Die Zeiten, zu denen die Kapitallebensversicherung ein attraktives Altersvorsorgeinstrument war, sind lange vorbei. Während vor 15 Jahren Beitragsrenditen bei Ablauf von 6 bis 7 Prozent möglich waren, sind es heute im Branchendurchschnitt nicht mal mehr 4 Prozent (Quelle: Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft, GDV). Die Gesamtverzinsung liegt zwar bei einigen Anbietern noch bei knapp unter 5, aber diese Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil und damit nicht den Beitrag. Dies vergessen viele Abschlusswillige gerne.
Hohe Kosten schmälern die Rendite
Wer zum Beispiel als dreißigjähriger Mann in eine solche Police mit 100 Euro Monatsbeitrag über 30 Jahre regelmäßig einzahlt, erhält bei einem sehr guten Anbieter garantiert 46.970 Euro. Mit Überschüssen, sofern diese tatsächlich in der erwarteten Form erzielt werden, sollen es dann 70.412 Euro werden. Momentan beträgt der Garantiezins 2,25 Prozent. Das bedeutet, dass sieser Zinssatz wird für die Geldanlage des Kunden in jedem Fall über die gesamte Laufzeit garantiert wird. Setzt man das von der Versicherung garantierte Kapital mit dem über die gesamte Laufzeit bezahlten Beitrag ins Verhältnis (36.000 Euro), stellt man fest, dass die Beitragsrendite aber nur 1,66 Prozent beträgt. Dies liegt daran, dass vom bezahlten Beitrag die Abschlusskosten, also vornehmlich die Provisionen, wie auch die Risiko- und Verwaltungskosten abgezogen werden. Erst was dann übrig bleibt, wird tatsächlich für den Kunden investiert. Macht man die Rechnung rückwärts bezogen auf den garantierten Zins, kommt man zu dem Ergebnis, dass von den 100 Euro Monatsbeitrag durchschnittlich über die Laufzeit nur rund 91 Euro in die Kapitallebensversicherung fließen. Das bedeutet eine Gesamtkostenbelastung von 9 Prozent.
Besonders die Provision wirkt sich negativ aus
Im Regelfall kalkulieren die Versicherer bei einem solchen Vertrag eine Durchschnittsprovision von 4,5 bis 5 Prozent auf die Beitragssumme mit ein. Im konkreten Beispiel könnten dies also durchaus 1.800 Euro sein. Diese erhält der Vermittler meist vollständig bei Vertragsabschluss und nachdem die erste Prämie bezahlt wurde. Damit ist der Vertrag des Kunden zu Beginn erst einmal im Minus. Es dauert dann eine ganze Weile, bis unter Berücksichtigung der weiteren Kosten die insgesamt eingezahlten Monatsbeiträge ausreichen, um alle Kosten vollständig auszugleichen. Meist sind das oft 10 Jahre oder mehr. Wer vor Ablauf dieser Zeit seine Lebensversicherung kündigt, erhält dann oft nicht einmal seine eingezahlten Beiträge zurück. Und das tragische ist, dass die wenigsten Versicherungsnehmer ihre Verträge tatsächlich bis zum Ende der vereinbarten Zeit durchhalten. Fast 80 Prozent kündigen ihre Verträge vor dem vereinbarten Ablauf. Da wäre das Geld oftmals sogar besser unter dem Kopfkissen angelegt.
Zukünftige Gesamtverzinsung ungewiss
Momentan ist die Branche sehr unruhig, da sie es sehr schwer hat, die prognostizierten Gesamtergebnisse in der Kapitallebensversicherung zu erwirtschaften. Dies liegt am seit langem sehr niedrigen Zinsniveau. Die Versicherer dürfen von Gesetzes wegen maximal 30 Prozent der Kundengelder der Kapitallebensversicherung in Aktien investieren. Im Branchenschnitt sind es aktuell nur rund 7 Prozent (Quelle: GDV). Mit festverzinslichen Papieren allein lässt sich aber wegen des Zinsniveaus keine attraktive Rendite erwirtschaften. Für den Kunden die einstmals versprochene Rendite zu erwirtschaften, gelingt vielen Unternehmen nur, indem sie stille Reserven auflösen und damit die Ergebnisse subventionieren. Kapitalstarke Unternehmen wie eine Allianz werden mit dieser Notlösung noch eine Weile überleben können. Für viele kleinere Anbieter sieht es da aber schon viel schlechter aus. Nicht zuletzt deshalb ist in diesen Tagen die Diskussion über eine erneute Senkung des Garantiezinses entflammt, der spätestens im Jahr 2012 auf 1,75 Prozent gesenkt werden soll, wenn sich die entsprechenden Befürworter durchsetzen. In den neunziger Jahren betrug der Garantiezins eine Zeit lang sogar 4 Prozent. Für viele kleine Versicherer ist dies eine echte Belastung, denn sie müssen dieses Garantieversprechen einhalten. Da dies momentan nur den wenigsten gelingt, ist in absehbarer Zeit die Gefahr von Pleiten unter den Lebensversicherungsanbietern wieder deutlich gestiegen.
Steuern auf die Erträge von Kapitallebensversicherungen
Aber selbst wer heute Glück hat und eine Gesellschaft erwischt, die eine gesamte Beitragsrendite von 4 Prozent erzielt, muss immer noch das Finanzamt berücksichtigen. Nach dem sogenannten Halbeinkünfteverfahren wird die Hälfte des Gewinns mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz besteuert. Im Beispiel oben könnte der Gewinn bei 34.412 Euro liegen, wenn die Ergebnisse wie prognostiziert erzielt werden. Die Hälfte davon, also 17.206 Euro, ist die Bemessungsgrundlage für die Besteuerung. Unter Berücksichtigung heutiger Steuersätze müsste ein Steuerpflichtiger bei einem Steuersatz von 20 Prozent dann rund 3441 Euro Steuern zahlen. Am Ende blieben dann also ca. 66.970 Euro übrig. Bezogen auf den bezahlten Beitrag bedeutet das eine Gesamtrendite nach Steuern von rund 3,8 Prozent. Das Halbeinkünfteverfahren greift aber nur, wenn die Police mindestens 12 Jahre gelaufen ist und bei Auszahlung das 60. Lebensjahr des Versicherungsnehmers erreicht wurde. Ist einer der beiden Faktoren aber nicht erfüllt, wird die Kapitalertragsteuer mit einem Satz von 25 Prozent fällg. Damit sinkt die effektive Rendite noch einmal.
Sachwerte als Alternative
Wer etwas für die Altersvorsorge tun möchte, sollte daher die Kapitallebensversicherung meiden. Attraktiver sind Immobilien als Direktinvestment zur Eigennutzung bzw. als Kapitalanlage oder über den Umweg von Fonds, auch wenn diese momentan einige Schwierigkeiten haben. Wer mindestens noch zehn Jahre Zeit hat bis zur Rente, sollte auch immer ein Engagement in Aktien bzw. Aktienfonds in Erwägung ziehen. Je nach Risikoneigung empfiehlt sich eine Mischung aus beiden Alternativen, um Risiken, Chancen und Schwankungen, die mit jeder Geldanlage einhergehen, zu streuen. In der Regel kann man damit auf lange Sicht nach Steuern eine höhere Rendite erwirtschaften und besitzt gleichzeitig mit diesen Sachwerten einen guten Schutz vor Inflation.
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