
- Kochen früher: auf dem Kohleherd - Dieter Schütz/Pixelio
Viele Mädchen mussten in ihrer Schulzeit um 1900 noch so genannte Schulkochbücher führen. Dabei handelte es sich um handschriftliche Rezeptsammlungen, die von den Kochschülerinnen im Haushaltsunterricht in deutscher Schrift in ein spezielles Heft eingetragen wurden. Das Schulkochbuch der Urgroßmutter der Autorin stammt beispielsweise aus dem Jahr 1880 und enthält so manchen interessanten Küchenschatz, den man mit etwas Mühe heben kann.
Alte Rezepte aus dem Schulkochbuch – neu gefasst
Oft ist es gar nicht so leicht, die alten Rezepte zu lesen und sowohl kochtechnisch als auch sprachlich neu zu fassen. Und die deutsche Schrift, das Sütterlin, ist nur eines der Probleme. Alle dort beschriebenen Methoden und Garzeiten sind nämlich auf Handarbeit (Eischnee mit zwei Gabeln schlagen) und dem Kochen auf dem Kohleherd (Anheizen des Herdes) abgestimmt (Abb. 1).
Aber vielleicht haben Sie Lust, ein besonders interessantes Rezept aus diesem Schulkochbuch auszuprobieren, nämlich den Büdinger Kartoffelpudding, der sogar mit dem Vermerk „sehr gut“ versehen wurde. Oder vielleicht den Nudelpudding, der noch origineller ist. Dabei handelt es sich jeweils um einen süßen Nachtisch. Auch wenn dieser Nachtisch heute dank moderner Kochtechniken schneller auf dem Tisch steht, zeigt doch das Originalrezept, wie lange sich die damaligen Hausfrauen mit der Vorbereitung eines Mittagessens befassen mussten (Abb. 2).
Kartoffelpudding
Sie benötigen für 6 Portionen: 185 g am Tag zuvor gekochte und geriebene Kartoffeln, 125 g Butter, 7 – 8 Eier, 100 g Zucker, abgeriebene Schale von ½ Zitrone; eine Puddingform mit Deckel
So bereiten Sie den Kartoffelpudding:
- Rühren Sie die (weiche) Butter schaumig glatt.
- Geben Sie die Kartoffeln dazu und rühren Sie alles zu einer glatten Masse. Im Schulkochbuch war – Handarbeit! - für diese Arbeit ½ Stunde vorgesehen.
- Nach und nach werden die Eigelbe und der Zucker zugegeben. Mischen Sie alle Zutaten tüchtig.
- Bringen Sie in einem Topf Wasser zum Kochen.
- Streichen Sie eine Puddingform mit Butter aus und bestreuen Sie sie mit Semmelmehl.
- 2 Stunden vor Tisch schlägt man die Eiweiße zu Schnee und mischt sie locker unter die Masse.
- Geben Sie die Puddingmasse in die Form , schließen Sie den Deckel und setzen Sie die Form in das kochende Wasser.
- Nun kochen Sie den Pudding, bis es Zeit zum Auftragen ist. Dabei darf das Wasser nicht zu hoch an die Form ragen.
- Stürzen Sie den Pudding auf eine Platte und servieren Sie ihn sofort. Sonst fällt er zusammen.
- Dazu können Sie eine warme oder kalte Obstsauce reichen.
Dieser Kartoffelpudding wurde auf dem Kohleherd gekocht. Das Wasser musste also schon relativ lange vorher angeheizt bzw. aus dem auf vielen Kohleherden vorhandenen „Wasserschiff“ entnommen werden. Außerdem gab es noch keine elektrischen Mixer. Dies erklärt die relativ lange Rührzeit. Auch die Eiweiße wurden mit zwei Gabeln zu feinem Eischnee geschlagen – enormer Zeitbedarf und lahme Arme inklusive. Man sieht: An solch einem Nachtisch hatte die Hausfrau fast den ganzen Morgen zu tun. Und am Vortag musste Sie bereits die Kartoffeln dafür vorbereiten, wenn sie nicht Reste nutzen konnte.
Nudelpudding
Sie benötigen für 8 Portionen: 70 g geschälte und gemahlene Mandeln, 125 g (ungekochte) Nudeln, 190 g Butter, ½ l Milch, 70 g Zucker, 8 Eier, abgeriebene Schale von ½ Zitrone; eine Puddingform mit Deckel
- 3 Stunden vor Tisch bringen Sie die Milch zum Kochen.
- Geben Sie die Nudeln und die Butter in die Milch und kochen Sie das Ganze unter zeitweiligem Rühren, bis sich die Nudeln leicht zerdrücken lassen. Nehmen Sie die Mischung vom Herd.
- Nach dem Abkühlen rühren Sie den Zucker, die Eigelbe und die Zitronenschale gut unter.
- 2 Stunden vor Tisch werden die Eiweiße zu steifem Eischnee geschlagen und vorsichtig in die Puddingmasse eingearbeitet.
- Arbeiten Sie dann weiter wie beim Kartoffelpudding.
- Zum Nudelpudding serviert man warme oder kalte Weinsauce.
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Bildnachweis: Abb. 1: © Dieter Schütz/Pixelio; Abb. 2: © Hannelore Dittmar-Ilgen
