Keine Hochzeit ohne Fotos

Praktische Tipps für gelungene Bilder

Der "schönsten Augenblick des Lebens" soll natürlich im Bild festgehalten werden. Wer die Sache allerdings allzu blauäugig angeht, kann sein blaues Wunder erleben.

Nicht nur das Brautpaar, auch Eltern, Tanten, Freunde wollen eine bleibende Erinnerung an eine Hochzeit – egal ob ganz traditionell mit Kirche und Brautkleid oder eher alternativ.

Sollen die Bilder qualitativ über dem Niveau von Urlaubs-Schnappschüssen liegen, stellt sich die Frage: Soll man einen professionellen Fotografen engagieren oder findet man einen Verwandten oder Freund mit einer entsprechenden Ausrüstung und der Bereitschaft, den Job zu übernehmen?

Profi oder Amateur?

Professionelle Fotografen bieten heute mehr als nur das althergebrachte Hochglanzportrait im Studio mit Weichzeichner und stereotypem Lächeln. Sie bringen das Hochzeitspaar nach draußen unter freien Himmel, um eine weniger gezwungene Atmosphäre zu schaffen. Gegen entsprechendes Honorar kommt das Fotostudio auch zur Feier.

Für sein Geld erhält man handwerklich einwandfreie Fotos. Wie inspiriert die Aufnahmen werden, hängt von der Qualität der Fotografin oder des Fotografen ab. Es gibt ausgesprochene Spezialisten für dieses Genre, die sind allerdings nicht billig. Für den Fotografen an der Ecke ist solch ein Auftrag Routine, und es verbindet ihn nichts Persönliches mit dem Hochzeitspaar und den Gästen.

Findet sich ein engagierter Amateur aus dem Umkreis des Paars, steigen die Chancen auf individuellere Bilder. Allerdings sollte allen bewusst sein, dass der Fotograf sich einiges zumutet.

Kein leichter Job für einen Amateur

Zum einen wird er von der Feier selbst wenig haben. Auf einer Hochzeit zu fotografieren, hat viel mit Straßenfotografie gemeinsam. Der Mann oder die Frau mit der Kamera ist ständig auf der Pirsch nach geeigneten Motiven, was kaum Raum lässt, selbst am geselligen Treiben teilzunehmen.

Vor allem aber ist das Ereignis nicht wiederholbar. Und sollte etwas völlig schief gehen oder das Resultat den Erwartungen nicht entsprechen, kann das zu erheblichen Konflikten führen. Deshalb sollte, wer sich auf das Wagnis einlassen will, gut vorbereitet sein.

Digitale Spiegelreflexkamera ist Pflicht

Eine digitale Spiegelreflexkamera ist Voraussetzung: Spiegelreflex wegen der besseren Bildqualität, wenn auch größere Abzüge gewünscht werden, und der größeren Flexibilität, digital, weil der lästige Filmwechsel wegfällt und vor allem wegen der leichteren Verteilung der fertigen Bilder.

Man kann die Ausbeute entweder im JPEG-Format auf CD brennen oder ins Internet stellen. Das umständliche Hantieren mit Papierabzügen und Strichlisten für die Interessenten ist Vergangenheit.

Wahl der Objektive

Um schnell einsatzfähig zu sein, empfiehlt es sich, das Equipment zu begrenzen. Um den Brennweitenbereich vom Weitwinkel bis zum leichten Tele abzudecken, bietet sich ein Zoomobjektiv mit möglichst hoher Lichtstärke an. Als Ergänzung sollte man vielleicht noch ein Standardobjektiv mitnehmen, das besonders lichtstark ist (1:1,8 oder besser).

Das Problem der Beleuchtung

In Innenräumen zu fotografieren, lässt sich bei Hochzeitsbildern gar nicht vermeiden. Standesämter und besonders Kirchen sind aber denkbar schlecht beleuchtet. Will man dort blitzen, braucht man die Einwilligung des Standesbeamten oder des Geistlichen.

Die Verwendung von Blitzlicht während der kirchlichen Zeremonie ist besonders problematisch. Die ständigen Lichtblitze stören alle Beteiligten. Auch vom rein fotografischen Standpunkt aus betrachtet ergeben sich Schwierigkeiten. Für indirektes Blitzen fehlt es in dem großen, hohen Raum an Reflektionsflächen und direktes Blitzen schneidet kalkige Gesichter aus einem tiefdunklen Hintergrund.

