Surfer Dieter Deventer sieht aus wie eine Mischung aus Dieter Bohlen und Oliver Kahn: Sonnengegerbtes Gesicht, helle, lange Haare, ein echter Typ eben, Surfer durch und durch, wie seine Wellenreiterkollegen, die allesamt nach der perfekten Welle im Münchner Eisbach suchen.
Keep Surfing oder die Suche nach der perfekten Welle
Björn Richie Lob, selbst passionierter Surfer, hat Dieter und seine Kumpel für sein Kinodebüt Keep Surfing über zehn Jahre lang bei ihrem Lieblingssport mit der Kamera begleitet. Dieter und seine Freunde sind unterschiedlich, manche in den 40-ern oder sogar 50-ern, wie Kameramann Dieter und Überlebenskünstler und Instrumentenbauer Walter Strasser. Andere sind jung, um die Zwanzig oder Dreißig Jahre alt, Marketing Manager oder Arzt wie Quirin Rohleder und Gerry Schlegel. Was die Männer verbindet ist ihre Leidenschaft, sich an der Isar in die Fluten zu stürzen und nach der perfekten Welle zu suchen.
Fanatisch und süchtig nach dem ultimativen Kick
Dabei scheuen die fanatischen Sportler weder Aufwand, Mühen noch Gefahren. Beinahe täglich stürzen sie sich in die Fluten, manche in Badehose, manche im Wetsuit und manche splitternackt. Sie fahren gleich nach der Arbeit oder noch davor zu jeder Tages- und Nachtzeit mit dem Surfbrett auf dem Fahrrad an die Isar, um dort sich dort von der Brücke oder dem Ufer in die Fluten zu stürzen.
Gut für Zuschauer: Die Flusswelle bleibt auf der Stelle
Das besondere am Flusssurfen: Surfer und Brett bleiben auf der Stelle, denn die Welle, die gesurft wird, tut genau dasselbe. Anders als beim Surfen im Meer können die Zuschauer hautnah an den Sportlern dran bleiben, sie beinahe anfassen. Dazu müssen sie nur am Ufer stehen und zugucken, einzige Schwierigkeit dabei: Die Surfer müssen die Welle und die Zuschauer die Surfer finden. Das geht am einfachsten am Eisbach oder an der Floßlände in Thalkirchen. Problematischer wird es da schon, wenn bei Hochwasser das Gerücht durch die Surfgemeinde huscht, "die Welle geht, die Welle geht". Dann bricht Hektik aus, die Sportler scheinen hin- und hergerissen zwischen dem dabei sein Wollen beim Adrenalinkick in der Riesenwelle und der Angst vor umher schwimmenden, riesigen entwurzelten Baumstämmen und vor Polizei, die auf der Jagd nach den lebensmüden surfenden Brückenspringern ist.
Surf-Weltmeister Kelly Slater durfte nicht in die Welle
Klein Hawaii an der Isar lockt auch gestandene Surfstars wie den neunmaligen Surf-Weltmeister Kelly Slater. Der wollte sich einst selbst in der Flusswelle stürzen, doch die Münchner Eisbachfreunde machten ihm kurzerhand einen Strich durch die Rechnung. Sie drehten kurzerhand die Welle einfach ab. Argument gegen den Weltstar: Bei zu viel Popularität würden sich die Wellenreiter auf die Füße treten.
Surferglück im Eisbach
Mit Keep Surfing ist es dem Dokumentarfilmer Björn Richie Lob gelungen in vielen Nicht-Surfern den Wunsch auszulösen, sich selbst sofort den ultimativen nassen Kick beim Flusssurfen zu verschaffen. Hinreißende, faszinierende Bilder, echte Typen und die Vermittlung eines leichten Lebensgefühls unterhalten wunderbar und lassen beim nächsten Besuch in der Metropole an der Isar nach den Surfhelden und der Welle Ausschau halten. Vielleicht, mit ein bisschen Glück, findet man sie ja. Dem Film Keep Surfing zufolge soll die Anzahl der sich immer mal wieder in den Eisbach stürzenden – und nur auf den ersten Blick – lebensmüde scheinenden Fanatiker ja immerhin zwischen 200 und 700 betragen. Der Kauf einer Kinokarte für den Film, der beim Filmfest München den Publikumspreis bekam, ist vermutlich der weniger aufwändige Weg, nur ein kleines bisschen selbst Teil eines bunten bayerischen Surflebensgefühls zu werden…
Originaltitel: Keep Surfing
Regisseur: Björn Richie Lob
Kinostart: 20. Mai 2010
Filmverleih: Prokino
Laufzeit: 91 Minuten
