
- Der Prototyp eines Ritters - Dennys82 / Dreamstime.com
Noch heute spricht man von ritterlichen Tugenden und vom Kämpfertum, das beides diesen Stand auszeichnete. Mit 15 Jahren musste der "Knappe“, wie der Anwärter auf den Ritterstand genannt wurde, den Gebrauch der Waffen erlernen. Bereits mit sieben Jahren konnten die meisten Jungen schon reiten. Am Hofe eines befreundeten Adeligen oder Ritters lernte er das feine Benehmen – die "höfische Zucht". Die Schulbildung und die religiöse Erziehung übernahm ein Geistlicher der niederen Weihegrade, ein Kapellan oder Mönch. War der Knappe herangewachsen und entsprechend ausgebildet, wurde er feierlich zum Ritter geschlagen. Bei diesem Initiationsritus musste er geloben, die höfische Zucht zu wahren, Beschirmer der Witwen und Waisen zu sein und mutig für seinen Glauben zu kämpfen.
Vom Knaben zum Pagen und dann zum Knappen
Auch wenn der Zeitgeist des Hochmittelalters ein gänzlich anderer als heute war, galt auch damals die Devise: Wer es zu etwas bringen will im Leben, muss früh beginnen sich zu bilden, um seinen (vorbestimmten) Zielen auch gerecht zu werden. Zum Zwecke seines späteren Zieles, ein edler Ritter zu werden, wurden die adeligen Jungen im Alter von sieben bis zehn Jahren an den Hof befreundeter Adeliger oder Ritter gegeben. Die Jungen galten ab nun als Pagen und gingen den Rittern zur Hand. Die Ausbildung im Umgang mit Waffen begann mit zwölf Jahren. Die Verantwortung lag beim Feudalherrn, bei dem sie wohnten, die Ausbildung selbst übernahm ein Ritter. Für viele Jungen wurde er gleichzeitig zur Vaterfigur.
Bis etwa zum 14. Lebensjahr dienten die Jungen als Pagen, danach galten sie praktisch als volljährig, konnten heiraten und den Treueeid ableisten. Ab nun dienten sie ihren Herrn als Knappen. Das bedeutete, sie waren zuständig für die Versorgung der Pferde, den Transport und die Instandhaltung der Waffen und der Rüstung. Als Knappen begleiteten sie die Ritter auf Kriegszügen, zu Turnieren und auf der Jagd. Hatten sie ihre Knappenjahre erfolgreich hinter sich - meist um das 21. Lebensjahr -, waren sie bereit, den Ritterschlag entgegenzunehmen.
Ritterschlag und Schwertleite – der Unterschied
Der Ritterschlag ist, wie bereits angeführt, ein feierlicher Initiationsritus, mit dem der Knappe von einem anderen Adeligen in den Ritterstand erhoben wurde. Den Ritterschlag gibt es bis auf den heutigen Tag, wenn auch aus anderen Motiven heraus als im Hochmittelalter. Der feierliche Akt lief so ab, dass der Knappe vor einer Persönlichkeit aus dem Hochadel kniete und diese ihm mit der Schwertklinge leicht antippte, meist an der Schulter. Oder dass der Knappe die Schwertklinge berührte. Üblich war es auch, dass mehrere Knappen gleichzeitig zu Rittern geschlagen wurden.
Bei der Schwertleite, die ab dem zwölften Jahrhundert nachweisbar ist, wurde der Anwärter auf die Ritterwürde mit dem Schwertgurt umgürtet und erhielt seine Sporen. Im Ursprung der Ritterwürde war der Schwertgürtel - neben den Sporen - das eigentliche Symbol. Nichtritterliche Kämpfer befestigten die Waffe gewöhnlich am Pferdesattel. Es heißt, dass die Schwertleite ursprünglich nur ein Mannbarkeitsritus gewesen sein soll. Bei der Schwertleite bekam der Anwärter auf die Ritterwürde einen Schlag ins Gesicht. Warum das so gehandhabt wurde, darüber gibt es verschiedene Deutungen: Entweder, damit die Zeremonie besser haften blieb beim Empfänger oder weil man glaubte, dass so die Kraft des Schlagenden auf den Geschlagenen übergeht. Oder drittens, der Geschlagene konnte so seine Fähigkeit zur Selbstbeherrschung unter Beweis stellen, was ihn als Erwachsenen auswies.
Was den frisch geschlagenen Ritter auszeichnete
Die höchsten Tugenden, sie werden dem Ritter bis heute nachgesagt, erwarb er dem Zeitgeist des Hochmittelalters entsprechend im "Minnesang“. Keineswegs war er nur draufgängerischer Kämpfer und Krieger. Voll Verehrung (s)einer adligen Herrin suchte er ihr neben Kampf und Krieg durch seine beständige Treue, seine maßvolle Bescheidenheit und seinem großen Mut Ehre zu machen. Mancher Ritter besang das Lob seiner "frouwe“ in kunstvollen Liedern. Der berühmteste war Walter von der Vogelweide (um 1200). Die Literatur des Hochmittelalters propagierte das Ideal der höfischen Liebe, den Frauendienst, der die Frau zu einem für den Ritter unerreichbaren Ideal stilisiert. Da es sich bei der höfischen Liebe um ein außereheliches Liebeswerben handelte, schritt die Kirche ein. Sie ermahnte Eltern und Lehrer, den heranwachsenden und künftigen Rittern moralisch einwandfreie Werke vorzulesen, anstelle von Minneliedern und Ritterepen. In ihren Augen waren dies "unzüchtige Geschichten und Fabeln aus der vergänglichen Welt". Wie auch immer die Ritter dazu standen, sie erklommen eine sagenhafte Karriereleiter, ganz mit den Mitteln ihrer Zeit.
Quellenangabe: Die Ausbildung zum Ritter