Eine Abhilfe kann das erwähnte „schnelle“ Standardobjektiv in Verbindung mit einem Stativ sein.

Ein externer Blitz ist unverzichtbar

Trotzdem gehört ein externes Blitzgerät mit ins Fotogepäck. Natürlich wegen der Innenaufnahmen beim Essen und beim Tanz, genauso aber als Aufhellblitz für Außenaufnahmen.

Gerade strahlend schöne Sonnentage mit jeder Menge Licht überfordern leicht den Kontrastumfang des Bildsensors der Kamera. Werden die Schatten nicht durch Blitzlicht aufgehellt, passiert es leicht, dass entweder die "Lichter" (also die hellen Teile des Motivs) "ausfressen" oder die dunklen Motivteile in zeichnungslosem Schwarz untergehen, "absaufen", wie es im Fotojargon heißt.

Hier hilft auch der oft in der Kamera eingebaute Blitz. Spätestens wenn es nach Innen geht, sollte aber ein externes Blitzgerät eingesetzt werden, das auf den Blitzschuh der Kamera gesteckt wird. Durch den schwenkbaren Reflektor dieser Geräte kann man Decken und Wände für indirektes Blitzen nutzen.

Dies vermeidet zum einen den berüchtigten "Kaninchenaugen-Effekt" und wirkt insgesamt natürlicher, weil durch die Diffusion Licht und Schatten weicher werden. Muss frontal geblitzt werden, sollte ein Bouncer, von Fotografen despektierlich auch als "Jogurt-Becher" bezeichnet, auf den Blitzreflektor gesetzt werden. Wie beim indirekten Blitzen wird durch diesen Vorsatz das Licht gestreut und vermeidet typische "Blitzlicht-Bilder".

Hat man dieses Teil gerade nicht zur Hand, tut ein Leinentaschentuch, einmal gefaltet und mit einem Schießgummi am Blitzreflektor befestigt, ungefähr den gleichen Dienst, sieht allerdings nicht ganz so professionell aus.

Die "kleinen Dinge" nicht vergessen

Unbedingt denken muss man an die selbstverständlichen Dinge, die man in der Hektik des Einpackens leicht übersieht. Die Akkus von Kamera und Blitz müssen natürlich frisch geladen sein. Aber es gehört von beidem ein Ersatzpack mit in die Fototasche.

Ebenso muss man an genügend Speicher für die Bilder denken. Lieber eine Speicherkarte mehr einstecken als plötzlich mit jedem Druck auf den Auslöser knausern zu müssen. Digitalfotografie ist gefräßig und an einem langen Hochzeitstag und –abend sind ein paar Hundert Aufnahmen schnell geschossen.

Da es sich dringend empfiehlt, im RAW-Format zu fotografieren, ist eine hinreichende Reserve an Speicherplatz umso wichtiger. Wer die Mühe nicht scheut, ist gut beraten, zusätzlich einen Laptop mit ausreichender Kapazität auf der Festplatte mitzunehmen.

Bleibt Zeit, kann man zwischendurch Bilder von der Kamera herunterladen und die Speicherkarte leeren. Der Fotograf hat die Möglichkeit, seine bisherigen Aufnahmen am größeren Monitor des Computers zu überprüfen und eventuell noch Korrekturen vorzunehmen.

Voraussetzung dafür ist, dass das unscheinbare USB-Kabel, das Kamera und Laptop verbindet, mit im Gepäck ist. Auch wenn der Computer über einen Kartenleser verfügt, sicher ist sicher, denn im entscheidenden Moment kann es vorkommen, dass sich ein solches Teil weigert, eine Speicherkarte zu lesen, die es bisher immer erkannt hat.

Nur wer sich mit einer gut durchdachten Checkliste ans Werk macht, darf sich beruhigt auf Motivjagd begeben.

Dr. Rudolf Fehrle, Rudolf Fehrle

Rudolf Fehrle - Dr. phil., Historiker und wissenschaftlicher Bibliothekar. Arbeitet als freier Autor für Print- und Online-Medien sowie den ...

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