
- Vegetarier verurteilen übermäßigen Fleischverzehr - Rainer Rosenwald
Es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Offerten, die über das ethische menschliche Empfinden hinaus gehen, sind mittlerweile nichts Außergewöhnliches mehr. Deshalb wurde die Werbung zur Eröffnung eines Kannibalen-Restaurants am 8. September 2010 in Berlin auch mehrheitlich für bare Münze genommen und empörte die Volksseele.
"Kannibalen-Restaurant" ein makabrer PR-Gag
Selbst die renommierte Tageszeitung „Die Welt“ hatte in ihrer Online-Ausgabe am Donnerstagmorgen, 2. September 2010, in aller Ernsthaftigkeit unter der Überschrift „Restaurant wirbt mit Menschenfleisch“ auf die bevorstehende Eröffnung des Kannibalen-Restaurants "Flime" hingewiesen. In der Meldung werden Marie-Luise Dittmar, Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit in Berlin und Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes in der Bundeshauptstadt zitiert, die beide massive Kritik an dem Vorhaben geäußert hatten. Knapp zwei Stunden später teilte dann auch „Die Welt“ mit, dass es sich um einen makabren PR-Gag des Vegetarierbundes gehandelt hatte.
Menschenfleisch nach "Wari"-Tradtion
Anzeigen und Berichte in den Medien hatten angekündigt, dass Berlin um eine neue Attraktion reicher wird. Ein Restaurant mit dem Namen „Flime“ würde alsbald seine Pforten öffnen und Menschenfleisch zum Verzehr anbieten. Angepriesen wurden Speisen, die nach „Wari“-Tradition zubereitet werden. Die Betreiber hatten erklärt, dass die brasilianischen Ureinwohner namens „Wari“ für ihren Kannibalismus bekannt sind.
Kampagne soll auf exorbitanten Fleischverzehr aufmerksam machen
Am 2. September 2010 hat der Vegetarier-Bund bekannt, dass er hinter dieser makabren Werbekampagne steht, um auf den exorbitanten Fleischkonsum der Bundesrepublikaner hinzuweisen. "Ob Welthunger, Klimawandel, Wasserknappheit, Regenwaldabholzung, Tierseuchen oder Wohlstandskrankheiten - all diese großen, globalen Problemen werden durch unseren hohen Fleischkonsum verursacht oder verschärft. Über diese Tatsachen macht sich im Alltag kaum einer Gedanken. Deshalb war es nötig, eine solche kreative Kampagne ins Leben zu rufen", wird Sebastian Zösch vom Vegetarierbund von dem Düsseldorfer Online-Portal RP-Online zitiert.
"Flime" ein Synomym für "Fleisch isst Menschen"
In einer Pressemitteilung des Vegetarierbundes heißt es, dass "Flime" ein Synonym für "Fleisch isst Menschen" sei. Mit der der Menschenfleisch-Aktion will der Verband auf "all die Millionen Menschen" aufmerksam machen, die durch den weltweiten Fleischkonsum "in Mitleidenschaft gezogen werden". Die Vegetarier mahnen, dass alle 3,6 Sekunden ein Mensch an Unterernährung stirbt, während ein Großteil der Getreideerträge an für den Fleischverzehr gezüchtete Nutztiere verfüttert wird. Weiterhin werde in der Nutztierhaltung eine enorme Menge an Wasser verbraucht. Für die Rodung des Regenwaldes und die Zunahme von Tierseuchen und Zivilisationskrankheiten sei der übermäßige Fleischkonsum ebenfalls verantwortlich.
Scharfe Kritik vom Deutschen Werberat zum "Kannibalen-Restaurant"
Die Berliner Morgenpost zitiert in ihrer Ausgabe vom 2. September den Sprecher des Deutschen Werberats, Volker Nickel. „Hier ist man über das Ziel hinausgeschossen“, sagte Nickel und verurteilte die Kampagne. Selbst wenn es sich um einen vermeintlich guten Zweck handele, sie nicht jedes Mittel recht.
Bildnachweis: Rainer Rosenwald / www.pixelio.de
