Kein deutsches TV in der Türkei?

Telekommunikation, TV als Kulturvermittler - Dieter Schütz - Pixelio.de
Telekommunikation, TV als Kulturvermittler - Dieter Schütz - Pixelio.de
In der Türkei und im Nahen Osten sollen ab 2011 deutschsprachige Sender nicht mehr, wie bislang, über den Satelliten Astra empfangen werden.

In der Türkei, so wird geschätzt, leben etwa 40.000 Deutsche. Viele empfangen über eine Astra-Schüssel WRD, SWR, SR, RBB, NDR, MDR, HR, BR, EinsPlus, EinsExtra, EinsFestival und Phoenix, sowie das ZDF mit seinem Theaterkanal, 3sat, zdf neo, Kika, ZDF Info, und ARTE. Auch sogenannte türkischstämmige Rückkehrer, die Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet haben, sehen regelmäßig deutschsprachige Programme, um in Kontakt mit der alten oder mit der zweiten Heimat zu bleiben. Für solche, die an den Schulen, in Sprachkursen, an der Universität oder im Selbststudium Deutsch lernen, ist das Fernsehen eine wichtige Quelle des Fremdsprachenerwerbs. Auch deutsche Urlaubsreisende wollen, wenn sie abends vom Strand oder von Exkursionen zurückkehren, nicht auf ihr gewohntes Programm und die Teletexte verzichten.

Fernsehanstalten und Kulturpolitiker sind gefragt

Information ist ein Grundrecht. Informiert zu sein, ist ein Bedürfnis. Wer einmal längere Zeit in einem Land gelebt hat, wo er nur Beiträge der Deutschen Welle empfing, der weiß, wie sehr man deutsches TV vermissen kann. Unkenrufen im Inland zum Trotz sind deutschsprachige Sender keineswegs übel. Informativ sind nicht nur exzellente Dokumentationen auf Arte, welcher Sender sich als europäisch und interkulturell versteht. Vermissen kann man auch Sender wie Phönix, der etwa deutsche Geschichte spannend und kritisch erzählt. Letztlich sind jedoch alle Sender informativ. Selbst Unterhaltungssendungen. Denn sie geben Einblicke in die Kultur, ob sie in deutsche Kochtöpfe blicken lassen oder in die Köpfe von Rate-Kandidaten. Soaps verraten, was Trend und Mode ist. Ob man Tausende um diese Deutschlandbilder bringen will, sollten sich Fernsehanstalten wie Kulturpolitiker fragen.

Wo hört Europa auf?

Auf den fernen Kanarischen Inseln ist der Empfang deutschsprachiger Sender nicht in Gefahr, weil sie zu Europa zählen. Astra hat speziell für die Kanaren einen “Beam” installiert. Nicht jedoch für Zypern, obwohl der griechische Teil zur Europäischen Union gehört. Durch einen “Zypern-Beam“ wären die Programme auch zukünftig in der Türkei und im Nahen Osten zu empfangen.

Privilegierte Partnerschaft?

Im Zusammenhang eines EU-Beitritts der Türkei war unter Gegnern und Skeptikern die Rede von einer privilegierten Partnerschaft. Alle deutschen Politiker beteuern also die Wichtigkeit einer Zusammenarbeit und des Dialogs mit der Türkei. Dazu verpflichten allein schon die Geschichte und wirtschaftliche Interessen. Vielleicht sollten sie also dafür sorgen, wenigstens die Grenzen in der Luft nicht so eng zu ziehen. Wenn Deutsche Schulen, Goethe-Institute, Deutsch-Türkische Universitäten in der Türkei gefördert werden, warum dann nicht der Empfang des deutschen Fernsehens? Als Werbung für Deutschland ist es durchaus brauchbar. Und: Wer „Das Auto“ sagen kann, der kauft es vielleicht auch.

Petition gegen Einstellung des TV-Empfangs

In der Türkei, auf Zypern und im Nahen Osten unterschreiben viele eine Petition, die vielleicht auch Inländer unterstützen mögen. Die Unterzeichnenden wären gern bereit, Gebühren zu zahlen, wenn es denn möglich ist. Die ARD ist bereits nicht mehr über den alten Satelliten zu empfangen und bei der Fußball-WM starrte man verärgert in die Röhre.

Bildquelle: Dieter Schütz/www. pixelio.de

Dr. Birgit Giloy - Birgit Giloy studierte Literatur und Philosophie und wurde in Heidelberg promoviert. Sie lehrte an Universitäten in Deutschland und ...

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