Karlsruher Meisterkonzerte gehen 2010/11 in die dritte Saison

Karlsruher Meisterkonzerte: Johannes Moser - Veranstalter Karlsruhe Klassik
Karlsruher Meisterkonzerte: Johannes Moser - Veranstalter Karlsruhe Klassik
Reihe im Konzerthaus Karlsruhe präsentiert 2010/11 u.a. Pianist Alexander Melnikow, Geigenvirtuose Guy Braunstein und Cellisten Johannes Moser.

Bei den Karlsruher Meisterkonzerten konnte man schon einiges erleben: Olli Mustonen spielte Tschaikowskis erstes Klavierkonzert so, wie man es noch nie zuvor gehört hatte und rührte damit eine Zuhörerin zu Tränen. Tabea Zimmermann ging derart in Alfred Schnittkes spektakulärem, herausforderndem, farbenreichem Konzert für Viola und Orchester auf, dass wohl niemand im Publikum jemals wieder leichtfertig einen Bratschenwitz erzählen wird. Und Sabine Meyer verriet im Interview vor ihrem Auftritt gut gelaunt, dass immer nur Mozarts Klarinettenkonzert zu spielen auf Dauer auch langweilig werde. Sie ließ ihren Worten in Paul Hindemiths Klarinettenkonzert, das Benny Goodman gewidmet ist, effektvoll Taten folgen.

Rückblick: Aus den Europäischen Meisterkonzerten wurden 2008 die Karlsruher Meisterkonzerte

Als die Agentur Karlsruhe Klassik in der Saison 2008/09 die Europäischen Meisterkonzerte von der Konzertdirektion Laube übernahmen, war kaum abzusehen, wie sich das Projekt entwickeln würde. Konzeptionell neu ausgerichtet, mit dem Namen „Karlsruher Meisterkonzerte“ versehen und an andere Spielstätte verlegt, sollte die nun im Konzerthaus Karlsruhe stattfindende Reihe mit sechs Sinfoniekonzerten und zwei Kammermusikabenden große Orchester, internationale Solisten und namhafte Dirigenten in die Fächerstadt locken, inhaltlich lebendiger und frischer werden und ein größeres Publikum ansprechen. Doch zunächst brachen die Abonnementzahlen ein, wanderten Konzertbesucher entweder zur „Wiener Klassik“ in die Stadthalle Karlsruhe oder gleich ins prominent aufgestellte Festspielhaus Baden-Baden, dem Klassik-Goliath der Region, ab.

Karlsruher Meisterkonzerte: Saison 2009/10 mit Stars wie Sabine Meyer, Tabea Zimmermann und Olli Mustonen erfolgreich

Doch wo ein Wille, da auch ein Weg: Im Wissen um ein Veränderungspotenzial, das sich zwar langsam, aber doch stetig und auf lange Sicht erfolgreich umsetzen lässt, vertrauten Alexandra Hodapp und Michael Heintz von der verantwortlichen Agentur Karlsruhe Klassik auf den eingeschlagenen Weg – und das mit Erfolg. Bereits in der zweiten Saison der Karlsruher Meisterkonzerte stieg zumindest der Einzelkartenverkauf dank Stars wie der Bratschistin Tabea Zimmermann, dem Pianisten Olli Mustonen und der Klarinettistin Sabine Meyer sowie der verpflichteten „Hausorchester“ (Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Staatsorchester Rheinische Philharmonie, Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg) deutlich an.

Zuspruch für die Karlsruher Meisterkonzerte auch vom jungen Publikum

Selbst bei jungen Konzertbesuchern, die in diesem Sektor sonst eher die Ausnahme als die Regel sind, findet das Programm der Karlsruher Meisterkonzerte immer mehr Zuspruch. Eine Art „Popkultur im Klassikbereich“ sieht Michael Heintz von Karlsruhe Klassik darin, dass renommierte Solisten – gerade, wenn sie jünger sind – auch eine entsprechende Generation im Publikum anziehen. Schüler, Studenten und Auszubildende profitieren zudem von den starken Nachlässen in Höhe von 50 Prozent auf die ohnehin günstigen Kartenpreise („Klassikkonzert zum Kinokartenpreis“ in der fünften Kategorie), die im flexiblen Abonnement weiter sinken.

Interessant für alle Altersklassen: Kann ein Abonnent einen Termin nicht wahrnehmen, so kann er seine Karte gegen einen übertragbaren Gutschein für eine andere Veranstaltung eintauschen.

Im nächsten Schritt ist eine mögliche Zusammenarbeit mit der Stadt Karlsruhe im Jugend- und Schulbereich im Gespräch, die hinsichtlich der Entwicklung der Idee allerdings noch in den Kinderschuhen steckt. Fest steht bislang nur so viel: Man sollte die musikpädagogischen Angebote der einzelnen Orchester, die fest mit den Karlsruher Meisterkonzerten verzahnt sind, nutzen!

