
- Kay Ray Maiwoche 2011 - Sigrun Hopfensperger
Kaum hat sie ihre Pforten geschlossen, die Maiwoche in Osnabrück, herrscht Einigkeit darüber, dass ein Auftritt wieder einmal völlig unverzichtbar war: der Auftritt von Kay Ray. Der Ausnahmekünstler aus der Region Osnabrück gehört mit zu den absoluten Highlights unter den Showacts auf der Maiwoche. Dass das so ist, liegt an seiner einzigartigen Persönlichkeit, seinem schrillen Auftreten, seiner Ausnahmestimme und seinem scharfzüngigen Humor – alles zusammen eine Mischung, die für einen kurzweiligen Abend voller Pointen sorgt, die treffend, brillant und scharf bis an die Grenze gehend sind.
Von der Provinz ins Hamburger Schmidts Tivoli – Kay Rays kometenhafter Aufstieg
Aus der Region Osnabrück stammend machte der 1965 in Georgsmarienhütte geborene Kay Ray zunächst eine ganz solide Handwerksausbildung zum Friseur. Nachdem er einige Jahre als Friseur gearbeitet hatte, unter anderem auch in Osnabrück, folgte er seinen Talenten und setzte sich als Künstler in Szene, der eigentlich in keine Schablone passt und doch durch jeden Ausdruck teilweise beschrieben werden könnte: Comedian, Sänger, Conférencier, Punk, Kabarettist und vieles mehr. Jede Bezeichnung trifft ihn ausschnittweise ganz gut, beschreibt ihn aber niemals vollständig. Nach seinem ersten Soloprogramm 1996 ging es rapide bergauf. Mittlerweile lebt der Ausnahmekünstler in Hamburg und gehört dort mit seiner Kay Ray Late Night zum festen Showprogramm des weltberühmten Schmidts Tivoli. Regelmäßige Gastauftritte im Fernsehen, zum Beispiel bei Markus Lanz, oder Ausstrahlungen seiner Shows auf 3Sat sorgten dafür, dass er einem breiten Publikum zum festen Begriff wurde für kabarettistische Scharfsinnigkeit gepaart mit exzellenter Pointierung eines Ausnahme-Comedians.
Kay Ray und die Maiwoche in Osnabrück
Einmal jährlich im Mai verfällt Osnabrück in einen Ausnahmezustand. Dann öffnet die Maiwoche in der Innenstadt ihre Pforten. Auf zahlreichen Bühnen treten Musik- und andere Liveacts auf und unterhalten die Zuschauer vom Feinsten. Auch Kay Ray gehört mittlerweile schon seit vielen Jahren zur festen Instanz auf der Maiwoche. In über zwei Stunden liefert er seiner riesigen Fangemeinde eine geballte Show voller Pointen und guter Musik. Er versteht es, die Menge mitzureißen und in Begeisterung zu versetzen, was nicht immer einfach ist. Die Osnabrücker Maiwoche ist keine Show im geschlossenen Raum mit Bestuhlung, sondern findet auf einer Livebühne im Freien statt vor einer riesigen Menschenmenge, die sich vor der Bühne versammelt, um ihren Lieblingskünstler zu sehen. Auch diese Art von Publikum hat Kay Ray gut im Griff. So verbreitet er innerhalb kürzester Zeit auf der Bühne eine echte Partystimmung, mit einem Kasten Bier griffbereit, und schafft es, die Menge auf der Partymeile mitzureißen.
Das Publikum wird zum Showbestandteil
Ob auf der Maiwoche in Osnabrück oder auf einer seiner Shows, eines sollte man wissen, wenn man sich auf Kay Ray einlässt: Man könnte zum Bestandteil der Show werden. Kay Ray spricht mit seinem Publikum und verlässt auch gerne einmal die Bühne, um Gästen hinterher zu eilen, wenn sie auf die Toilette müssen. Was immer sich spontan ergibt, er baut das Publikum professionell und völlig unvorhergesehen in sein Programm mit ein. Echte Kay Ray Fans wissen das allerdings zu schätzen und kommen genau deswegen in seine Shows. Allerdings handhabt der Künstler es wie ein Lehrer in der Schule: Wer gerne drankommen möchte, wird ignoriert. Doch wer am meisten und verschämtesten wegschaut, könnte in den unfreiwilligen Genuss kommen, von Kay Ray kurzerhand in den Ablauf eingeflochten zu werden.
Spontaneität und der Verzicht auf ein festes Konzept – das Rezept für seinen Erfolg
Kay Ray bezeichnet sich selbst gerne als Stand-up-Comedian im amerikanischen Sinne, das heißt, es gibt kein festes Konzept, alles wird durch das Publikum bestimmt, auf das er als Künstler unglaublich schnell reagiert. So greift er durchaus auf ein festes Repertoire an Pointen und Liedern zurück, die er allerdings stets in einer willkürlichen Reihenfolge, jeweils passend zur Stimmung oder entsprechenden Steilvorlagen des Publikums, einbaut.
Kay Ray passt in keine Schublade
Da Kay Ray die Homosexualität in Verbindung mit seinem schrillen Outfit immer wieder in jeder Bühnenshow thematisiert und sich selbst schon mal als „Schwulen Edding“ bezeichnet, galt er der Homosexuellenszene nicht nur in der Region Osnabrück lange Jahre als Gallionsfigur. Zu gut passten auch die Klischees: Friseur, schrill, divenhaft, jahrelang mit einem Mann zusammenlebend. Dann passierte das Unglaubliche, das die Szene erschütterte: Kay Ray wird im Juli 2011 zum ersten Mal Vater und lebt seit 2010 mit der Mutter seiner erwarteten Tochter zusammen. Ob er nun schwul ist, heterosexuell oder bisexuell, diese Frage dürfte sich für den Künstler wohl kaum stellen. Er ist einfach Kay Ray, ein Freigeist, der es sich gestattet, so zu leben, wie es seinem Gusto gerade entspricht. Eine Schublade mit kennzeichnender Aufschrift wäre hier nicht nur zu eng, sondern zugleich unpassend. Ist er ein Kabarettist oder doch eher ein Comedian? Ist er ein Edelpunk oder Conférencier? Kay Ray ist nicht greifbar. Er ist alles in einem und für jeden das, was er in ihm sehen möchte.
Quellen:
- Interview auf DVD „Haarscharf – Vom Friseur zum Weltstar“, Aufzeichnung des WDR Fernsehens
- Facebookseite von Kay Ray
- Webseite von Kay Ray
- Homepage des Schmidts Tivoli in Hamburg
