
- Umschlagbild von Luise. Die Kleider der Königin - Hirmer-Verlag
Ein aufwändig gestaltetes Werk begleitet als Katalog die Ausstellung „Luise. Die Kleider der Königin.“, die im Schloss Paretz vom 31. Juli 2010 bis zum 31. Oktober 2010 läuft. Das Buch widmet sich der Mode, dem Schmuck und den Accessoires am preußischen Hof am Beispiel der Garderobe der modebewussten Königin Luise (1776 –1810), der Gemahlin des preußischen Königs Friedrich Wilhelms III.
Der Gegenstand des Werkes
Das als Katalog zur Ausstellung erhältliche Werk geht weit über einen Katalog hinaus. An dem Beispiel der Gardarobe der Königin Luise wird ein Bild der gehobenen Gesellschaft in der bewegten Zeit zwischen der französischen Revolution 1789 und dem Befreiungskriegen skizziert. Dabei wird deutlich, dass auch schon an der Wende zum 19. Jahrhundert die Modepresse eine bedeutsame Rolle bei der Verbreitung modischer Strömungen spielte.
Mit den prachtvollen Tages- und Abendkleidern und einem sportive Reitkostüm, seidenen Hüten und bunten Kaschmirshawls bis zur Kinnbinde und kostbaren Schmuckstücken aus dem Besitz der Königin entwirft das Buch ein Modepanorama der Zeit. Zum ersten Mal ausgewertete Quellen, darunter das Mitgift- und das Nachlassinventar Luises, bezeugen ihre große Leidenschaft für die Mode. Sei es über Freunde oder Verwandte in Paris oder dank der Lektüre internationaler Modejournale: die preußische Kronprinzessin und Königin war immer bestens über die aktuellen Modetrends informiert. Und sie verfügte über eine meist gut gefüllte Schatulle. Aus der wurden die Lieferanten und Schneider, Hut-, Schuh- und Handschuhmacher, Seiden- und Fächerfabrikanten bezahlt. Die erste Frau des preußischen Staates konnte und musste sich offensichtlich Kleiderluxus leisten. Denn schließlich galt damals noch mehr als heute: Kleider machen Leute. Und daneben galt damals auch: mit Kleiderschenkungen von ungeheurem Wert, seien es Zobelpelze des russischen Zaren oder ein pompöses gesticktes Ballkleid von Napoleons Gattin Josephine, wurde Diplomatie betrieben und Politik gemacht.
Das Buch widmet sich der Mode als einem flüchtigen Phänomen, das gerade durch seine Flüchtigkeit einen hervorragenden historischen Zeitmesser liefert. An der Mode lässt sich der Wandel des Geschmacks ablesen und auf den Geist einer Epoche schließen. Und die Zeit, in der Luise als preußische Kronprinzessin und Königin zu den Trendsettern der Mode gehörte, war schon eine besondere Zeit des Umbruches mit einer besonderen Mode der imaginierten Nacktheit, die auch als „Nuditäten-Mode“ in den zeitgenössischen Gazetten und bei Moral- und Tugendwächtern auftauchte. Jedenfalls eine Mode, die der Frau der Zeit im Gefolge der französischen Revolution zu einer gewissen Freiheit in der Kleidung verhalf.
Aber mit dieser Freiheit war es bald vorbei. Denn schon bald nach dem Tod der Königin 1810 wandelt sich mit der Restauration nach den Befreiungskriegen die Mode vom freieren Empire und Klassizismus hin zum strengen Biedermeier.
Der Katalog „Luise. Die Kleider der Königin.“
In 10 Aufsätzen führen mehrere Autoren in das Leben und die Mode in der Zeit um 1800. Ein besonderer Aspekt von Geschichte wird hier ausführlich und meist kurzweilig dargestellt. Die Schlüsse belegen die Autoren mit Quellenmaterial, das teilweise erstmals bei der Vorbereitung der Ausstellung ausgewertet wurde. Es bietet sich ein Einblick in das höfische Leben und die Beziehung zu den Lieferanten des Hofes – Händlern wie Handwerkern. Fast 200 Seiten umfasst der Katalogteil mitsamt Anhängen. Das alles großzügig und in bester Qualität bebildert. Erst mit der Lektüre dieses Werk wird der Besuch der Ausstellung im Schloss Paretz vollständig. Auch wenn der Galawagen, mit dem die Braut Luise nach Berlin geholt wurde, nur schwarz-weiß dargestellt wurde. Denn den Glanz dieses Fahrzeugs bleibt im Kopf.
Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hrsg.): „Luise. Die Kleider der Königin.", 278 Seiten, 63 Farbtafeln, 256 farbige und 24 schwarz-weiße Abbildungen, 22 x 27 cm gebunden, Hirmer Verlag München 2010, ISBN: 978-3-7774-2381-4, 34,90 Euro in Deutschland, 56,90 SFR in der Schweiz
In der Ausstellung im Schloss Paretz ist der Katalog für 29,90 Euro erhältlich.
