
- Trinkwasser - Dieter Schütz - Pixelio
Seit 2001 wird SODIS in über 30 Entwicklungsländern eingesetzt, weiter getestet und hat mittlerweile über drei Millionen Menschen erreicht. Die Einfachheit dieser genialen Methode lässt sie unglaubwürdig erscheinen, ihre Wirksamkeit ist aber aufgrund vieler wissenschaftlicher Laboruntersuchungen erwiesen. Mit Durchfallerregern verschmutztes Wasser wird in lichtdurchlässige PET(Polyethylenterephthalat)-Flaschen gefüllt, es muss darauf geachtet werden, dass das Wasser keine Trübung aufweist. Die Flasche wird für sechs Stunden waagerecht ins direkte Sonnenlicht gelegt. Bei bewölktem Himmel dauert es zwei Tage. Durch die UV-A-Strahlung und die Hitze der Sonne werden die krankmachenden Keime in der Flasche zuverlässig abgetötet.
Eine Milliarde Menschen leben ohne sauberes Trinkwasser
Der Mikrobiologie-Professor Aftim Acra entdeckte Anfang der 80er Jahre durch Zufall das Prinzip. Er befürchtete, dass sich die Bakterien in seiner in der Sonne liegenden Wasserflasche vermehrt hätten, untersuchte sie, und fand heraus, dass genau das Gegenteil passiert war. Tragisch ist, im Hinblick auf die Tatsache, dass rund 1,8 Millionen Menschen -vor allem Kleinkinder- jährlich an Durchfallerkrankungen sterben, dass der Professor aufgrund der Einfachheit des Prinzips ausgelacht wurde.
Erst ab 1990 fingen Wissenschaftler aus der Schweiz an, dahingehend zu forschen und bestätigten die Entdeckung des Professors. 2002 erkennt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) SODIS als Wasseraufbereitungstechnologie an. Der Leiter des SODIS-Projektes Martin Wegelin vom Schweizer Wasserforschungsinstitut "eawag" wurde 2006 vom Roten Kreuz für humanitäre Leistungen ausgezeichnet.
Das Ziel ist sauberes Trinkwasser für alle Menschen auf der Welt
Die Vorteile von SODIS für private Haushalte in den Entwicklungsländern liegen auf der Hand. Das Prinzip ist einfach, kostengünstig, klimaschonend und es beinhaltet eine große Wirkung. Ein ganz wichtiger Vorteil ist, dass die Menschen das Wasser nicht mehr abkochen müssen, um es keimfrei zu bekommen. Abgekochtes Wasser hat erstens keinen angenehmen Geschmack, und zweitens braucht man zum Abkochen eine nicht zu verachtende Menge an Brennmaterial.
In Gebieten nach Naturkatastrophen findet SODIS auch Anwendung. Das Problem ist, dass vor Ort nicht genügend PET-Flaschen zur Verfügung stehen. Es besteht die Möglichkeit, die Methode mit durchsichtigen beziehungsweise lichtdurchlässigen Plastikbeuteln anzuwenden. Ein weiterer Vorteil hier wäre, dass man die Beutel auch in größeren Mengen lagern könnte.
Die Anwendung von SODIS in den Entwicklungsländern
2009 stellten Forscher des Tropeninstituts der Schweiz ihre Ergebnisse einer langjährigen Studie über die Wirksamkeit von SODIS in Bolivien vor. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass vor Ort die Wirksamkeit statistisch nicht belegt werden könne. Die Durchfallerkrankungen seien zwar rückläufig, aber nicht im gewünschten Maße. Die Studie dürfe man aber nicht zum Anlass nehmen, SODIS einzustellen, sondern es müsse vielmehr an der Konsequenz der Durchführung gearbeitet werden. Man hat herausgefunden, dass die Flaschen nicht lange genug der Sonneneinstrahlung ausgesetzt wurden oder aber, dass die Methode gar keine Anwendung fand.
Den Menschen in den Entwicklungsländern fehlt die Vorstellung über die Wirksamkeit von SODIS. Es ist die Einfachheit des Prinzips, das die Menschen an dem großen Nutzen zweifeln lässt. Zum anderen ist die desolate Trinkwasserversorgung eines von vielen Problemen, die den Menschen in den ärmsten Ländern zu schaffen macht. Es ist aber so wichtig, die Menschen weiterhin für SODIS zu gewinnen, da rund 80 Prozent der Erkrankungen in Entwicklungsländern auf verseuchtes Wasser zurückzuführen sind, und weil in anderen Entwicklungsländern die gewünschte Wirkung von SODIS bei konsequenter Handlung erzielt wurde.
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