
- Kardamom: beliebete Gewürzpflanze - N. Berling
Wenn man über einen Markt in Indien läuft, so nimmt man die verschiedensten Gerüche wahr. Düfte edler Gewürze vermischen sich mit Fleisch- und Fischgerüchen. Bleibt man jedoch an einem Stand stehen, an dem ein Händler seine Gewürze feilbietet, so wird man von den bunten Farben der Gewürze, ihrem Duft und ihrer Ursprünglichkeit sogleich in einen Bann gezogen.
Unscheinbar aber würzig
Kardamom wächst in tropischen Gebieten. Würde man dieser Pflanze in Deutschland begegnen, so würde man sie wahrscheinlich übersehen. Denn sie wirkt zunächst unscheinbar mit ihren bis zu drei Metern hohen, glatten, grünen Stängeln und ihren langen, zweizeiligen Blättern. Denn ihre Blüte befindet sich dicht über dem Boden, genaugenommen wächst sie aus dem Stängel. Wenn man aber genau hinsieht, dann entdeckt man nach ihrer Blütezeit, die von Mai bis Juni ist, kleine eiförmige Früchte. Wenn die Früchte frisch sind – sind sie äußerlich grün. Trocknet man sie, so verändert die Hülle ihre Farbe von grün zu beige-braun. Unter dieser Hülle befinden sich unzählige kleine Samenkörner, die nach dem Öffnen der Hülle einen herrlichen würzigen und frischen Duft entfalten.
Kardamom lädt ein zum Kochen
In Indien wird der Kardamom zum Kochen und bei der Zubereitung von Gewürztee (Chai) verwendet. Zur Herstellung von einem einfachen indischen Gewürztee nehme man Teeblätter (schwarze), koche diese mit Wasser auf, füge Milch hinzu (etwa die Hälfte der Wassermenge) und etwas zerstoßenen Kardamom. Anschließend wird der Tee mit Zucker gesüßt – oder auch mit Salz gewürzt (so ist es vor allem in Himalayaregionen üblich). Anschließend wird der Tee heiß getrunken.
Das Kardamom ein so beliebtes Gewürz in der indischen Küche darstellt, ist eigentlich nicht ungewöhnlich. Kardamomfrüchte enthalten ätherische Öle, die Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen und Völlegefühl vorbeugen können. Da in der indischen Küche oft sehr fettreich gekocht wird, sind manche Gewürze eine gute vorbeugende Maßnahme, um sich nach einem opulenten Mahl nicht unpässlich zu fühlen. Außerdem verleiht Kardamom – oft in Kombination mit anderen Gewürzen wie Pfeffer, Chili oder Fenchel den Speisen eine ganz besondere Geschmacksnote.
Leckeres Gewürz und Heilpflanze in Einem
Übrigens wird Kardamom nicht nur als Gewürzpflanze verwendet. Die Früchte werden auch in allen asiatischen Medizinsystemen eingesetzt (Ayurveda, Traditionelle Chinesische Medizin und Tibetische Medizin). Auch in unserer westlichen Phytotherapie wird Kardamom angewendet. Man sollte jedoch nicht mehr als 1,5 g der Frucht pro Tag zu sich nehmen.
Kardamom – eine unscheinbare Pflanze mit großer Wirkung! Übrigens ist die Kardamomfrucht auch in im Lebensmitteleinzelhandel, in Apotheken und in Reformhäusern erhältlich.
Hinweis zu diesem Text: Bitte beachten Sie, dass Suite101-Artikel niemals fachlichen Rat – beispielsweise durch einen Arzt ersetzten können.
Quellen:
Berling, N.: Heilpflanzen in der Tibetischen Medizin. Essen 2008
Jänicke C., Grünwald J., Brendler T.: Handbuch Phytotherapie. Stuttgart 2003
Schilcher H., Kammerer S.: Leitfaden Phytotherapie. München – Jena 2000
