sitz". Kängurus kommen in Australien, auf Tasmanien, Neuguinea und einigen kleineren Inseln vor. Sie ernähren sich mit einer Ausnahme nur von Pflanzen und leben, abgesehen von einer Gattung auf dem Boden. Nur die Baumkängurus (Dendrolagus) von Neuguinea und Nordqueensland klettern auf Bäume.

Kängurus werden zwischen zehn und fünfundzwanzig Jahre alt

Der Name Känguru geht angeblich auf den Seefahrer Cook zurück. Als er zum ersten Mal ein solches Tier sah, soll er einen Eingeborenen nach dem Namen gefragt haben. Dieser antwortete: "Can ga roo", das bedeutet aber: "Ich verstehe nicht." Genaue Untersuchungen haben übrigens ergeben, dass die Fortbewegungsweise der Kängurus bei hohen Geschwindigkeiten weniger Energie verbraucht als das Laufen auf vier Beinen und das sie beim Beschleunigen nicht die Sprungzahl, sondern die Sprungweite erhöhen. Mit Sicherheit ist das ein großer Vorteil bei der Nahrungs- und Wassersuche in den weiten, heißen und oft sehr trockenen Steppen Australiens. Kängurus bringen selten mehr als zwei Junge zur Welt. Die Lebenserwartung der verschiedenen Arten der Sprungbeutler liegt zwischen zehn und fünfundzwanzig Jahren.

Quelle: Eckart Pott: "Das große Ravensburger Tierlexikon von A-Z", Ravensburger Buchverlag 2011, ISBN 3-4735-5074-4