Preise vergleichen, Schnäppchen machen, Geld sparen – das wünschen sich Verbraucher. Die Realität sieht häufig anders aus. Denn den Konsumenten ist meist nicht bewusst, dass die Produktion in den Händen weniger großer multinationaler Konzerne liegt. Und die versuchen nicht selten, den Markt „freundschaftlich“ unter sich zu regeln. Das Bundeskartellamt und die EU-Kartellbehörde sehen das gar nicht gern. Absprachen jedweder Art behindern den freien Wettbewerb. Sie unterlaufen die freie Preisbildung und führen in der Regel dazu, dass die Preise überhöht angesetzt werden. Den Schaden haben die Verbraucher.

Freie Preisbildung kann günstige Preise bewirken

Preise auf Märkten bilden sich normalerweise durch Angebot und Nachfrage. Neben dem Bedarf und der angebotenen Menge spielt die Anzahl der Anbieter und Nachfrager, die auf einem Markt aufeinandertreffen, eine Rolle. Man sollte meinen, dass im Normalfall auf beiden Seiten viele Marktteilnehmer sind. In einem solchen Polypol herrscht starker Wettbewerb, es gibt nur geringe Spielräume für individuelle Preisbildung. Daher passen sich auf beiden Seiten die Marktteilnehmer an. Wegen der vielen Anbieter sind Preisabsprachen nahezu unmöglich, zum Beispiel weil nicht alle Konkurrenten bekannt sind. Kämpfen dagegen nur wenige große Produzenten oder Händler um einen Markt, dann kennt man sich gegenseitig recht gut. Auch die Verbraucher im Angebotsoligopol haben einen besseren Marktüberblick und können schnell erkennen, wer zum besten Preis anbietet. Bei freier Preisbildung unterbieten sich die wenigen Anbieter immer weiter. Dem Stärksten gelingt es, die Wettbewerber durch ruinösen Preiskampf vom Markt zu verdrängen und sich selbst mit einer Monopolstellung zu behaupten. Seltener hat einer der Konkurrenten eine Vormachtstellung, die ihn in die Lage versetzt, die Preise zu bestimmen. In dieser Situation fügen sich schwächere Anbieter wohl oder übel dem Preisführer.

Branchen mit oligopolistischen Strukturen

Wenn wenige etwa gleich starke Produzenten einen Markt beherrschen, liegt es nahe, dass sie sich nicht in einen aussichtslosen Preiskampf verstricken, sondern versuchen, gemeinsam eine Preisstrategie zu fahren. Woran können Verbraucher erkennen, ob sie ein Oligopol vor sich haben? Besonders ausgeprägt spüren die Konsumenten die fast stetigen Preiserhöhungen bei Benzin und Heizöl und Energie. Und tatsächlich: es gibt etwa fünf multinationale Ölkonzerne, die den Markt beherrschen. In anderen Bereichen ist es für die Konsumenten weniger offensichtlich, dass nur wenige Anbieter hinter einer Preisstrategie stecken. Bei Medikamenten beispielsweise teilen sich wenige Pharmakonzerne – und wenige Pharmagroßhändler - die Märkte. Und wissen die Verbraucher, dass auch der größte Teil dessen, was auf ihren Tisch kommt, von wenigen großen Konzernen vorbestimmt wird? Ob Kartoffeln, Fleisch und Wurst oder Kaffee, Schokolade, Tütensuppen, Margarine und vieles mehr: die angebliche Vielfalt der Produkte kommt aus wenigen Großunternehmen – und die bestimmen nicht nur Qualität und Geschmack, sondern auch das Niveau der Preise. Selbst die Mode wird von wenigen großen Unternehmen bestimmt, ob auf Luxusebene oder im Discountbereich. Und die Telekommunikation? Auch hier sind nur eine Handvoll internationaler Unternehmen am Markt, die über Dienste und Flatrates bestimmen. Die Beispiele könnte man beinahe unendlich fortsetzen: Versicherungen, Autobauer, Möbelhäuser und vieles mehr. Aber nicht nur die Endverbraucher sind betroffen. Auch Geschäftskunden und Behörden können ihre Angebote nicht selten nur bei wenigen Spezial-Anbietern einholen. Und auch hier ist die Gefahr groß, dass unter der Hand Absprachen über Preise oder Marktaufteilung stattfinden.

Horizontale und vertikale Hardcore-Kartelle.

Unterlaubte Kartelle beziehen sich nicht unbedingt nur auf Preisabsprachen, sondern können auch Absatzmengen, Rabatte, Liefergebiete und vieles andere umfassen. Diese so genannten Hardcore-Kartelle sind seit Jahren besonders im Visier von Bundeskartellamt und EU-Kartellbehörde. Die friedliche Koexistenz im Oligopol bezweckt die Sicherung der Exklusivität von Marken, die Behinderung von unliebsamen Konkurrenten oder Vertriebspartnern und nicht zuletzt Schutz von regionalen Märkten oder Vertriebswegen. Illegale Preisabsprachen können horizontal - auf gleicher Ebene zwischen Produzenten oder dem Handel – oder vertikal - zwischen verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette, beispielsweise Produzent und Groß- oder Einzelhandel – getroffen werden.

Die Tricks und Kniffe der Konzerne zur illegalen Preisabsprachen

Kartellen auf die Spur zu kommen, ist für die Ermittler der Kartellbehörden nicht einfach, denn die Absprachen werden häufig getarnt oder verschleiert. Daher werden die gefährdeten Branchen in der Regel über Jahre beobachtet. Da ergibt sich dann eine Vielfalt an Methoden, mit der freie Preisbindung verhindert wird. Mal werden in Submissionskartellen anstehende Großaufträge im Vorhinein so abgesprochen, dass bestimmt wird, wer den Zuschlag erhalten wird. Mal wird eine Handelsstufe mit fadenscheinigen Begründungen nicht beliefert, wenn die Margen zu gering sind. Mal werden in Markenschutz-Kartellen Preise der Zwischenhändler durch firmeneigene Kontrollabteilungen erfasst und den Händlern, die ein gewünschtes Preisniveau nicht einhalten, die Verkaufslizenz entzogen. In Gebietskartellen werden auch einfach nur Märkte aufgeteilt, so dass in einer bestimmten Region nur ein Anbieter tätig wird, der damit eine Monopolstellung innehat. In den meisten Fällen treten Mischformen auf.

Von Bleichmittel bis Zement wurden zahlreiche Kartelle aufgedeckt

Seit der Neuerungen des Bundeskartellamts zur Bonusregelung im Jahr 2000 wurden zahlreiche spektakuläre Fälle von Kartellabsprachen aufgedeckt. Ob Bananen, Bier, Cappuccino, Reißverschlüsse, Videos und Waschmittel bei den Konsumgütern oder Aufzüge, Schienen, Vitamine und Zement im Investitionsgüter-Bereich: die Bandbreite der unerlaubten Absprachen ist breit. Die Kartellbehörden verhängten entsprechend hohe Bußgelder. Dabei profitiert von der Bonusregelung, wer quasi als Kronzeuge das Kartell meldet und mit den Behörden. zusammenarbeitet. Neben Bußgeldern werden oft auch hohe Entschädigungszahlungen zwischen den Kartellsündern und ihren Opfern ausgehandelt. Ob sich die Kartelle also lohnen, erscheint unter diesen Vorzeichen fraglich.

Quellen: