
- Petersdom mit Petersplatz in Rom - pixelio.de - Bärbel Jobst
Zum vierten Mal ernennt Papst Benedikt XVI. in seinem Pontifikat neue Kardinäle. Dazu hat für den 18. Februar 2012 ein Konsistorium, also eine Vollversammlung der Kardinäle, nach Rom einberufen. Dies gab das Oberhaupt der Katholischen Kirche am Dreikönigstag, 06. Januar 2012, nach dem Gottesdienst bekannt. Die letzte Ernennung von Kardinälen fand am 22. November 2010 statt.
Zwei Deutsche werden Kardinäle
Mit Erzbischof Rainer Maria Woelki und Jesuitenpater Karl Becker sind zwei Deutsche sollen zwei Deutsche die Kardinalswürde erhalten. Rainer Maria Woelki, geboren am 18. August 1956, stammt aus Köln-Mühlheim. Er wurde 1985 zum Priester, 2003 zum Bischof geweiht und war zunächst im Bistum Köln als Weihbischof tätig. Am 02. Juli 2011 wurde bekannt gegeben, dass ihn Papst Benedikt XVI. zum neuen Erzbischof von Berlin ernannt hat. Da Berlin traditionell Kardinalssitz ist, wurde in Kirchenkreisen mit der Ernennung von Woelki zum Kardinal gerechnet. Mit seinen fünfundfünfzig Jahren wird er der jüngste Kardinal der Weltkirche sein. Er wohnt in Berlin-Wedding, mitten in einem sozialen Brennpunkt, und agiert dort ohne Berührungsängste mit den Menschen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat ihn zum Vorsitzenden der Kommission für caritative Fragen gewählt.
Der zweite "neue" deutsche Kardinal heißt Karl Becker. Der dreiundachtzigjährige Jesuitenpater ist emeritierter Professor der Dogmatik an der Päpstlichen Universität Gregoriana und Berater der Kongregation für die Glaubenslehre. Die Ernennung gilt als Anerkennung für die Verdienste Beckers, insbesondere beim Zweiten Vatikanischen Konzil und in der Zeit danach sowie bei seinen Forschungen über das Verhältnis der Katholischen Kirche zu den anderen Weltreligionen. Karl Becker lebt heute in Rom. Da er das achtzigste Lebensjahr bereits überschritten hat, kann er bei einer Papstwahl nicht mehr teilnehmen.
Weitere zwanzig "neue" Kardinäle
Die neuen Kardinäle erhöhen die Zahl der Purpurträger auf zweihundertvierzehn, davon sind einhundertfünfundzwanzig unter achtzig Jahre alt und damit berechtigt, in einem Konklave einen neuen Papst zu wählen. Papst Benedikt XVI. hat folgende Würdenträger bekanntgegeben, die er zum Kardinal ernennen will:
- Erzbischof Fernando Filoni, Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker
- Monsignore Manuel Monteiro de Castro, Großpönitentiar
- Bischof April Santos y Castell, Erzpriester der Basilika Santa Maria Maggiore
- Erzbischof Antonio Maria Veglio, Präsident des Päpstlichen Migrantenrates
- Monsignore Giuseppe Bertelli, Präsident des Governatorates des Vatikanstaates
- Erzbischof Francesco Coccopalmerio, Präsident des Päpstlichen Rates für die Interpretation von Gesetzestexten
- Bischof Joao Braz de Aviz, Präsident der vatikanischen Ordenskongregation
- Erzbischof Edwin O'Brien, Pro-Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem
- Domenico Calcagno, Präsident der vatikanischen Güterverwaltung
- Erzbischof Giuseppe Versaldi, Präsident der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls
- George Alencherry, Erzbischof von Ernakulam-Angamaly, Indien – Oberhaupt der syro-malabarischen Kirche
- Erzbischof Thomas Christopher Collins, Erzbischof von Toronto, Kanada
- Bischof Dominik Duka, Erzbischof von Prag, Tschechien
- Erzbischof Willem Jacobus Eijk, Erzbischof von Utrecht, Niederlande
- Giuseppe Betori, Erzbischof von Florenz, Italien
- Erzbischof Timothy Michael Dolan, Erzbischof von New York, USA
- Bischof John Tong Hon, Bischof von Hongkong, China.
Dominik Duka wird Kardinal
Dominik Duka wurde am 26. April 1943 in Königgräz, dem heutigen Hradec Králové, geboren. Nach einer Ausbildung zum Schlosser und dem Wehrdienst trat er 1968 in den Orden der Dominikaner ein. Zwei Jahre später wurde Duka zum Priester geweiht. Er arbeitete im Erzbistum Prag in der Seelsorge, bis ihm dies 1975 von staatlicher Seite verboten wurde. 1981 wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil er weiterhin in seinem Orden tätig war. Nach seiner Freilassung verdiente er seinen Lebensunterhalt als Zeichner in Pilsen. 1990 – nach der politischen Wende – wurde er Dozent an der Theologischen Hochschule in Olmütz. 1998 ernannte ihn der Papst zum Bischof von Königgrätz – seiner Heimatstadt. Am 26. September 1998 wurde er zum Bischof geweiht. Seit 10. April 2010 ist er Erzbischof von Prag. Dominik Duka ist achtundsechzig Jahre alt.
John Tong Hon wird Kardinal
John Tong Hon ist Chinese. Er wurde am 31. Juli 1939 in Hongkong geboren. Nach einem Studium der Theologie an der Päpstlichen Universität Ubaniana in Rom empfing er 1966 durch Papst Paul VI. die Priesterweihe. Er ging nach Hongkong zurück und war am Holy Spirit Seminary College tätig. 1996 ernannte ihn der Papst zum Weihbischof von Hongkong. Die Bischofweihe fand am 09. Dezember 1996 statt. Am 15. April 2009 wurde Hon Bischof von Hongkong. Nach dem Konsistorium wird er der siebte chinesische Kardinal in der Kirchengeschichte sein. John Tong Hon gilt in China als Anwalt der unterdrückten Katholiken. Dabei prangert er immer wieder die mangelnde Religionsfreiheit an. Die Ernennung Hons gilt als Geste der Solidarität mit den chinesischen Katholiken. Hon ist zweiundsiebzig Jahre alt.
Würdenträger mit besonderen Verdiensten
Bei einem Konsistorium kreiert der Papst auch Würdenträger für ihr Lebenswerk zu Kardinälen. Am 18. Februar 2012 werden dies - neben dem deutschen Karl Becker - sein:
- Lucian Muresan, Erzbischof von Fagaras und Alba Julia, Rumänien (achtzig Jahre alt)
- Bischof Julien Ries, Priester der Diözese Namur, emeritierter Professor für Religionsgeschichte an der Universität Louvain-la-Neuve (einundneunzig Jahre alt)
- Pater Prospero Grech, ehemaliger Dozent für Bibelwissenschaften an der Lateran-Universität und Berater der Glaubenskongregation (sechsundachtzig Jahre alt).
Das Bayerische Fernsehen überträgt aus Rom ab 10.15 Uhr.
Quellen:
Katholische Presseagentur Österreich
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