
- Start - Alfred Teske
Längst vorbei sind die Zeiten, dass Steuerberater und Rechtsanwälte die bei ihren Mandanten anfallenden Daten mühsam mit mechanischen Systemen speicherten. Selbst die in solchen Kanzleien vorhandenen Datensysteme reichen dafür nicht mehr aus. Üblicherweise werden die bei solchen Dienstleistern anfallenden Daten über Buchführungsgenossenschaften verarbeitet. Eine der größten ist die seit 1966 bestehende DATEV, die sich als einer der bedeutendsten Informationsdienstleister und Softwarehäuser in Europa sieht.
Mit ihrem Angebot in den Bereichen Rechnungswesen, Personalwirtschaft, betriebswirtschaftliche Beratung, Ermittlung der anfallenden Steuern, Organisation und Planung erwirtschaftete die Genossenschaft im Jahre 2008 einen Umsatz von fast 650 Millionen Euro. Sie zählte 39.293 Mitglieder und beschäftigte 5.564 Mitarbeiter. Über sie läuft die Finanzbuchführung von 2,5 Millionen meist mittelständischer Unternehmen. In Nürnberg werden monatlich mehr als sieben Millionen Lohn- und Gehaltsabrechungen erstellt, während weitere zwei Millionen mit ihren Programmen bei den Mitgliedsunternehmen aufkommen.
Mitttelstand ist wenig krisenanfällig
Von den Auswirkungen der Krise ist die Genossenschaft bislang weitgehend verschont geblieben. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Klientel der Mitglieder meist mittelständische Unternehmen umfasst, die krisenbeständiger sind. Auch für das laufende Jahr erwartet die Genossenschaft einen wachsenden Umsatz. Den will die Genossenschaft mit neuen Mitarbeitern bewältigen. 140 neue Planstellen wurden geschaffen. 160 frei werdende Stellen sollen wiederbesetzt werden. Nachwuchs zu finden, wird zunehmend schwieriger.
Deshalb hat das Unternehmen ein eigenes Kombinationsmodell für Studierende entwickelt. Ausbildung und Studium laufen parallel. Seit zehn Jahren können junge Menschen bereits neben der praktischen Ausbildung einen Abschluss erwerben.
Neues Ausbildungsmodell
Dieses Ausbildungsmodell ist jetzt variiert worden. Angeboten werden ein Wirtschafts-Informatikstudium von viereinhalb Jahren und ein Betriebswirtschaftsstudium von vier Jahren. Diese Studiengänge sind verzahnt mit Praxissemestern und Ausbildungsphasen im Betrieb. Am Ende steht eine Bachelor-Abschlussarbeit, die bei der Datev geschrieben wird.
Die Datev hat dieses Verbundstudium zusammen mit der IHK Mittelfranken entwickelt. Dabei haben die Studierenden freie Wahl zwischen den Hochschulen der Region. Das bisherige Studienangenbot an der Dualen Hochschule in Villingen-Schwenningen mit vierteljährlichem Wechsel zwischen Theorie und Praxis bleibt bestehen. Das Ausbildungsangebot umfasst die Fachrichtungen Informatik, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftswissenschaften und Elektrotechnik, aber auch Jura, Mathematik und Volkswirtschaftslehre. Für die Berufsanfänger stehen Software-Entwicklung, Qualitätssicherung, Rechenzentrumsbetrieb bis hin zu Consulting, Vertrieb, Marketing und Personal offen.
Neues Traineeprogramm
Mit einem neuen Traineeprogramm wendet sich das Unternehmen an Hochschulabsolventen wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtungen oder eines Informatikstudiums. Währen des zwölfmonatigen Programms durchlaufen die Kandidaten ein Personalentwicklungssseminar und drei verschiedene Abteilungen. Ziel ist es, den zukünftigen Mitarbeitern schnell bereichsübergreifendes Fachwissen zu vermitteln. Kriterien bei der Auswahl sind außeruniversitäres Engagement und überdurchschnittliche Abschlussnoten. Darüber hinaus hilft das Unternehmen Hochschülern bei ihrer Abschlussarbeit und bei Dissertationen, wenn das Thema einen Bezug zur Datev hat. Doktoranden erhalten einen befristeten Teilzeitvertrag für die Dauer der Promotion.
