Nahrung und Wasser sind für das Überleben von Menschen absolut grundlegend. Bevölkerungsexplosion und zunehmender Mangel an Landwirtschaftsflächen können Nahrungsmittel zu einem noch knapperen Gut werden lassen. Mögliche Folgen: Noch mehr Hunger und rasant steigende Preise.
Knappe Landwirtschaftsflächen: Mangelware Ackerland
Mehr als ein Drittel der eisfreien Oberfläche wird von den Menschen als Landwirtschaftsfläche genutzt. Als gute Anbauflächen eigenen sich aber nur elf Prozent der zur Verfügung stehenden Böden. Weltweit werden jährlich rund 223 Millionen Tonnen Fleisch erzeugt. Durch die hohe Nachfrage nach tierischen Produkten und Fleisch werden 22 Prozent der Flächen als Weideland genutzt, das sind rund 28 Millionen Quadratkilometer. Das meiste Weideland befindet sich in Südamerika, China, im tropischen Afrika und im Westen der USA. In der Europäischen Union werden sogar 70 Prozent der Landwirtschaftsfläche für die tierische Produktion genutzt.
Ganze 15 Millionen Quadratkilometer Ackerland (12 Prozent) hat das Team um Navin Ramankutty von der McGill University in Montreal identifiziert. Die größten Anbauflächen befinden sich in Europa, Südasien und dem Osten der USA.
Eine sehr viel größere Nachfrage nach Lebensmitteln könnte man momentan schlecht abdecken: Dem steht zum Beispiel eine erhöhte Nachfrage nach Biokraftstoffe gegenüber sowie sinkende Erträge bei den Ernten. Von einer Bodendegeneration sind weltweit ein Drittel der Ackerflächen und ein Fünftel vom Weideland bedroht. Reserven liegen unter anderem noch in Südamerika und in den ausgelaugten und degradierten Böden Afrikas. Hier müsste allerdings kräftig investiert werden.
Die landwirtschaftliche Nutzung hängt zudem ganz wesentlich von der Verfügbarkeit von Wasser ab: In den OECD-Ländern entfällt über 40 Prozent des Wasserverbrauchs in der Landwirtschaft. Besonders China und Indien haben große Bereiche unter Bewässerung. Eine zu erwartende Wasserknappheit wirkt sich natürlich katastrophal auf die Ernährungssituation aus: Saudi-Arabien muss zum Beispiel vermutlich in 2016 die Eigenproduktion von Weizen wegen der Wasserknappheit aufgeben.
Brot für alle? Täglich 24.000 Hungertote
Studien der Welternährungsorganisation gehen davon aus, dass die Bevölkerungszunahme bis 2050 bei einem Drittel liegt: Dies wären rund 2,3 Milliarden Menschen (World Population Prospects 2009). Um diese 9,2 Milliarden Menschen satt zu kriegen, müsste man die Nahrungsmittelproduktion enorm steigern: Bis 2030 um mehr als 40 Prozent und bis 2050 um mehr als 70 Prozent. Bereits heute schafft es die Weltgemeinschaft nicht, die Versorgung der Weltbevölkerung zu gewährleisten. Weltweit sind rund 865 Millionen Menschen unterernährt und zwei Milliarden Menschen leiden an einer Mangelernährung. 13 Prozent der Weltbevölkerung hungern – trotz hoher Investitionen und verbindlicher Absprachen:
- 1948 wurde das Recht auf Nahrung von den Vereinten Nationen in der Menschenrechtscharta vereinbart.
- 1976 wurde es für die unterzeichnenden Staaten im Menschenrechtspaket rechtsverbindlich.
- 2004 wurden die "Freiwilligen Leitlinien zum Recht auf Nahrung" von den den Mitgliedsstaaten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ratifiziert.
- Die Weltbank investiert im Agrarsektor in den armen Ländern momentan jährlich 4,1 Milliarden Dollar und plant eine Erhöhung der Investitionen.
Lebensmittelverknappungen führen zu Preisexplosionen
Wie bei jeder Angebotsverknappung werden Preisexplosionen bei Agrarböden und neue Verteilungskämpfe um die knappen Güter erwartet. 2008 gab es bereits einen enormen Anstieg der Preise und einen kleinen Vorgeschmack auf das, was da kommen könnte: Innerhalb von zwei Monaten stiegen zum Beispiel die Preise für Reis global um über 200 Prozent. Im reichen Deutschland blieb dies unbemerkt, aber eine arme Familie in Bagladesch musste die Hälfte des Tageseinkommens für zwei Kilogramm Reis ausgeben. Weizen legte um 136 Prozent zu. Im Yemen führte dies dazu, dass arme Familien über ein Viertel ihres Einkommens für Brot ausgeben mussten. Die Teuerung führte unter anderem in Haiti, Bangladesch, Indonesien und Ägypten zu Ausschreitungen. Diese gefährliche Situation haben zum Beispiel das expandierende China und die wasserarmen Golfstaaten erkannt: Sie sichern sich in Afrika und Südamerika das noch zur Verfügung stehende Ackerland. Die internationale Gemeinschaft schlägt Alarm und spricht von Landraub.
Die Zukunft dürfte neben einer Verschärfung der Ernährungslage steigende Lebensmittelpreise bringen. Dann dürfte Essen das neue Gold sein. Bereits heute findet ein dramatischer Ausverkauf der Ackerflächen statt.
QUELLEN:
United States Department of Agriculture
Food and Agricultural Organization of the United Nations
McGill University, Montreal, Kanada
OECD
International Monetary Found
FIAN - FoodFirst Information and Action Network.
