Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns

Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns - Jumbo Neue Medien
Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns - Jumbo Neue Medien
Die satirische „Grande fantaisie zoologique" parodierte Melodien einiger Musikerkollegen. Das Lehrstück für Programmmusik begeistert Kinder und Erwachsene.

Camille Saint-Saëns schrieb den "Karneval der Tiere" zunächst als Klavieretüde für eine Karnevalsfeier unter Freunden im Jahr 1886. Zu seinen Lebzeiten wollte er die Version für Kammerorchester nicht veröffentlichen, da er mehrere Themen bekannter und zum Teil noch lebender Komponisten persifliert hatte. Außerdem mag er befürchtet haben, wegen des satirischen Charakters in der Musikwelt nicht mehr ernst genommen zu werden.

Seit der erfolgreichen Uraufführung 1922 in Paris zählt das Stück zu den beliebtesten Orchesterwerken und hat vor allem als Paradebeispiel für Programmmusik im Schulunterricht seinen festen Platz.

Camille Saint-Saëns: Wunderkind an Klavier und Orgel

Camille Saint-Saëns (1835-1921) war ein musikalisches Wunderkind: Mit drei Jahren begann er am Klavier die ersten Melodien zu improvisieren, bevor er mit fünf kleine Kompositionen schrieb. Als Elfjähriger debütierte er mit einem Klavierkonzert von Mozart, und mit 18 schrieb er seine erste Sinfonie. Zur gleichen Zeit wurde er bereits zum Organisten der Église Saint-Merry in Paris berufen.

Saint-Saëns gilt stilistisch als einer der typischen Vertreter der französischen Romantik, der neben seinen Tätigkeiten als Pianist und Organist ein umfangreiches Werk schuf. Nicht weniger als 12 Opern schrieb der Fleißarbeiter, von denen Samson und Delila von 1877 am bekanntesten wurde. Weiterhin komponierte er fünf Sinfonien und fünf Klavierkonzerte, diverse Oratorien, Konzerte für Viola und Violoncello sowie Kammermusik.

Karneval der Tiere- Grande fantaisie zoologique

Die Suite "Karneval der Tiere" besteht aus 14 Kleinkunstwerken mit jeweils einer anderen Instrumentierung, die programmatisch auf die betreffenden Tiere abgestimmt ist. Erst im letzten Stück treffen sich alle Instrumente zu einem fulminanten Finale. Die zur damaligen Zeit originelle Besetzung sieht zwei Klaviere, zwei Violinen, Violoncello, Kontrabass, Flöte, Klarinette, Glasharmonika und Xylophon vor.

Thematisch bediente sich Saint-Saëns bei Jaques Offenbach, dessen "Can Can“ er von betagten Schildkröten in Zeitlupe nachempfinden ließ. Auch das Ballett "La Sylphide" von Hector Berlioz verwendete er als Vorlage für eine groteske Einlage: Die Elefanten führen hier zu behäbiger Kontrabassbegleitung einen schwerfüßigen Elfentanz auf. Außerdem können Opernfreunde bei den Fossilien eine Lieblingspassage wiedererkennen, Saint-Saëns flocht in diesem Stück das Thema der Arie Rosinas "Una voce poco fa" aus dem Barbier von Sevilla ein.

Die Stücke: Von Löwen, Schildkröten und Pianisten

Die Handlung ist schnell erzählt: Tiere aus allen Teilen der Welt versammeln sich, um gemeinsam ein rauschendes Fest zu feiern. Im Anschluss an den dem imposanten Einmarsch des Löwen wechseln sich Gegacker und Krähen der Hühner und Hähne mit den Stampflauten der Elefanten ab. Während flinke Gazellen sich mit perlenden Klavierläufen ankündigen, begleiten Streichinstrumente in Triolen den schwerfälligen Schildkrötentanz. Auf hüpfende Kängurus folgt das beruhigende Stimmungsbild eines Aquariums, bevor Violine und Flöte beschwingte Esel und Vögel skizzieren.

Tiere oder nicht, auch die Pianisten bereiten sich auf das Fest vor, Saint Saëns lässt die Spieler Tonleitern üben, bis die Streicher einfallen und das Geplänkel doch noch in einen bravourösen Auftritt mündet. Ein majestätisch gleitender Schwan stand Pate für das letzte Stimmungsbild vor dem großen Finale. In einem donnernden Galopp mit dem ganzen Orchester treten schließlich alle Tiere gemeinsam auf, und wer genau hinhört, kann fast jedes Einzelthema noch einmal erkennen.

Quelle:

Elke Geyer, Elke Geyer

Elke Geyer - Ich erblickte 1974 in Hildesheim das Licht der Welt und entschied mich nach der Schulzeit zunächst für die Juristenlaufbahn. ...

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