
- Karfreitagsprozession in Perpignan - H.J.Scholten
Lachende Kinder, Wiedersehensfreude, düstere Trommelwirbel, unerbittliche, erbarmungslose Strenge, das sind die Impressionen, die den Reiz der berühmten Karfreitagsprozession der Confrerie de Sanch ausmachen.
Die Bluts-Bruderschaft "Confrerie de Sanch " veranstaltet den Umzug in Perpignan seit 500 Jahren
In den Gassen von Perpignan werden die Absperrungen verladen, langsam bewegt sich die Zeit wieder im normalen Gefüge. Ruhe und Gelassenheit, Andacht und Besinnung und all die Klischees, die mit einer Prozession verbunden werden, fehlen bei der Karfreitagsprozession in der Altstadt, die seit 500 Jahren in der gleichen Weise gefeiert wird und ein Fenster zur Geschichte des Mittelalters darstellt.
Um 15 Uhr eröffnet ein Trommelwirbel auf dem Vorplatz von S. Jacques die Prozession der Sanch-Bruderschaft, der so zu abertausenden Exekutionen in der vornehmlich europäischen Geschichte angeschlagen wurde. Der Gang zum Schafott, gemächlich setzt sich die der Zug in Bewegung. Vom Sammelplatz dem Jardin de la Miranda führt der Gang über die Rue de l'Eglise in die engen Häusergassen der Altstadt von Perpignan.
Alles, was mit der Prozession zu tun hat, ist genau festgelegt
Vornweg der Zugführer, der an jeder Kreuzwegstation das traditionell vorgeschriebene Ritual der Verbeugung vollzieht. Dann von starken Männerhänden getragen ein großes Kreuz, das im Volksmund „Improperis“ - das „Unpassende“ heißt. Am Kreuz befestigte Symbole erinnern an die 20 Stationen der Passion Jesus Christus.
Die Capa ruxta prägt das Erscheinungsbild der Prozession
Zwischen den verschiedenen Gruppen folgen dann mit Blumen geschmückte Tragen, auf denen Statuen der Muttergottes und anderer Heiliger stehen. Ein buntes Gemisch, bei dem die „Capa ruxta“, eine Tracht mit kegelförmiger Kappe, das Bild bestimmt.
Diese Tracht prägt die Karfreitagsprozessionen der Region. In dieser Form sieht man das Gewand auch in Spanien. Von dort, genauer aus Valencia, stammt auch der heilige Vincent Ferrer, der 1408 in Perpignan an der erfolglosen Kirchenspaltung zwischen Rom und Avignon beteiligt war, die jedoch das Schisma nicht beenden konnte. Vincent Ferrer gründete auch die „Confrerie de trés prècieux sang de Jesus Christ“, die zum Gedenken an die Passion die Karfreitagsprozession durchführt. Die Bruderschaft, die eine religiöse und karitative Basis hat, integriert die verschiedenen Gilden der Stadt.
Die Formen des Umzugs stammen aus Spanien
An der Kathedrale wartet die Abordnung der Geistlichen rechts vom Hauptportal, während links vom Portal die Würdenträger der Stadt auf einer Tribüne Platz nehmen. Mitten vor dem Portal, auf rotem Samt liegend, Jesus am Kreuz, vor dem die Teilnehmer der Prozession für kurze Zeit innehalten.
Seit 1951 wird die Prozession wieder in ihrer ursprünglichen Form gefeiert. Historiker verweisen in diesem Zusammenhang auf die besondere Geschichte , die das Roussillion als alter Teil Kataloniens in Frankreich hat und die für den Touristen nur kaum zu erfassen ist. Den besonderen Stellenwert, den die Prozession bei der Bevölkerung hat, belegen die zahlreichen Menschen, die den Wegesrand durch die Altstadt säumen. Die historischen Details, die dem Besucher nicht nur während der Karfreitagsprozession auf Schritt und Tritt begegnen, bleiben in der Kürze der Zeit allerdings im Nebel der Geschichte.
Wie dem auch sei, die Kräfte des Glaubens brauchen kein Hintergrundwissen. Sie flankieren den Weg und erzeugen den Kontrast und die Ausstrahlung dieser Prozession, die für kurze Zeit das Leben der Menschen in der Altstadt von Perpignan bestimmt.
