Urlaubsplanung: Reisekataloge richtig lesen

Flughafennähe bedeutet Lärmbelästigung - DigiPyramid / pixelio.de
Flughafennähe bedeutet Lärmbelästigung - DigiPyramid / pixelio.de
Um die Gunst der Kunden zu erringen, neigen Reiseveranstalter dazu, in ihren Katalogen die Realität ein wenig zu schönen. Eine kleine Übersetzungshilfe.

Wer seinen Urlaub mit dem Reisekatalog plant, sollte auch zwischen den Zeilen lesen, denn oftmals entspricht das, was in den Katalogen zu lesen ist, nicht ganz der Wahrheit. Die kunstvolle Sprache in den bunten Broschüren schönt geschickt die Tatsachen, deshalb erweist sich als hilfreich, die wichtigsten Vokabeln in „Katalogdeutsch“ zu kennen.

Direktflug: Ein Direktflug bedeutet, dass man bei Zwischenlandungen nicht die Maschine wechseln muss. Nur wer einen Nonstop-Flug bucht, kommt ohne Zwischenlandung ans Ziel.

In Flughafennähe / kurzer Transfer vom Flughafen: Lärmbelästigungen durch den nahen Flughafen sind programmiert.

Verkehrsgünstige Lage / Hotel in zentraler Lage: Das zwar praktisch für An- und Abreise, dafür ist aber auch Lärm zu erwarten. Wer an einer „belebten Uferstraße“ wohnt, muss mit einer viel befahrenen Straße mit lautem Verkehr rechnen.

Breite Strandpromenade: Hört sich toll an, meint aber nicht unbedingt eine Flaniermeile: Auch eine mehrspurige, viel befahrene Straße gilt als Strand- oder Uferpromenade.

Aufstrebender Ferienort: Eine hübsche Umschreibung für Großbaustelle: Der Urlaubsort ist meist noch unterentwickelt, Bars, Restaurants und Geschäfte sind spärlich gesät. „Touristisch gut erschlossen“ heißt dagegen, hier gibt es Massentourismus, Bettenburgen und Ramba-Zamba rund um die Uhr.

„Internationale Atmosphäre“: Gäste aus aller Herren Länder machen hier die Nacht zum Tage.

Direkt am Meer: Damit ist nicht zwangsläufig der Strand gemeint! Hinter der Umschreibung „Meer“ steckt oftmals eine Steilküste oder ein Hafen.

Strandnah: Bedeutet, dass die Unterkunft nicht direkt am Badeufer liegt. Als „nah“ gilt auch ein Strand, der ein bis zwei Kilometern entfernt ist.

Naturstrand: Der vom Meer angespülte Müll wird nicht oder nur selten entsorgt, Toiletten, Kioske und Umkleidekabinen sind nicht vorhanden.

Familiär / idyllisch: In einem Haus „mit familiärer Atmosphäre“ finden sich viele Kinder, Lärmbelästigung ist durchaus möglich. Ein „ruhiger, idyllischer Ort“ bedeutet dagegen, dass hier wirklich gar nichts los ist.

Meerseite: Ein Zimmer zur „Meerseite“ heißt nicht, dass man das Meer auch sieht. Diese Formulierung bedeutet meist, dass zwischen Hotel und Wasser noch andere Gebäude liegen, die die Sicht versperren. Nur wer ein Zimmer mit „Meerblick“ bucht, bekommt den direkten Blick aufs Wasser. Beim „seitlichen Meeresblick" sieht man den Ozean oft nur, wenn man sich über das Balkongeländer beugt.

Zweckmäßig eingerichtete Zimmer: Bedeutet in der Regel eine Ausstattung ohne Komfort. Auf echten Komfort weisen Umschreibungen hin wie „geschmackvolle Einrichtung“, „geräumig und (sehr) komfortabel“ oder „luxuriös eingerichtet“.

Beheizbares Schwimmbad: Damit ist nicht unbedingt gemeint, dass das Wasser im Pool auch tatsächlich geheizt wird.

Kontinentales Frühstück: Die Variante ist geeignet für Frühstucksmuffel: Kaffee oder Tee, Brot, etwas Marmelade und Butter – mehr kommt nicht auf den Tisch. Beim „erweiterten“ oder „verstärkten Frühstück“ gibt es noch zusätzlich ein Ei und eine Scheibe Wurst oder Käse.

Beliebt bei deutschen Gästen: Man spricht deutsch, es gibt Schnitzel und bayerisches Bier. Wer landestypisches Ambiente sucht, ist hier verkehrt. Die Steigerung: „Beliebt bei Stammgästen“ ­– außer den Hartgesottenen kommt keiner wieder.

Unaufdringlicher Service: Bedeutet, dass Sie hier auf Service lange warten können. Ein „junges Serviceteam“ besteht in der Regel aus unerfahrene Kräften und in einem Haus mit „bemühtem Personal“ klappt gar nichts.

Örtliche Reiseleitung: Der Veranstalter hat keinen eigenen Reiseleiter vor Ort. Sprachprobleme sind möglich.

Bildnachweis: DigiPyramid / pixelio.de

Kerstin Gehlhaar, Kerstin Gehlhaar

Kerstin Gehlhaar - Ich bin Journalistin - und Konsumentin. Deshalb widme ich mich seit Jahren den Themen, die auch für mich persönlich interessant ...

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