Keine Lehrstelle gefunden, so umgeht man Hartz IV

Jugendliche, die sich mit schlechten Zensuren bewerben, stehen oft im Abseits. Mit Einsatz, Mut und Fleiß lässt sich doch viel bewegen, auch ohne Hartz IV.

Jedes Jahr in Deutschland beginnt der Run auf eine Lehrstelle aufs Neue. Wer einen Realschulabschluss oder gar das Abitur vorweisen kann, hat schon mal gute Chancen der Arbeitslosigkeit und dem dann unausweichlichen Hartz IV zu entgehen.

Bewerber mit Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss werden oft bei Personalchefs übersehen, insbesondere wenn das Zeugnis miserabel ist. Wenn Jugendliche und deren Eltern bei solchen schlechten Aussichten den Mut verlieren, könnte dies auf Dauer der Abstieg in Hartz IV bedeuten.

Wer unter schlechten Vorausetzungen eine Lehrstelle sucht, braucht Durchhaltevermögen

Die junge Dame auf dem Foto hat mit Recht gut lachen. Michelle Hingel hat den großen Sprung von schlechten Zensuren und Hauptschulabschluss ins Berufsleben geschafft.

Wie Michelle gegenüber suite101 berichtet, habe sie noch während der Schulzeit unzählige Bewerbungen verschickt. Doch waren da auch viele Träume mit hineingeflossen, berichtet Michelle weiter, die unrealistisch waren, wenn man einen Blick in ihr Zeugnis warf. Die für ihren Wohnsitz zuständige Agentur für Arbeit konnte da auch nicht viel weiterhelfen. Die Schulzeit war ohne die Zusage einer Lehrstelle zu Ende gegangen, weiteren Aussichten demnächst eine zu erhalten standen auf Null. Die Agentur für Arbeit stellte, erzählt Michelle, Hartz IV als Überbrückung in Aussicht. Doch das wollte die inzwischen 18-Jährige nicht akzeptieren. Sie ging nun nicht mehr auf Lehrstellensuche, sondern nahm einen Minijob in einem Imbiss an.

Aber ihrer Mutter Antje Hingel war das nicht genug. „Als Anfang war es gut diese Arbeit anzunehmen, doch junge Leute brauchen eine Lehrstelle“, stellt die resolute Frau und Mutter von vier Kindern klar. So hieß es weiter suchen. Mit Esprit und Beherztheit stürmten Mutter und Tochter in nächster Zeit die Unternehmen ihres Ortes und das mit Erfolg. Eine bekannte Bekleidungskette bot Michelle zunächst im Verkauf einen Minijob an. Da dieser mehr versprach als die Arbeit im Imbiss, griff das Mädchen zu. Bereits nach rund zwei Monaten, so die stolze Mutter, wurde die Tochter als sozialversicherungspflichtige Teilzeitkraft eingestellt – und das Beste: Sie bekam die Zusage auf die begehrte Lehrstelle im nächsten Jahr. Michelle tritt dann ihre Lehre als Einzelhandelskauffrau an. Dieses Bespiel zeigt, dass persönliches Engagement immer besser als Abwarten sein kann.

So können Jugendliche auch ohne Hartz IV den Weg bis zum Lehrvertrag überbrücken

Wer keine Lehrstelle gefunden hat, sollte erst einmal einen kühlen Kopf bewahren. Für Schulabgänger mit schlechten Noten gilt: Persönlich ist besser. Bei vielen Firmen ist die Bewerbung über das Internet oder dem Postweg Standard. Der Nachteil für schwache Schüler besteht darin, dass sie auf Grund ihrer schlechten Schulnoten gleich ins Aus gestellt werden.

