Kein Frieden ohne Frauen

Symbol für Revolution und Rebellion der Frauen - Dominik Eckold
Symbol für Revolution und Rebellion der Frauen - Dominik Eckold
Der Friedensnobelpreis 2011 setzt Zeichen für die Frauen- und Bürgerrechtsbewegung Afrikas und Arabien.

Das Nobelpreiskomitee hat im Jahr 2011 Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, die liberianische Menschenrechtlerin Leymah Gbowee und die Journalistin Tawakkul Karman aus dem Jemen zu würdigen Preisträgerinnen für den Friedensnobelpreis gekürt. Damit setzt das Komitee nicht nur ein Zeichen für Bürgerrechtsbewegungen, die sich gegen Gewalt und Unterdrückung einsetzen, sondern im Besonderen für Frauen, die für Demokratie und Gleichberechtigung eintreten. Jede der drei Preisträgerinnen hat mit ihrer Person und unter Einsatz ihrer Freiheit und Bedrohung ihres Lebens deutlich gemacht, dass ein Frieden ohne Frauen und die Würdigung ihrer Rechte in ihren Gesellschaften nicht möglich ist.

Die drei Preisträgerinnen im Profil

1. Ellen Johnson-Sirleaf

Mit Mut, Beharrlichkeit und Rebellion hat sich jede der drei Ausgezeichneten in ihrem Umfeld verdient gemacht. Liberias jetzige Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, die sich dieses Jahr der Wiederwahl stellt, hat mit Beharrlichkeit versucht, den ehemals "failed state" Liberia in seinen Strukturen wieder aufzubauen. Die heute 72-Jährige studierte in den USA Wirtschaftswissenschaften und öffentliche Verwaltung, mit Abschluss in Harvard 1971. Sie war in Washington Leiterin des UN-Entwicklungsprogrammes für Afrika, dann bei der Weltbank. Sie hat das Wissen und die Erfahrung, demokratische Strukturen zu entwickeln und für ihre Verteidigung zu sorgen.

Liberia ist ein patriachales Land, in welchem Frauen lange unterdrückt wurden. Der Bürgerkrieg führte dazu, dass die letzten Schranken zum Schutz der Frauen fielen: Etwa Dreiviertel aller Frauen wurden vergewaltigt. Gegen dieses Verbrechen kämpft die Präsidentin heute immer noch, denn diese zutiefst archaischen Denkweisen zu verändern, kostet viel Überzeugungskraft. Eine von ihr eingerichtete spezielle Gerichtskammer gegen Vergewaltigung von Frauen soll beitragen, diesen Untaten ein Ende zu setzen.

2. Leymah Gbowee

Mehr als 2.000 Frauen gingen nach Aufforderung zum Protest von Leymah Gbowee in weißen T-Shirts und ohne Make-up und Schmuck auf die Straße, um für Frieden und gegen den unsäglichen Bürgerkireg einzutreten. Nichts sollte von ihrem Willen und ihrer Botschaft ablenken. Sie wollten Frieden und zwar sofort. Dies war eine utopische und zugleich lebensgefährliche Idee in einer Diktatur. Sie und ihre Mitstreiterinnen ließen sich aber nicht einschüchtern. Am 14. April 2002 hatte sich Leymah Gbowee durchgesetzt. Der Dikatator James Taylor, der das Land fest im Griff hatte, empfing sie und versprach, zu den Friedensgesprächen in Ghana zu gehen.

Als dennoch die Kämpfe in Liberia weitergingen, forderte sie wie im Athener Drama "Lysistrata" von Aristophanes die Frauen auf, die Arbeit im Haushalt und den Sex zu verweigern, um so die kriegslüsternen Männer zum Frieden zu zwingen.Sie machte so deutlich, dass die Frauen zwar körperlich unterlegen sein mögen, aber über die Macht der Gemeinsamkeit und Entschlußfähigkeit verfügen, um sich gegen die brutale Herrschaft der Männer durchzusetzen.

3. Tawakull Karman

Im Jemen zeugt es von großem Mut, dass Tawakull Karman meist nur im bunten Kopftuch auftritt. Denn in diesem Staat zeigen sich Frauen ausschließlich im schwarzen weiten Mantel und dem Niqab, der nur einen Schlitz für die Augen offen lässt. Sie sticht damit aus der Masse der gesichtslosen Frauen heraus. Sie erhebt das Wort, ist als Sprecherin der Reformbewegung von vielen anerkannt. Die Journalistin hat früh politische Bildung erfahren. Ihr Vater war Teil des Regimes und erzählte zu Hause von der Korruption und Tyrannei und warb für Demokratie und Gerechtigkeit.

Seine Tochter studierte Politik und Jura und wurde Mitglied in der Bewegung "Journalistinnen ohne Ketten". Schon lange vor dem arabischen Frühling, der auch auf den Jemen übergriff, protestierte sie unter Lebensgefahr für mehr Pressefreiheit. Sie wurde mehrmals verhaftet, kam aber auf Protest der Freiheitsbewegung im Jemen wieder auf freien Fuß. Der Preis und ihr Bekanntheitsgrad können ihr helfen, sie nicht nur zu schützen, sondern ihren Forderungen mehr Gewicht zu verleihen. Die Prostestierenden fordern, dass die 33-jährige Herrschaft des Präsidienten Saleh endet und Frieden und Demokratie im Jemen einkehrt.

Die Verleihung des Friedensnobelpreises 2011 an drei Bürgerrechtlerinnen, die auch für die Gleichberechtigung ihres Geschlechts kämpfen, stärkt nicht nur die Freiheitsbewegungen in aller Welt, sondern auch die verbrieften Rechte aller Frauen. Das Komitee in Stockholm hat eine kluge und richtungweisende Entscheidung getroffen.

Quellen: NTV-Nachrichten, 7.Oktober 2011, Welt-online, Spiegel-online, FAZ-net am 7.Okt. 2011

Sigrid Eckold, Privat

Sigrid Eckold - Sigrid Eckold, M.A. phil.. 16.09.1952 Magisterarbeit über Kant und Fichte, 1996. Ausgebildete Trainerin, Mediatorin, Coach. ...

rss