Karthago - ein Muss im Norden Afrikas

Antike Stätte und Weltkulturerbe vor den Toren von Tunis

Die berühmten Mosaike von Karthago - François Maher Presley
Die berühmten Mosaike von Karthago - François Maher Presley
Mitten in der ehemaligen Provinz Africa liegt Karthago, ein Weltkulturerbe, dass von den Römern erbaut wurde und noch heute teilweise erhalten ist.

Das ehedem antike Karthago ist heute eine Art Villenvorort von Tunis. So sehr Tunis auch keine schöne oder charmante Stadt ist, so hübsch angelegt, sauber und beschaulich ist dieser Stadtteil, der auf jeden Fall für einen Tag besucht werden sollte.

Religionen in Tunesien

Auf dem Byrsahügel und somit weit sichtbar und über dem Ort thronend steht die Kathedrale des heiligen Ludwig, deren Namensgeber, an der Pest verstorben, hier auch beerdigt wurde, nämlich im Park des ehemaligen Klosters der weißen Väter, das heute zum Museum von Karthago umfunktioniert wurde. Die wunderschöne Kathedrale wird nur noch als Konzertsaal genutzt. Tatsächlich wurden in Tunesien nach der Unabhängigkeit die meisten Kirchen im Land geschlossen. Neben sechs auf verschiedene Städte verteilte katholischen Kirchen, blieben den Gläubigen noch die calvinistische, anglikanische und eine russisch-orthodoxe Kirche in Tunis. Das ist insbesondere dann interessant, wenn man zum Vergleich die Moscheen-Dichte in Deutschland betrachtet, die die höchste in ganz Europa darstellt. Mit der Großzügigkeit u.a. in Glaubensfragen des gelebten Islam oder der Weltoffenheit eines europäisch geprägten Tunesiens ist es nicht weit her. Die Religionsfreiheit ist nicht verbrieft.

Geschichte der Stadt Karthago

Von hier oben hat man einen herrlichen Blick über Karthago, Salammbö, die punischen Häfen und La Goulette.

814 v. Chr. gründeten die Phönizier Karthago und ließen eine Hochkultur der Bau- und Bildhauerkunst entstehen. 146 v. Chr. machten dann die Römer die Stadt dem Erdboden gleich, richteten sich dann allerdings auf den Trümmern mit römischen Bauten ein, von denen noch heute einige bestaunt werden können. 1974 wurde Karthago zum Weltkulturerbe ernannt, was eigentlich dem Ort das Überleben sicherte. Mit internationaler Hilfe konnten Archäologen nun graben und das Quartier Magon ebenso sichtbar machen wie Teile der punischen Stadtmauer, den Tempel des Baal Hammon, diverse Siegestempel, die römischen Villen oberhalb des Amphitheaters oder die Thermen des Antonius Pius direkt am Meer.

Die heutige Situation der antiken Stätte

Hinter den römischen Villen, hier finden sich angelegte Straßen und Wege, Häuser mit Innenhöfen und Säulengängen, Skulpturen und Aussichtpunkte mit Blick über das Meer, dominiert eine überdimensionierte Moschee aus Marmor und Granit, die den Namen des Präsidenten Tunesiens, Ben Ali, trägt, der seit 1987 herrscht und der diese zu seinen Ehren erbauen ließ, den Teil Karthagos, der entweder nicht von den Ausgrabungen betroffen ist oder eben nicht mit Villen bebaut wurde.

In diesem Vorort von Tunis leben die Reichen Tunesiens, hier leben die Botschafter in den Residenzen, die Einflussreichen aus der Politik und Wirtschaft, eben all jene, die den Bezug zur Wirklichkeit in Tunesien oft nicht mehr richtig herstellen können. Auf diesem historischen Boden fehlt es an Bildung und Ausbildung für die einfachen Menschen, es herrscht eine große Arbeitslosigkeit, Sozialsysteme sind nicht vorhanden, Tunesien ist zudem ein Überwachungsstaat, in dem systematisch alles kontrolliert wird.

François Maher Presley, Foto: David Eschrich, Fançois Maher Presley

Francois Maher Presley - François Maher Presley kam in Kuwait/pers. Golf zur Welt und lebte seit seinem sechsten Lebensjahr in Hamburg. Der Autor und ...

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