Am besten sucht sich der Jugendliche eine Arbeit bei Unternehmen, die im kleinen bis mittleren wirtschaftlichen Segment liegen. Dort sollte sie oder er persönlich auftreten und auch das schlechte Zeugnis nicht verschweigen. Manchmal ist es von Vorteil, einen Elternteil mitzunehmen, unterstreicht das doch die Ernsthaftigkeit des Bewerbers die Arbeit auch wirklich machen zu wollen. Bei der Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit sollte es jedoch keine Rolle spielen, ob es sich dabei um einen Traumjob handelt. Hat man die Arbeit erhalten und zeigt Einsatz, Pünktlich und Verlässlichkeit, stellt einen nach einigen Monaten auf Nachfrage der Arbeitgeber gerne ein Zwischenzeugnis aus. Damit begibt man sich wieder auf Lehrstellensuche.

Menschen, die den Schwierigkeiten der Arbeitswelt trotzen, beeindrucken Unternehmen.

Erfahrungsgemäß stehen Unternehmen dann nicht mehr so abweisend den schlechten Noten gegenüber, hat der Anwärter doch gezeigt, dass er dazulernen kann und täglich aufs Neue den Anforderungen der Arbeitswelt gewachsen ist. Wer Glück hatte, wird auch vom Jobber zum Lehrling hochgestuft. Wichtig ist, dass die Firma um die Wünsche ihrer Mitarbeiter weiß.

Wer also nicht gleich eine Lehrstelle ergattern konnte, sollte Erfahrungen auf dem freien Arbeitsmarkt sammeln, um somit dem Abstieg zu Hartz IV zu entgehen.

Vorsicht vor Stellenanzeigen, die auch Ungelernte „reich“ machen

Leider erscheinen immer wieder Stellenangebote, die für wenig Arbeit viel Geld versprechen. Diese setzen gezielt auf Arbeitslose oder unqualifizierte Bewerber. Meistens handelt es sich um Geschäftemacher, die viel Versprechen, aber wenig halten. Entweder sie bezahlen unregelmäßig oder, noch viel schlimmer, man kriegt zwar einen recht guten Lohn, aber einen unseriösen Ruf, der dann endgültig den Weg in eine geregelte berufliche Zukunft verbaut.

Kleine Brötchen backen zahlt sich aus

Das Geld liegt nicht auf der Straße, aber in einer guten Ausbildung. Deshalb sollte man sich bei der Jobsuche auch Arbeiten heraussuchen, die vielleicht im Freundeskreis eher spöttisch belächelt werden. Der Weg ist hier das Ziel. Zu diesen unbeliebten Arbeitsstätten gehören: McDonald's, Burger King und Co der System-Gastronomie. Auch das Backhandwerk erfreut sich als Ausbildungsplatz nicht gerade sonderlicher Beliebtheit. Doch den Suchenden sollte das egal sein. Es handelt sich um ehrliche Arbeit und der Spaß daran ist: Man verdient Geld, wird qualifilziert und nicht zum Sozialfall. Übrigens sollte man sich immer zwischendurch Listen von freien Lehrstellen von der Agentur für Arbeit, wie auch von den Industrie und Handels- sowie Handwerkskammern schicken lassen. Die Adressen mit Telefonnummer befinden sich auf den jeweiligen Websites der Einrichtungen.

McDonald's stellen auch Ausbildungsplätze zur Verfügung. Aber auch hier heißt es für schwache Kandidaten: Im Vorfeld Überzeugungsarbeit leisten, am besten als Teil- oder Vollzeitkraft. Mit Einsatzbereitschaft können Jungendliche der Arbeitslosigkeit entgehen. Wer seine beruflichen Träume der Realität anpasst wird am Ende zu den Gewinnern zählen.

Wünschen Sie weitere Informationen zu Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten, finden Sie diese unter folgenden Links: McDonald's, Burger King und das Backhandwerk. Mehr zum Thema Jobs und Karriere lesen in den folgenden Beiträgen: Entscheidungen als Azubi noch genauer durchdenken , Gesunde Job-Aussichten , Möglichkeiten nach der Hotelfachausbildung , Messe zu Ausbildung und Beruf der IHK in Frankfurt, Problemlösungsfähigkeit – als Azubi Probleme mit Skizzen lösen, Mit Bar, Cocktails und Kochkunst Karriere machen