Mardi Gras - Karneval in New Orleans

Närrisches Treiben in der Geburtsstätte des Jazz

Armstrong als 'King of the Zulus' - Panassié: Louis Armstrong, Scribner's, 1971
Armstrong als 'King of the Zulus' - Panassié: Louis Armstrong, Scribner's, 1971
Mardi Gras ist der berühmte Karneval in New Orleans. Der Karneval-Tourismus brachte Tausende in die Stadt. Society-Clubs und Bands waren nach Rassen getrennt.

Mardi Gras - Karneval in New Orleans

Die Nordlichter und der Jazz haben etwas gemeinsam: der Karneval geht annähernd spurlos an ihnen vorüber. Begibt man sich auf die Suche nach karnevalistischen Themen, wird man in einer Jazz-Sammlung, so gut sie auch sein mag, kaum etwas finden. Lediglich drei Titel passen zu diesem Thema, einmal ist es King Oliver mit seinem 'Zulus Ball' von 1923, dann Louis Armstrong mit seinem 'The King Of The Zulus', das war 1926, und schließlich Bessie Smith mit ihrem 'There'll Be A Hot Time In The Old Town To-Night', aufgenommen im Jahre 1927.

King of the Zulus - ein Ehrenamt

Ähnlich wie in deutschen Landen wird der Karneval auch in New Orleans gefeiert. Der berühmte Mardi Gras, mit westindischem Coloer, bringt Hunderttausende auf die Beine. Das Spektakel findet quer durch alle Rassen und Hautfarben statt. Auch einen Karneval-Tourismus gab es, wie halbseitige Anzeigen einer privaten Eisenbahngesellschaft in der Zeitschrift "National Geographic" beweisen.

Im Jahre 1910 wurde in New Orleans der Gesellschaftsclub „The Zulu Aid and Pleasure Club“ gegründet, der jedoch bald nur noch zum Mardi Gras aktiv wurde. Ein berühmter Einwohner der Stadt oder eine prominente, in New Orleans geborene Persönlichkeit wird zum „King of the Zulus“ gewählt. In vollem Ornat, ausgestattet mit den königlichen Insignien, führt er den Karnevalszug an. Sein Fahrzeug ist prunkvoll dekoriert. Im Anschluß an den Umzug, der von morgens 9.00 Uhr bis etwa 17.00 Uhr am Nachmittag stattfindet, eröffnet er am Abend den Abschlußball, den Höhepunkt des närrischen Treibens. Der Altmeister des Jazz, Louis Armstrong, wurde im Jahre 1949, immerhin schon im gesetzten Alter von 48 Jahren, das, was er bereits 23 Jahre vorher spielte und sang: „King Of The Zulus“.

Rassentrennung bei den "society-bands"

Die Kapellen, von den „society clubs“ engagiert und bezahlt, waren damals entweder schwarz oder weiß, jedoch nie gemischt. „The Halfway House Dance Orchestra“, fast identisch mit den späteren „New Orleans Rhythm Kings“, gehörte als weiße Band zur musikalischen Prominenz der Stadt. Vor allem aber die farbigen „society bands“, durchweg kreolische Orchester wie z.B. Armand Piron’s Band oder John Robichaux’s Orchestra, waren auf den Straßen beim Umzug zu finden. Auch sie hielten sich als Kreolen streng getrennt von den schwarzen Bands wie Oscar Celestin, Sam Morgan oder der Original Tuxedo Jazz Band. Jede Band hatte also, je nach Hautfarbe, ihr eigenes Publikum. Wenn Bessie Smith allerdings in ihrem „There’ll Be A Hot Time In The Old Town To-Night“ eine Jazzband besingt, ist es mit Sicherheit eine schwarze. Diese „Old Town“ soll irgendwo in Louisiana gelegen haben, ist aber auf keiner Landkarte zu finden. Deshalb liegt "Old Town" überall dort, wo Karneval gefeiert wird.

Bernhard H. Behncke, Dorothea Behncke-Brahmer

Bernhard H. Behncke - Ich wurde 1935 in Pinneberg bei Hamburg geboren. Nach dem Gymnasium begann ich eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete ...

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