
- Die “Samho Jewelry” entkam den Piraten. - : worldmaritimenews
Ein Schiffsführer, der seine Besatzung und den Frachter in Sicherheit brachte, obwohl eine Piratenattacke ihn fast das Leben gekostet hätte, erhält den renommierten Preis für besondere Tapferkeit auf hoher See der Vereinten Nationen.
Anfang Juli verkündete die Internationale Schifffahrts-Organisation (IMO) der Vereinten Nationen, dass ihr Aufsichtsrat die Entscheidung einer Jury bestätigt hat, die jährliche IMO-Trophäe für Heldenmut auf See an Kapitän Seog Hae-gyun zu verleihen. Er habe außerordentliche Courage und Verantwortung für seine Mannschaft bewiesen, die weit über seine Pflichten hinausgingen und ihn selbst in größte Gefahr für Leib und Leben brachten.
Seemann trotzte Schlägen und Schussverletzungen
Der südkoreanische Kapitän Seog führte den Chemikalien-Transporter “Samho Jewelry” als dieser am 21. Januar 2011 im Indischen Ozean vor der Küste Somalias von Piraten gekapert werden sollte. Nachdem die Freibeuter das Schiff bereits geentert hatten, hielt der erfahrene Seemann Kurs auf die offene See weg von der somalischen Küste, ließ Treibstoff ab, um dessen Explosion zu vermeiden, täuschte einen Fehler an der Steuerung vor und drosselte die Maschinen.
Kapitän Seog gelang es auch, heimlich Informationen über die Attacke an die Marine weiterzugeben, was zu einer erfolgreichen Eroberung des Tankers durch ein Militärkommando der Republik Korea und schließlich zur Rettung aller 21 Besatzungsmitglieder führte.
Während des Piratenaktes hatte der Kapitän zahlreiche Angriffe zu überstehen, bei denen er Bein- und Schulterbrüche erlitt. Später schossen ihn die Seeräuber zweimal in den Bauch und einmal in die obere Hüfte, was mehrere Operationen erforderte und Seog Hae-gyun fast das Leben kostete.
Piraten schlagen immer dreister, professioneller und häufiger zu
Der IMO-Aufsichtsrat hat sich auch darauf geeinigt, den maritime Rettungszentren in Falmouth, Großbritannien, und Stavanger, Norwegen, Ehren-Urkunden für ihren weitreichenden Beitrag zu Such- und Rettungsaktionen auszustellen.
Die Zahl der Piraten-Überfälle auf hoher See nimmt jedoch weiter zu. Wie aus einem am 14. Juli 2011 veröffentlichten Bericht des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) der Internationalen Handelskammer hervorgeht. So stieg allein die Zahl der Überfälle somalischer Piraten im ersten Halbjahr dieses Jahres auf 163 Überfälle. Im ersten Halbjahr 2010 wurden nur 100 Attacken gemeldet.
Mittlerweile beobachtet das IMB auch zunehmende Aktivitäten von Freibeutern vor der westafrikanischen Atlantikküste, insbesondere vor Benin und Nigeria, sowie vor den Küsten von Indonesien, Malaysia und Singapur oder im Südchinesischen Meer. Zu den Waffen gehören dabei nicht mehr nur Messer wie vor fünf Jahren, sondern vielfach Raketenwerfer und automatische Gewehre.
UNO hilft Gerichten in Somalia, Piraten zu verurteilen
Um die Umtriebe von Seeräubern vor der Ostküste Afrikas einzudämmen, hilft die UNO den Gerichten in Somalia, internationale Standards bei den Verhandlungen gegen Verhaftete anzuwenden, die unter dem Verdacht der Piraterie stehen.
„Solchen Standards gerecht zu werden, ist ein wichtiger Schritt, der es den Seefahrernationen ermöglicht, Vereinbarungen mit den somalischen Autoritäten zur Übergabe der auf hoher See ergriffenen Verdächtigen abzuschließen”, sagte Patricia O’Brien, UNO-Untergeneralsekretärin für Rechtsfragen, vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.
Spezialorganisationen wie das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) oder das in Wien angesiedelte Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) unterstützen bereits die Somaliland- und Puntland-Provinzen beim Aufbau lokaler Kapazitäten zur gerichtlichen Verhandlung von Piraterie-Fällen.
