Kastration von Sexualstraftätern

Sinn von chemischer oder operativer Kastration bei Missbrauch

Kaum etwas schockiert derart, wie sexueller Missbrauch an Kindern. Experten diskutieren derzeit über die Kastration der Täter als Versuch Rückfälle zu vermeiden.

Maßnahmen nach der Entlassung von Sexualstraftätern, wie sie in den USA gesetzt werden, scheiden in Deutschland die Geister. Soll der Täter absolut ausgegrenzt werden? Seine Daten mit Foto auf einer dementsprechenden Homepage veröffentlicht und somit für jeden ersichtlich werden? Oder ist gar die Kastration eines Sexualstraftäters die wirkungsvollste Maßnahme? Fakt ist, dass ein Großteil der Sexualstraftäter Wiederholungstäter sind. Zum Schutz vor weiteren Opfern, zumeist Kindern, ist es daher dringend notwendig sich wirkungsvolle, aber auch menschenwürdige Maßnahmen zu überlegen.

Was ist eine Sexualstraftat?

Unter dem Begriff Sexualstraftat fallen folgende Tatbestände:

  • Sexuelle Nötigung
  • Vergewaltigung
  • Sexueller Missbrauch (an Kindern, Jugendlichen, Schutzbefohlenen, Widerstandsunfähigen)
  • Verbreitung, Erwerb und Besitz von Kinderpornographie

Was versteht man unter Kastration von Männern?

Eine Kastration ist ein schwerwiegender Eingriff, bei dem die Keimdrüsen (Hoden) operativ entfernt werden.

Was ist der Sinn einer Kastration von Sexualstraftätern?

Ob eine Kastration sinnvoll oder nur sinnlose Verstümmelung der Täter ist, ist nicht eindeutig geklärt. Mittels der Kastration will man den Sexualtrieb des Täters ausschalten, um ihn von weiteren Straftaten abzuhalten beziehungsweise zum Schutz weiterer Opfer. Da aber eine Sexualstraftat nicht nur vom sexuellen Empfinden des Täters initiert wird, sondern die Tat meist sehr komplexe Hintergründe hat, macht laut Experten eine Kastration von Sexualstraftätern nur dann Sinn, wenn sie eingebettet ist in ein mehrgleisiges Gesamtkonzept, das vor allem an der gestörten Persönlichkeit ansetzt. Diese erreicht man aber nur über psychotherapeutische Maßnahmen. Eine Sexualstraftat nimmt ihren Anfang in den Gedanken des Täters und nicht in seinen Genitalien. Weiters sind Experten der Meinung, dass eine chemische oder operative Kastration nur dann eine wirkungsvolle Unterstützung sein kann, wenn ein Täter den festen Willen hat, sein Verhalten zu ändern, es aber aus eigener Kraft nicht schafft. Als isolierte Maßnahme wird sie keinen Täter zur Einsicht bringen oder von weiteren Straftaten abhalten. Es existieren aber auch Fachmeinungen die dies zur Gänze in Frage stellen und gegen eine Kastration von Sexualstraftätern sind.

Was ist die chemische Kastration?

Bei der chemischen Kastration unterzieht sich der Täter einer medikamentösen Behandlung, mit dem Ziel auf hormonellem Weg die sexuelle Triebhaftigkeit vorübergehend zu neutralisieren. Die Behandlung ist im Bereich des Strafrechts zulässig, jedoch ebenfalls nur mit Zustimmung des Täters.

Wie freiwillig läuft eine Kastration ab?

Eine ohne Einwilligung am Menschen vorgenommene Kastration ist in Europa strafbar und gilt als schwere Körperverletzung. In Österreich ist die Kastration sogar – außer bei medizinischer Notwendigkeit – verboten. In sie kann auch nicht eingewilligt werden. Im Februar 2009 wurden Stimmen laut, dass in der Tschechischen Republik vermehrt operative und chemische Kastrationen, nicht nur bei Schwerverbrechern sondern auch bei harmloseren Delikten wie exhibitionsitischen Verhalten, eingesetzt wurden. Oft hätten die Täter der Kastration nur unter Druck zugestimmt, etwa um einer lebenslangen Inhaftierung zu entgehen. Die sogenannte Freiwilligkeit kann demnach in vielen Fällen nur in Frage gestellt werden. Auch werden Täter, die sich für eine operative Kastration entscheiden, oft nicht über die Nebenwirkungen des Eingriffs - wie Hormonstörungen informiert.

Ist der Sexualtrieb, der durch eine Kastration neutralisiert wird, wirklich irreversibel?

Testosteron kann auch nach erfolgter Kastration, von außen in Form von Tabletten, Pflastern oder Spritzen zugeführt werden. Testosteron-Präperate kann man heutzutage übers Internet bestellen, beziehungsweise gibt es sogar eine illegale Szene, die genau auf solche Präperate spezialisiert ist. Denn auch für andere Zwecke, beispielsweise für den Leistungssport, kann Testosteron zum beschleunigten Muskelaufbau verwendet werden (Doping). Auf diese Weise kann auch ein kastrierter Sexualtraftäter seinen Trieb wieder reaktivieren.

Tanja Guserl, Tanja Guserl

Tanja Guserl - Nach meinem Psychologiestudium an der Hauptuniversität Wien, absolvierte ich Zusatzausbildungen zur Klinischen Psychologin und ...

rss