
- Immobilie als Kapitalanlage - Jörn Käsebier
Die Preise für Eigentumswohnungen und Reihenhäuser sind in Deutschland im Jahr 2010 um 3,8 beziehungsweise 2 Prozent gestiegen. Auch die Wohnungsmieten stiegen um durchschnittlich 2,4 Prozent, errechnete das Marktforschungsunternehmen Bulwien-Gesa. Angesichts solcher Zahlen erscheinen Wohnimmobilien als gute Kapitalanlage. Hinzu kommen die Mietzinsen, die regelmäßige Einnahmen bringen – sie sorgen bei vielen Objekten für die eigentliche Rendite.
Immobilien als sichere Geldanlage: der Mythos Betongold
2011 dürfte sich die Wertsteigerung bei deutschen Wohnimmobilien fortsetzen, schrieben die Analysten der Deutschen Bank Ende 2010. Dafür spreche die gute wirtschaftliche Entwicklung. Auch seien die Finanzierungsmöglichkeiten dank der niedrigen Zinsen noch immer gut. Umgekehrt sind jedoch auch die sicheren Anlagen wie Tages- und Festgeld in Niedrigzinsphasen nicht so attraktiv, weshalb besonders Privatanleger in Immobilien als sichere Geldanlage investieren. Schließlich ist die Wohnungsbautätigkeit in Deutschland mit rund 160.000 Wohnungen pro Jahr relativ niedrig, sodass ein Überangebot kaum durch Bautätigkeit entstehen kann. Diese Faktoren haben mit dazu geführt, dass Immobilien gern als Betongold bezeichnet werden. Laut Bulwien-Gesa hat sich der Wert von Wohnimmobilien jedoch in den vergangenen Jahren längst nicht immer gesteigert. Denn oftmals war die jährliche Inflationsrate höher als Preissteigerung.
Dem widerspricht der Immobilienverband Deutschland (IVD). Zumindest in den sieben Top-Standorten (den Metropolen München, Hamburg, Berlin, Köln, Düsseldorf, Stuttgart und Frankfurt) habe zwischen 1977 und 2010 die Wertentwicklung über der Teuerungsrate gelegen, so das Ergebnis einer vom Verband in Auftrag gegebenen Studie von 2011. Das zeige sich sowohl in der durchschnittlichen Mietpreisentwicklung als auch in der Preisentwicklung für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser. Doch auch der IVD muss einräumen, dass diese Entwicklung nicht auf alle Eigentümer zutrifft. So lag die Wertentwicklung für Einfamilienhäuser in Berlin im Schnitt unter der Inflationsrate.
Wenn die Anlage schon im Wert nicht so stark zulegt, spielen die Mieteinnahmen eine noch größere Rolle, damit sich die Kapitalanlage überhaupt rechnet. Nicht umsonst gelten Zinshäuser als begehrte Anlageimmobilien. Größere und längere Leerstände mindern die Renditen – zumal dennoch Kosten entstehen. Daher ist die Wahl der richtigen Immobilie besonders wichtig. Neben dem Zustand des Gebäudes (saniert oder unsaniert, Effizienz der Heizung) kommt der Lage eine hohe Bedeutung zu. Objekte mit guter Verkehrsanbindung, Schulen, Supermärkten und Arztpraxen in der Nähe lassen sich in der Regel leichter vermieten als abseits gelegene Häuser und Wohnungen.
Kapitalanlage Immobilie – in welcher Stadt kaufen?
Großinvestoren und ausländische Anleger kaufen gern Immobilien in den Metropolen. Das liegt zum einen daran, dass hier die Auswahl größer ist, zum anderen kommen auch schon mal ganze Wohnungspakete auf den Markt. Außerdem ist es in Städten wie Berlin, Hamburg, München und Köln leichter, Immobilien wieder zu verkaufen, da die Nachfrage hoch ist. Für Privatanleger, die nicht mit Fonds und Versicherungen konkurrieren möchten, lohnt sich ein Blick auf etwas kleinere Großstädte, in denen die Miet- und Kaufpreise meist unter denen in den Metropolen liegen. Nach Angaben der Patrizia Immobilien AG zählen besonders Universitätsstädte zu den interessanten Märkten. Gute Perspektiven bieten demnach etwa Wiesbaden, Nürnberg, Dresden und Karlsruhe. In diesen Städten stiegen in den vergangenen Jahren die Preise, zugleich sorgt aber ein stabiles Bevölkerungswachstum für eine hohe Nachfrage nach Wohnraum, außerdem ist die Neubautätigkeit gering. Auch stiegen 2010 in diesen Städten die Mieten stärker als in den meisten Metropolen. Dies gilt vor allem für Neubauten und Neuvermietungen, die Bestandsmieten legten nur leicht zu.
Auch die Marktforscher von Empirica kommen in ihrem Deutschlandindex zu dem Schluss, dass sich bei den Preisen auch abseits der Metropolen viel bewegt. So stiegen etwa in der Universitätsstadt Bamberg die Preise für Eigentumswohnungen 2010 stark an. Im Vergleich zum vierten Quartal 2009 zogen die inserierten Kaufpreise für Wohnungen in kreisfreien Städten durchschnittlich um fünf Prozent an, in den Landkreisen immerhin noch um 2,1 Prozent.
Ob sich eine Immobilie als Kapitalanlage rechnet, hängt wie bei vielen Geldanlagen auch davon ab, wann Anleger verkaufen. Der Ausstiegszeitpunkt spielt eine wichtige Rolle. Zudem ist das investierte Geld nicht gleich verfügbar und der Immobilienverkauf kann ein paar Wochen oder Monate dauern.
