Der Plot ist einfach. Rubidin trifft einen andern Jungen, verliebt sich in ihn, unterzieht sich einer Operation zur Geschlechtsumwandlung, um dem Geliebten zu gefallen und wird Ruby. Später bereut er/sie diese Entscheidung und stoppt, sich die weiblichen Hormonspritzen zu injizieren. Aus Ruby wird wieder Rubidin, wenngleich ein wenig reduziert, der in seinen Heimatort zurückkehrt und sich dort in das Mädchen Dina verliebt.
Homosexualität steht in muslimischen Ländern unter Strafe
Zwar gibt es in dem Film weder Küsse noch Nacktszenen oder gar Sex. Dennoch war für so manchen Zuschauer des Films „…Dalam Botol“ (… in einer Flasche), in dem der malaysische Schauspieler Khir Rahman sein Regiedebüt gab, und den die malaysische Schriftstellerin Raja Azmi Raja Sulaiman produzierte, schrieb und nun in die Kinos Malaysias brachte, die Grenze des Zulässigen erreicht. Denn in dem überwiegend muslimischen Land steht Homosexualität unter Strafe.
Immer wieder führt die Polizei in Malaysia Razzien durch und nimmt Homosexuelle fest. 1999 war der ehemalige Finanzminister und stellvertretende Ministerpräsident Anwar Ibrahim unter dem Vorwand der Homosexualität aus dem Amt vertrieben und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Im Oktober verlangte die orthodoxe Pan-Malaysische Islamische Partei (PAS), dass ein Konzert des schwulen US-Sängers Adam Lambert abgesagt werde. Es fand dennoch statt, aber vor der Konzerthalle demonstrierten und randalierten Parteianhänger. Im Dezember erhielt ein muslimischer Homosexueller Morddrohungen. Er hatte bei YouTube ein Video ins Internet gestellt, in dem er Homosexuelle aufforderte, selbstbewusster zu sein. Ein angesehener Kleriker bezeichnete den Clip als Beleidigung für den Islam. Dennoch griffen die Gesetzesorgane in Malaysia relativ selten ein, solange die Homosexuellen diskret blieben, sagte Andrew Khoo, der Vorsitzende des Menschenrechtskomitees der malaysischen Anwaltskammer, der New York Times.
Die Macht der Zensur
Zwar mussten die Filmemacher schon während der Vorbereitungen und der Dreharbeiten eine ganze Serie von Auflagen der staatlichen malaysischen Filmzensurbehörde erfüllen, doch immerhin gelang es ihnen, zum ersten Mal in einem überwiegend muslimischen Land einen Film über Homosexualität zu drehen und auch vorzuführen. Schon bei der Erstellung des Scripts mussten die Filmemacher die Regeln der Zensurbehörde berücksichtigen. Diese fordern, dass homo- oder transsexuelle Charaktere in Filmen ihr Handeln bedauern und aus ihren „Fehlern“ lernen müssen. Dann verlangten die Zensoren, dass das Wort Anu aus dem geplanten Titel „Penis in einer Flasche“ und eine allzu gewagte Bettszene aus dem Script gestrichen würden.
Dennoch blieb das Projekt den selbsternannten Hütern muslimischer Moral von der PAS ein Dorn im Auge. Der Film schwäche die Gesellschaft und diene der Verbreitung der Homosexualität, wetterte die Partei. Kleriker warnten in Moscheen vor dem Kinobesuch. Im benachbarten Indonesien, dem zweiten überwiegend muslimischen Staat in Südostasien, der auf seine lange Tradition der Zensur sogar stolz ist, mussten die Zensoren das Script oder den Film erst gar nicht anschauen, um zu wissen, dass er eine Beleidigung für die keuschen Augen ihrer promiskuitiven Gesellschaft ist. Die zuständige Behörde blockierte sofort alle Seiten im Internet, auf denen über den Film berichtet wird.
Wenigstens ein bisschen Sex
Zwar setzten ihr Zensur und Moralhüter zu. „Aber wir haben schon ein paar hautnahe Intimszenen mit leidenschaftlichen Umarmungen gedreht“, freute sich Raja Azmi bei der Vorstellung ihres Films, die sie bei den Behörden auch durchbekommen hat. „Ohne Umarmungen hätten wir doch gar nicht zeigen können, wie sehr sich die beiden Charaktere lieben. Ich verstehe eh nicht, was das alles soll“, wunderte sie sich. „Es ist eine Liebesgeschichte. Daran ist doch nichts falsch.“ Der Low-Budget-Film, der weniger als 250 000 Euro kostete, basiert auf der wahren Geschichte eines Freundes, der sich einer Geschlechtsumwandlung unterzog, was er später bereute.
Ungeliebtes Happyend
Dieses Ende aber bemängeln Homosexuelle. Zwar könne die Darstellung von Homosexuellen auf der Leinwand grundsätzlich als ein Fortschritt angesehen werden, kritisierte ein Kinobesucher, der anonym bleiben will: „Der Schluss aber ist sehr schlecht. Eine Hauptfigur, die bedauert homosexuell zu sein und sich in eine Frau verliebt, wird unserer Sache nicht dienen.“
„Das ist eben nicht (Ang Lee’s) ‚Brokeback Mountain‘ (die Geschichte einer romantischen Beziehung zwischen zwei Männern im amerikanischen Westen)“, argumentierte ein 30jähriger Bankangestellter ähnlich. „Ich möchte Homosexuelle im Kino sehen. Es ist aber nicht richtig, dass sie alle so traurig und niedergeschlagen sind. Ich hoffe, dass unsere Gesellschaft eines Tages so offen sein wird, dass wir einen malaysischen Film machen können, in dem sich zwei Männer treffen, verlieben und fortan glücklich zusammen leben.“