Weitere inhaltliche Änderungen bei den Karlsruher Meisterkonzerten in der Saison 2010/11

Vom bisherigen Ansatz, in den beiden Kammermusikabenden junge, eher unbekanntere Pianisten wie Claire Huangci vorzustellen, ist man abkommen. Schon der Auftakt der dritten Saison mit dem renommierten Cellisten Daniel Müller-Schott in Begleitung von Robert Kulek (10.10.2010, Konzerthaus Karlsruhe) zeigt: Der instrumentale Kanon ist hier nun breiter gefächert, die Namen sind deutlich gewichtiger. So gibt sich am 19.03.2011 mit Pianist Martin Stadtfeld ein Musiker die Ehre, der ob seiner leichtfüßigen bis exstatischen Interpretationen von Kritikern und Fans gleichermaßen als „Bach-Superstar“ gehandelt wird. Er spielt unter anderem Johann Sebastian Bachs „Goldberg-Variationen“.

Eine weitere Neuerung ist die Einbeziehung der Oper in die Aufstellung der Konzertreihe. In der „Italienischen Nacht“ am 16.01.2011 widmen sich die Sopranistinnen Raffaella und Giorgia Milanesi und der Tenor Ji-Min Park mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern (Leitung: Christoph Poppen) Arien und Ensemblenummern von Verdi, Rossini, Donizetti und anderen.

Starke Solisten in der 3. Saison der Karlsruher Meisterkonzerte

Als weitere Solisten für die Sinfoniekonzerte konnten unter anderem die junge norwegische Violinistin Vilde Frang für ein ganz besonderes Weihnachtsprogramm (22.12.2010, Konzerthaus Karlsruhe) sowie der Pianist Sebastian Knauer für einen Auftritt im November verpflichtet werden. Knauer kennt man als ständigen Begleiter des Violinisten Daniel Hope, der sich auch als Autor versucht (sein aktuelles Buch: „Wann darf ich klatschen? Ein Wegweiser für Konzertgänger“). In Karlsruhe tritt Knauer am 14.11.2010 unter dem französischen Dirigenten und Pianisten Philippe Entremont mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz auf.

Karlsruher Meisterkonzerte: Programmübersicht der Saison 2010/11

  • SO 10.10.2010 Daniel Müller-Schott, Violoncello; Robert Kulek, Klavier JOHANNES BRAHMS Sonate für Klavier und Violoncello Nr. 1 FRANZ SCHUBERT Sonate für Arpeggione (Violoncello) und Klavier DMITRI SCHOSTAKOWITSCH Sonate für Violoncello und Klavier

  • SO 24.10.2010 Guy Braunstein, Violine; Karl-Heinz Steffens, Dirigent; Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz LUDWIG VAN BEETHOVEN Leonoren-Ouvertüre Nr. 2 DMITRI SCHOSTAKOWITSCH Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 LUDWIG VAN BEETHOVEN Sinfonie Nr. 7

  • SO 14.11.2010 Sebastian Knauer, Klavier; Philippe Entremont, Dirigent; Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz CARL-MARIA VON WEBER Ouvertüre zur Oper „Oberon“ LUDWIG VAN BEETHOVEN Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 SERGEI PROKOFJEW Sinfonie Nr. 5

  • MI 22.12.2010 Vilde Frang, Violine; Daniel Raiskin, Dirigent; Staatsorchester Rheinische Philharmonie O. NICOLAI Weihnachtsouvertüre über den Choral „Vom Himmel hoch“ W. A. MOZART Konzert für Violine und Orchester Nr. 4 LEONARD BERNSTEIN Ouvertüre zur Oper „Candide“ AARON COPLAND Rodeo GEORGES GERSHWIN Ein Amerikaner in Paris

  • SO 16.1.2011 Raffaella Milanesi, Sopran; Giorgia Milanesi, Sopran; Ji-Min Park, Tenor; Michael Quast, Moderation; Christoph Poppen, Dirigent; Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern Ouvertüren, Arien, Duette und Terzette von GIUSEPPE VERDI, GIOACCHINO ROSSINI, GAETANO DONIZETTI, RUGGIERO LEONCAVALLO, FRANCESCO CILEA, u.v.a.

  • SA 5.3.2011 Alexander Melnikow, Klavier; Alejo Pérez, Dirigent; SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg PETER TSCHAIKOWSKI Romeo und Julia, Fantasie-Ouvertüre CAMILLE SAINT-SAENS Klavierkonzert Nr. 2 NIKOLAI RIMSKI-KORSAKOW Scheherazade

  • SA 19.3.2011 Klavier Recital Martin Stadtfeld JOHANN SEBASTIAN BACH Französische Ouvertüre BWV 831 Drei Choräle BWV 959, BWV 639 und BWV 734 Aria mit 30 Veränderungen „Goldberg-Variationen“ BWV 988

  • FR 15.4.11 Johannes Moser, Violonchello; Nicholas Milton, Dirigent; Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern AARON COPLAND Fanfare for the Common man FABRICE BOLLON Konzert für elektrisches Cello und Orchester (Uraufführung) RICHARD STRAUSS Ein Heldenleben op. 40

Elisa Reznicek - Ich interessiere mich für die unterschiedlichsten Themenbereiche und möchte immer noch etwas mehr wissen. Wenn am Ende dabei ein ...

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