Katharina die Große, als Katharina II. Zarin von Russland

Katharina II. - Herbert König
Katharina II. - Herbert König
Die Regierungszeit von Katharina II. galt als „Goldenes Zeitalter". Ist diese Aussage tatsächlich berechtigt?

Die Zarin Katharina bezeichnete sich, ähnlich wie ihr „Nachbar und Kollege“ Friedrich II. als aufgeklärte, jedoch absolutistisch regierende Herrscherin. Beseelt wie dieser, dem Volk Freiheit, Bildung und bessere Lebensbedingungen zu schaffen, trat sie ihre Herrschaft an.

Blutiger Aufstand

Sophie Auguste von Anhalt-Zerbst-Dornburg, geboren am 2. Mai 1729 in Stettin, wurde 1745 mit dem russischen Thronfolger Peter III. vermählt. Eine unglückliche Verbindung. Nach dem Tod der Zarin Elisabeth bestieg er 1762 den Thron und schloss sofort Frieden mit Friedrich II. von Preußen, den er zutiefst bewunderte. Durch diesen Akt rettete er Friedrich vor einer (womöglich entscheidenden) Niederlage im Siebenjährigen Krieg. Peters Liebe zu allem Deutschen und sein offen zur Schau gestellter Abscheu Russland gegenüber sowie sein despotisches willkürliches Wesen machten ihn als Zar unerträglich. Unter der Führung von Alexej und Gregori Orlow rebellierte die Garde. Peter wurde abgesetzt und ermordet, seine Gattin als Zarin Katharina II. proklamiert.

Mutter des Volkes

Der Beginn ihrer Regentschaft stand also unter keinem guten Stern. Auch war sie eigentlich nicht als Herrscherin legitimiert, da nicht mit den Romanows verwandt, sondern nur Regentin für den unmündigen Sohn Paul. Kraft ihrer Persönlichkeit: Schönheit, gepaart mit Klugheit und ihrem steten Bekunden, dem Russischen Reich dienen zu wollen, gelangte sie jedoch als Zarin auf den Thron, welchen sie bis zu ihrem Tod am 17. November 1796 innehatte. Vierunddreißig lange Jahre lenkte sie die Geschicke des riesigen Imperiums, dessen Herrschaftsgebiet sie nach den Türkenkriegen und den polnischen Teilungen noch erheblich vergrößerte. In ihrer Regierungszeit stieg Russland zur Großmacht auf, ihren Untergebenen vermochte sie trotz anfänglicher Reformen das Leben nicht zu verbessern. Zwar fehlte es nicht an gutem Willen. Eingefahrene Strukturen ließen sich jedoch nicht in kurzer Zeit verändern und die Unübersichtlichkeit des riesigen Landes tat ein Übriges.

Katharina als aufgeklärte Monarchin

Ihren Ruf als aufgeklärte Herrscherin und Reformerin im In- und Ausland wusste sie durch geschickte öffentliche Selbstdarstellung zu festigen. Gebildet, drei Sprachen sprechend, korrespondierte sie mit den klügsten Vordenkern Europas ihrer Zeit und machte sich deren aufklärerische Ideale zu eigen. Ihre Gesetzgebung, Förderung von Wirtschaft, Bildung und Toleranz verschafften ihr hohes Ansehen in ganz Europa. Ihren Kampf gegen die als intolerant und aufsässig geltenden Polen sowie die Türken, die barbarischen Feinde Europas im 18. Jahrhundert konnten ihren Ruhm nicht schmälern.

Potemkin

In zwei Kriegen gegen die Türken (1768 - 1774, 1787 - 1792) gewann Katharina im Süden die Schwarzmeerküste bis zum Bug (Frieden von Kütschük- Kainardschi 1774) und Dnjestr (Frieden von Jassy 1792) sowie 1783 die Krim. Russland erhielt infolgedessen Zugang zum Mittelmeer. Fürst Potemkin, einer der zahlreichen Liebhaber Katharinas wurde Gouverneur der Ukraine, schuf eine Schwarzmeerflotte, legte einen Hafen in Sewastopol und ein Arsenal in Cherson an. Die berühmten „Potemkinschen Dörfer“, mit denen er Katharina auf einer Reise in den Süden von der Prosperität des Landes angeblich zu imponieren suchte, sind indes eine Legende.

Adel und Bauern

Innenpolitisch hingegen war Katharina weniger erfolgreich. Um das gewaltige multinationale Reich verwalten zu können, fehlte es an einer geeigneten Beamtenschaft. So war sie auf die Hilfe des Adels angewiesen, dem sie 1785 durch einen Gnadenbrief umfangreiche Privilegien zusicherte. Die Bauern auf den Gütern waren Leibeigene ihrer Herren, genauso rechtlos wie die Negersklaven in den amerikanischen Südstaaten. 1773 erhoben sich die Bauern unter dem Kosaken Pugatschow, welcher behauptete, der rechtmäßige Peter III. zu sein. Mordend und brandschatzend zog er mit einer dreißigtausendköpfigen Anhängerschar durch das Land, bis er nach Aussetzung eines Kopfgeldes in Höhe von 100.000 Rubeln verraten wurde. Die Marodeure wurden von der regulären Armee geschlagen, er selbst am 10. Januar 1775 in Moskau hingerichtet. Die Situation der leibeigenen Bauern hatte sich durch diese Aktion noch erheblich verschlimmert.

Fazit

Innenpolitisch hatte Katarina II. nur wenige Zeichen setzen können. Ihrem Reich verschaffte sie jedoch großen Gebietszuwachs. Polen war zu zwei Drittel einverleibt, die südlichen Steppen und die Krim erobert worden. 1783 wurde im Kaukasus das Protektorat Georgien errichtet, Sibirien besiedelt und riesige Bodenschätze ausgehoben. In den gewaltigen Weiten Sibiriens konnte sich eine Adelsschicht nicht etablieren, sodass dort eine gewisse Freiheit und Eigeninitiative herrschten. Unter Katharina II. war die Armee der leistungsfähigste Bestandteil des Staates, der seine Bewährungsprobe unter ihrem Enkel Alexander im Kampf gegen Napoleon unter Beweis stellen sollte.

Foto: Herbert König

Christian Goldmann, Christian Goldmann

Christian Goldmann - Mein Name ist Christian Goldmann. Ich bin 33 Jahre alt und arbeite seit einigen Jahren als Journalist in Bremen und Umgebung. Zuvor habe ...

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