Karl-Theodor zu Guttenberg ein notorischer Fälscher?

Neue Plagiatsvorwürfe gegen zu Guttenberg. - Herder Verlag
Neue Plagiatsvorwürfe gegen zu Guttenberg. - Herder Verlag
Nicht erst mit seiner abgeschriebenen Doktorarbeit wurde zu Guttenberg als Fälscher entlarvt. GuttenPlag-Wiki hat frühere Plagiate entdeckt.

Karl-Theodor zu Guttenberg hatte ein fulminantes Medien-Comeback in Deutschland, obwohl er persönlich gar nicht anwesend war. Die beiden Talkmeisterinnen Anne Will von der ARD und Maybritt Illner vom ZDF hatten ihre Sendungen auf den Ex-Verteidigungsminister zugeschnitten und sich mit der zentralen Frage beschäftigt, ob es eine politische Wiederauferstehung für den CSU-Politiker aus dem fränkischen Kulmbach geben wird. Möglicherweise rief dieser Hype um das jetzt auf den Markt geworfene Buch „Vorerst gescheitert“ – explizit dessen Inhalt – die Plagiatsjäger von GuttenPlag-Wiki aus ihren Startlöchern, um früheren Arbeiten des zurzeit in den USA weilenden Ex-Politikers nach abgeschriebenen Texten zu untersuchen. Siehe da, sie wurden fündig und veröffentlichten ihr Ergebnis mit großem Tamtam am 3. Dezember 2011 als vorgezogene Nikolausüberraschung. Karl-Theodor zu Guttenberg hatte es bereits 2004 mit dem Urheberrecht nicht so genau genommen und in einem Aufsatz große Teile von Texten anderer Autoren Eins zu Eins übernommen.

Karl-Theodor zu Guttenberg hat bereits vor seiner Doktorarbeit plagiiert

Der Aufsatz Karl-Theodor zu Guttenbergs mit dem Titel "Die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU - eine 'Privilegierte Partnerschaft' " war im Jahr 2004 in einer Schriftenreihe der eng mit der CSU verknüpften Hans-Seidel-Stiftung erschienen. Laut Berichten in verschiedenen Gazetten weist GuttenPlag-Wiki darauf hin, dass mindestens die Hälfte des Textes aus fremden Quellen und nicht aus der Feder des CSU-Politikers stammt. Es stellt sich die bisher unausgesprochene Frage, ob Karl-Theodor zu Guttenberg ein notorischer Fälscher ist, der sich gerne an der geistigen Arbeit anderer bedient, um sein eigenes Licht auf den Scheffel zu stellen. Die Berliner Morgenpost wirft den Begriff des "publizistischen Systems zu Guttenbergs" auf Da mutet es wie eine Farce an, wenn in der Sendung von Anne Will ein Bewohner des Dorfes Guttenberg mit „dass er ehrlich ist“ antwortet, als er gefragt wird, was er an dem Freiherrn besonders schätzt.

Der Ex-Verteidigungsminister hat sogar von CSU-Freund Michael Glos abgeschrieben

Die Süddeutsche Zeitung lässt sich darüber aus, dass zu Guttenberg in seinem Aufsatz von 2004 gerade Textpassagen von seinem CSU-Freund und Förderer Michael Glos abgeschrieben hat. SZ-Journalist Tanjev Schultz verweist auf die Sendung von Anne Will, in der Michael Glos zu den Teilnehmern der Talk-Runde zählte, die zu Guttenberg milde gestimmt waren und versucht hatten, ihn zu verteidigen. Der Ex-Verteidigungsminister hat sich zu den neuen Plagiatsvorwürfen in der „Die Welt am Sonntag“ geäußert und sie mehr oder minder als haltlos abgetan. Er beruft sich darauf, dass es sich bei dem Aufsatz nicht um eine wissenschaftliche Arbeit gehandelt habe. Die benutzten Quellen hätten dazu gedient, seine politische Meinung zu unterfüttern. Allerdings hatte er diese Zitate nicht als solche gekennzeichnet.

In "Vorerst gescheitert" streitet zu Guttenberg einen Fälschungsvorsatz ab

In dem im Herder-Verlag erschienen Buch "Vorerst gescheitert", wo ein Interview wiedergegeben wird, das der Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo mit Karl-Theodor zu Guttenberg geführt hat, bestreitet der Ex-Verteidigungsminister jegliche Fälschungsabsicht, die ihm beim Erstellen seiner Doktorarbeit vorgeworfen wird. Er räumt lediglich eine destaströse Arbeitsweise ein. Die nun bei GuttenPlag-Wiki nachgewiesenen Plagiate in einem früheren Aufsatz rücken zu Guttenbergs Erklärung erneut in ein schales Licht, zumal die Untersuchungskommission der Universität Bayreuth bereits vor Monaten erklärt hatte, dass es sich bei der plagiierten Doktorarbeit eindeutig um eine vorsätzliche Tat handele.

Quellen:

  • SZ online
  • Berliner Morgenpost
  • Welt online
Ruth Weitz, © Ruth Weitz

Ruth Weitz - Ruth Weitz, freie Journalistin, Obernburg am Main. Presse- und PR-Arbeit. Foto-Aufnahmen. Ich habe Schreiben zu meiner Profession ...

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