Keine Angst vor Assessment Centern

Vorbereitung auf das Einstellungsverfahren

Oft führt schon die Einladung zu Assessment Centern zu Schweißausbrüchen. Vollkommen unnötig, denn meist ähneln sich die Übungen dieser aufwändigen Einstellungsverfahren.

Die sogenannten Assessment Center (AC) gehören zu den aufwändigsten betrieblichen Personalauswahlverfahren. Sie können von einem bis zu fünf Tagen dauern und umfassen verschiedene Tests, anhand derer ihre Teilnehmer beurteilt werden (to assess = englisch für beurteilen). Da ihre Durchführung sehr zeitintensiv, aufwändig und dadurch in der Regel auch teuer ist, werden sie meist zur Auswahl qualifizierterer Bewerber oder zur Identifizierung von Führungskräftenachwuchs eingesetzt. Immer mehr Unternehmen wählen allerdings auch ihre Auszubildenden in Assessment Centern aus, wobei diese Testverfahren in der Regel recht kurz gehalten sind und meist nur einen Tag dauern.

Im Ursprung ein militärisches Auswahlverfahren

Ihren Ursprung haben die Assessment Center in der Offizierauswahl der Reichswehr nach dem ersten Weltkrieg. Im dritten Reich wurden sie ebenfalls eingesetzt und auch die Bundeswehr unterzieht ihre Offizierbewerber heute immer noch einem viertätigen AC an der Offizierbewerberprüfzentrale in Köln.

Im zivilen Bereich hielt das ganzheitliche Testverfahren erst in den 60er Jahren Einzug. Dabei haben sich seitdem unterschiedliche Testbausteine herausgebildet, die wiederum sehr gut die Anforderungen an die Kandidaten im Laufe der Zeit, aber auch die Kultur der auswählenden Organisation widerspiegeln – je nach Zusammenstellung der Einzeltests.

Einzeltests im Assessment Center

So zielen Gruppendiskussionen darauf ab, die Team- und Artikulationsfähigkeit zu untersuchen. In der berühmt-berüchtigten Postkorbübung wird der Kandidat mit einer Vielzahl unterschiedlicher Vorgänge konfrontiert, die er systematisch abarbeiten muss. Rollenspiele dienen dazu, situatives Geschick und Argumentationsverhalten unter die Lupe zu nehmen. Und Intelligenztests wollen einen Eindruck vom Intellekt des Auswahlkandidaten verschaffen. Macht man sich im Vorfeld mit dem Ziel und dem Ablauf der einzelnen Test vertraut, hilft das ungemein.

Vorbereitung auf das Assessment Center

Der erwähnte Postkorb beispielsweise entspricht der Arbeitsalltag wohl am meisten. Daher darf er auch in keinem AC fehlen. Wer hier klar strukturiert mit der A-B-C-Analysemethode vorgeht und die einzelnen Vorgänge kurz bewertet, priorisiert und dann zugüg bearbeitet, ohne sich im Detail zu verhaken, wird mit ihm keine Probleme haben. Das Motto "Mut zur Lücke" bringt hier wesentlich mehr, als sich an jeder Kleinigkeit festzubeißen. Auch die Gruppendiskussion ist seit den Anfängen der AC sehr beliebt, können hier doch äußerst vielfältige Qualifikationen wie Durchsetzungsvermögen, aber auch zwischenmenschliches Verhalten, Rethorik und Teamfähigkeit zugleich beobachtet werden. Zuhören, Kompromissbereitschaft, Integration der anderen Diskussionsteilnehmer, aber auch klare Darstellung des eigenen Standpunktes sind bei diesem AC-Klassiker gefragt. Ganz ähnlich, meist aber nur mit einem Gegenüber und nicht in der Gruppe, verhält es sich mit dem Rollenspiel. Meist gilt es hier, beispielsweise in einem Mitarbeitergespräch, eine Konfliktsituation zu lösen. Seinen Gesprächsparner erzählen lassen, nachfragen, auf Gesagtes eingehen, klar die eigene Meinung vertreten: Ist dieses auch leichter gesagt als getan, hilft es aber sicher, sich im Vorfeld klar zu machen, was genau von einem gefordert ist.

Gruppenarbeiten und Präsentation

Gleiches gilt für Gruppenarbeiten oder Präsentationen. Am besten ist natürlich, beides in der Praxis schon gemacht zu haben. Wer diese Möglichkeit nicht hatte, sollte sich mit den Zielen dieser Testbausteine vertraut machen. In Gruppenarbeiten kommt es beispielsweise darauf an, Initiative zu ergreifen, Entscheidungslücken zu füllen und Verantwortung zu übernehmen. Allerdings ohne die anderen Teilnehmer zu sehr zu dominieren, denn schließlich ist Teamfähigkeit auch hier eine der zu beobachtenden Schlüsselqualifikationen. Wer strukturiert und organisiert erklären kann und darüber hinaus mit freier Rede keine Probleme hat, wird in der Regel auch in einem AC keine Schwierigkeiten haben, zu präsentieren. Denn wie bei den meisten Übungen ist hier weniger das WAS, als vielmehr das WIE bedeutend. Soll heißen, auf den Inhalt kommt es weniger an, denn auf die Art wie der Kandidat ihn aufbereitet und darstellt.

Wer das weiß, ist schon ein gutes Stück auf die Tests vorbereitet. Und genau darauf kommt es an.

Vorbereitung bringt Ruhe und schafft damit schon mal eine wesentliche Grundvoraussetzung der erfolgreichen Teilnahme.

Assessment Center können Spaß machen

Letztlich wird man in ACs immer mit künstlichen Situationen konfrontiert, die stets die gleichen Qualifikationen der Bewerber um einen Job oder um eine Laufbahn sichtbar machen sollen. Wer also um die grundsätzliche Ausrichtung der Bausteine weiß, hat es wesentlich leichter und kann in einem AC vielleicht sogar Spaß haben. Informationsquellen für die Vorbereitung gibt es mehr als genug. Von Literatur, über Blogs, bis hin zu kommerziellen Anbietern, die das komplette Training für solche Auswahlverfahren übernehmen.

Stefan Schmid, Stefan Schmid

Stefan Schmid - Stefan Schmid ist auf Berge gestiegen, hat Bäume gefällt, in Stiefeln geschlafen, viel Zeit draussen verbracht und dabei Uniform ...

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