Karl May – der Schriftsteller im Portrait

Eine kleine Auswahl an Karl-May-Werken - Christian Goldmann
Eine kleine Auswahl an Karl-May-Werken - Christian Goldmann
Der Verfasser zahlreicher Abenteuerromane und geistige Vater von Winnetou, Old Shatterhand und Hadschi Halef Omar führte ein wild bewegtes Leben.

Wenn am 30. März 2012 des hundertsten Todestages von Karl May gedacht wird, ist den meisten Menschen dieser Name kaum noch präsent, obwohl es sich bei ihm um einen der produktivsten und in seiner Zeit arriviertesten Schriftsteller handelt.

Umfangreiches Werk

Im Alter von 32 Jahren begann der 1842 geborene Karl May seine schriftstellerische Laufbahn. Zunächst als Autor einzelner Erzählungen, später als Redakteur verschiedener Unterhaltungsblätter. Bis zu seinem Tod wurden über einhundert Erzählungen notiert. Es mögen noch etliche mehr gewesen sein, denn nicht alle erschienen unter seinem Namen, der eigentlich Carl Friedrich May lautete, sondern auch unter verschiedenen Pseudonymen. Sein Werk als Romancier umfasste über siebzig Bände, die zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurden.

Literarisches Schaffen

Karl May war einer der erfolgreichsten Autoren von Abenteuerromanen und Jugenderzählungen. Seine Bücher wurden in dreiunddreißig Sprachen übersetzt und erreichten eine Gesamtauflage von mehr als zweihundert Millionen. Sein der Trivialliteratur zuzuordnendes Schaffen beschrieb Schauplätze auf der ganzen Welt, bemerkenswerterweise zumeist Orte, die er selbst nie zu Gesicht bekommen hatte. Inhaltlich steht die Konfrontation zwischen Gut und Böse im Vordergrund, wobei die Charaktere seiner Protagonisten reichlich einseitig dargestellt wurden. Schwülstige Formulierungen und ein oft derber Wortwitz bestimmten seinen Stil. Sein Spätwerk wurde von weltanschaulichen, pazifistischen Inhalten mit pietistischen Tendenzen geprägt. Obwohl Karl May seinem Spätwerk große Bedeutung zumaß, waren tatsächlich die Abenteuerromane die wahren Kassenschlager. Geschickt ließ der Autor die Handlung auf einen Höhepunkt zulaufen, dessen Auflösung sich häufig erst im Folgeband ergab.

Karl May heute

Werden seine Romane wegen ihres Stils und überholter Moralvorstellungen kaum noch gelesen, finden insbesondere seine Winnetou-Geschichten immer noch zahlreiche Interessenten, wenn sie als sommerliche Spektakel aufgeführt werden. Der Kalkberg im holsteinischen Bad Segeberg, die Felsenbühne in Rathen in der Sächsischen Schweiz oder der Lößnitzgrund im sächsischen Radebeul bieten ebenso gute Kulissen für Karl-May-Festspiele wie die dalmatinische Karstlandschaft für die äußerst erfolgreichen Verfilmungen seiner Abenteuergeschichten in den 1960er Jahren.

Eine sehr sehenswerte Ausstellung

über das Leben der nordamerikanischen Indianer ist in Radebeul in der Villa Bärenfett zu besichtigen. Zudem bekommt man Eindrücke in das Leben von Karl May in der ebenfalls dort befindlichen Villa Shatterhand, seines Wohn- und Sterbehauses.

Kriminelle Jugend

Karl May wurde am 25. Februar 1842 als fünftes Kind einer armen Weberfamilie im sächsischen Ernstthal geboren. Trotzdem erlangte er die nötige schulische Erziehung, welche ihm eine Ausbildung zum Lehrer ermöglichte. Diesen Beruf konnte er jedoch nie ausüben, weil er wegen einiger kleiner Diebstähle belangt wurde und somit vorbestraft war. Seinen Lebensunterhalt legal zu bestreiten, war ihm anfangs kaum möglich, sodass er wiederum wiederholt wegen Diebstahls und zudem wegen Betrügereien, Hochstapelei und Amtsanmaßung sogar zu Haft verurteilt wurde. Im Zuchthaus bei Zwickau verwaltete er während seiner vierjährigen Haftzeit die Anstaltsbibliothek und studierte dort die umfangreiche Reiseliteratur. Die so erworbenen Kenntnisse flossen später in sein Werk ein.

Redakteur

Nach seiner Entlassung begann er 1874 schriftstellerisch tätig zu werden. In der zu dieser Zeit prosperierenden Unterhaltungsbranche der Zeitungen fand Karl May eine Anstellung als Redakteur. Seine große Schaffenskraft ließ ihn reüssieren. Zahlreiche Erzählungen und erste Reiseromane erschienen.

Erfolge

Die 1892 begonnene Reihe „Carl May‘s Gesammelte Reiseromane“ bescherte ihm Erfolg, finanzielle Sicherheit und Popularität. Seine Protagonisten Old Shatterhand mit dem „edlen“ Indianer Winnetou als Gefährten aus dem damals noch „Wilden Westen“ oder Kara Ben Nemsi in den Abenteuern des Vorderen Orients wurden vom Publikum mit seiner Person gleichgesetzt. Einem Anschein, den Karl May durch seine Ich-Erzählungen bewusst geweckt und gefördert hatte. Drei Wunderwaffen, die „Silberbüchse“, der „Bärentöter“ und der „Henrystutzen“, welche in seinen Romanen von zentraler Bedeutung waren, hatte er sogar von einem heimischen Büchsenmacher anfertigen lassen und zeigte sie in seinem Haus dem Publikum. Realität und Fiktion verschwammen immer mehr in einer „Old Shatterhand-Legende“.

Reisen

In den Jahren 1899 und 1900 reiste Karl May erstmals in den Orient. Auf der 1 ½-jährigen Reise gelangte er bis nach Sumatra. 1908 besuchte er mit seiner zweiten Ehefrau Klara Nordamerika.

Letzte Jahre

Obwohl er auf seinen Reisen Land und Leute genau studiert und in einem Reisetagebuch fixiert hatte, änderte er die Thematik seiner folgenden Werke. Die „Menschheitsfrage“ glaubte er lösen zu können, sein Interesse galt fortan religiösen und pazifistischen Themen.

Allerdings hatte sich inzwischen seine Popularität in das Gegenteil verkehrt, als bekannt geworden war, dass die Abenteuerromane lediglich auf Fiktionen beruhten. Seine unrühmliche Vergangenheit wurde öffentlich diskutiert. Trotzdem konnte er sich bis zu seinem Tod im Jahr 1912 der Wertschätzung gewisser akademischer Kreise sicher sein.

Christian Goldmann, Christian Goldmann

Christian Goldmann - Mein Name ist Christian Goldmann. Ich bin 33 Jahre alt und arbeite seit einigen Jahren als Journalist in Bremen und Umgebung. Zuvor habe ...

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