Kaupthing und das Zittern der deutschen Anleger

Sparer aus Deutschland bangen um ihre Einlagen

Kurz nachdem zahlreiche deutsche Anleger Verluste bezüglich ihrer Lehman-Brothers-Anlagen hinnehmen mussten, bangen nun auch deutsche Kaupthing-Investoren um ihre Einlage

Dass die aktuelle Finanzkrise eine globale sei - davon sind und waren nicht nur die betroffenen Anleger weltweit überzeugt. Dramatische Wertverluste der Leitindizes auf der ganzen Welt zeugten in den letzten Wochen davon. Dass jedoch ein bisher im Sinne von Finanzkrisen recht unbeschriebenes Blatt wie Island trotz seiner geografischen Abgeschiedenheit eine dermaßen zentrale Rolle im Bewusstsein der deutschen Sparer/innen einnehmen würde,- damit haben wohl letztendlich die wenigsten Experten und Anleger gerechnet.

Die isländische Bank Kaupthing, welche noch in den letzten Monaten Sparer mit Tagesgeldzinsen von über 5% lockte, ging vor wenigen Wochen unwiderruflich in die Knie. Als Konsequenz sprang der selbst stark angeschlagene isländische Staat ein und übernahm das Kreditinstitut. Mit ihm gingen jedoch auch die Forderungen vieler deutscher Anleger in staatliche Hände über, was die Auszahlung der Einlagen nicht einfacher macht.

Fragliche Einlagensicherung

Deutsche Finanzinstitute sind in der Regel in Einlagensicherungsfonds der Banken und Sparkassen organisiert. Somit können Sparer auch jenseits der jüngsten staatlichen Finanzspritze beruhigt sein, sind doch ihre Einlagen auch weit über die gesetzliche Mindestgrenze von 20.000 Euro gesichert, Anders jedoch bei ausländischen Instituten. Sie sind nicht Teil dieses Sicherungsfonds und müssen die Rückzahlung der Ersparnisse ihrer Kunden faktisch nur bis zu jener 20.000-Euro-Grenze garantieren. Alles, was an Verlusten darüber hinaus geht, ist im Falle einer Insolvenz endgültig verloren für den Anleger. Natürlich entschädigen ausländische Kreditinstitute ihre Kunden bezüglich entsprechender Risikobereitschaft mit entsprechend hohen Zinsen. Doch im Falle der tatsächlichen Pleite scheint selbst die Rückzahlung der Mindesteinlagensicherung gefährdet und kompliziert, vor allem, wenn der neue Besitzer der Bank der isländische Staat ist. Denn auch wenn dieser nun haftet, gestaltet sich die Antragsstellung für deutsche Kunden als sehr schwierig. Angefangen bei in Englisch zu haltenden Antragsformularen zur Erstattung des eingebrachten Kapitals, unklaren Fristen bis hin zur Beweislast auf Seiten der Kunden, scheinen auch konkrete und verbindliche Informationen nicht ohne weiteres zugänglich.

Der Trend zum staatlichen Retter

Wie jüngst die Rettungsaktionen Frankreichs und der Benelux-Staaten für Dexia, Fortis, jene der Bundesregierung für die Hypo Real Estate oder auch das 700-Milliarden-Dollar-Paket der USA für den beispielsweise mittlerweile verstaatlichten Versicherungskonzern AIG zeigten, reagieren die Regierungen weltweit auf die Folgen der US-Immobilienkrise, indem sie Rettungspakete für angeschlagene Finanzinstitute verabschieden. Die teilweise Verstaatlichung der einstmals privaten Kreditinstitute und nicht zuletzt auch die übernommenen Bürgschaften für Außenstände solle vor allem das Vertrauen der Anleger wiederherstellen. Im Falle der Kaupthing-Krise scheint dies indes nicht so einfach, da neben den schwierigen Einklagebedingungen der Kunden und der Tatsache, dass sie Beträge, welche über die Einlagesicherung von umgerechnet 20.887 Euro gehen, praktisch abschreiben können, auch staatspolitische Interessen und der Sonderstatus des Staates gegenüber einem Privatunternehmen wie der Kaupthing-Bank massiveres Vorgehen seitens Anwälten der Gläubigerseite verhindern.

Die KfW und Kaupthing

Wurde doch erst kürzlich bekannt, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau dem zu dieser Zeit schon wissentlich angeschlagenen Lehman-Bankhaus rund 300 Millionen Euro Kredit gab, verwundert es umso mehr, dass die Bund eigene Bank auch bei dem isländischen Kreditinstitut rund 288 Millionen Euro investiert hatte, was in guten Zeiten für die Bonität von Kaupthing gesprochen hätte, jetzt aber gegen die Glaubwürdigkeit der KfW spricht. Mitunter fordert der Zentralverband der Verbraucherschutzzentralen ein ähnliches ‚Rettungspaket’ für seine kostenlose Hotline, wie es die Bundesregierung den Banken zubilligte. Bei mittlerweile knapp 100.000 Anrufen besorgter Anleger aus ganz Deutschland scheint dies nicht unter dem Eindruck der Kaupthing-Krise nachvollziehbar.

Marcello Buzzanca, Marcello Buzzanca

Marcello Buzzanca - Wird man in Frankfurt geboren und wächst dort gar auf, werden einen die Rufe von Kapitel und Kapital nicht lange kalt lassen. ...

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