Ideenlosigkeit warfen viele Düsseldorfer in Internetforen der Igedo Company vor, deren Geschäftsleitung erste Details dazu durchblicken ließ, mit welchem Konzept sie gegen abnehmende Besucherzahlen kämpfen wolle. Zuerst in der Fachzeitung Textilwirtschaft und dann auch in der Onlineausgabe der Lokalzeitung Rheinische Post vom 06. Oktober 2011 war zu lesen, dass die Igedo Company als Veranstalterin der bisherigen Modemesse CPD Signature die "The Düsseldorf Gallery" ins Leben ruft und den traditionellen Standort im Stockumer Messegelände aufgibt. Stattdessen soll nun eine Veranstaltung in den renovierten Industriehallen der Böhlerwerke in Düsseldorf-Oberkassel die Einkäufer anlocken. Einen Vorgeschmack, wie die neue Konzeption in der Praxis aussehen wird, soll vom 18. bis 20. Januar 2012 im Rahmen der "The Gallery Berlin" zu sehen sein; mit der CPD Signature Anfang Februar endet dann die über 60 Jahre währende Tradition der Modemesse Düsseldorfs. Doch das birgt enorme Gefahren: So einfach, wie der sonst weitsichtige und ideenreiche Oberbürgermeister Dirk Elbers die Änderungen kommentiert, ist es nicht. Elbers hatte die Idee, den Eurovision Song Contest 2011 nach Düsseldorf zu holen und damit die Popularität seiner sowieso schon nicht unbedeutenden Stadt auf kostengünstige Weise weiter gesteigert. Er befürwortete zum Unverständnis vieler Bürger in der Presse das Konzept der Messe.

Hintergründe zum Aus der CPD

Ein Bild mit hoher Symbolkraft: Ein paar Besucher verlieren sich in den Gängen der Messehalle. Mit diesen Worten untertitelte die Onlineausgabe der Zeitung Rheinische Post am 05. Oktober 2011 ein Foto zum Bericht über bevorstehende, gravierende Änderungen zur CPD. Zurückgehende Buchungen der Aussteller, zurückgehende Besucherzahlen und zu wenig Stimmung; auch diese Kritikpunkte wurden in der Lokalzeitung angeführt. Die Gründe für den Rückgang liegen aber auch in einer besonderen Düsseldorfer Eigenheit, die im Grunde positiv ist: Das Konzept der Messe an 365 Tagen im Jahr – das Geschäft in den über die Stadt verteilten rund 1.000 Showrooms.

Dort, so Klaus Brinkmann von der Initiative Fashion Net im Sommer 2010, werde das Geld verdient, das in Berlin auf den Fashion Days ausgegeben werde. Viele Einkäufer, die die Modemesse in Düsseldorf besuchen, verbinden ihren Aufenthalt mit einer Stippvisite in die Showrooms: Von Modefirmen oder -agenten fest und ganzjährig gemietete Ladenlokale oder Büroetagen, die dem Vertrieb der meist mehrfach im Jahr wechselnden Kollektionen dienen. Diese in Berlin nicht existente Showroom-Kultur hat die Bedeutung des Modestandorts Düsseldorf in den zurückliegenden Jahrzehnten geprägt; doch sie trägt auch eine Mitschuld am Scheitern der Messe.

Showrooms als Sargnägel der Messe

Denn wozu noch einen Messestand buchen oder die Messe besuchen, wenn das Business im Showroom gemacht wird? Aber ohne Messe reist niemand zu den Showrooms, denn die Branche verfügt ja auch über Handelsvertreter, sodass die Showrooms verwaisen werden. Fachleuten ist klar, dass ohne die Anziehungskraft der CPD auch die Bedeutung der markeneigenen Präsentationsräume schwinden wird. Stimmungsvolle Events in den Böhlerwerken werden indes nicht als Ersatz ernst genommen, weil der Besuch einer kleinen und unbekannten Messe keine Spesen rechtfertigen kann, die den Einkäufern durch eine Reise dahin entstehen.

Nach 60 Jahren ruhmreicher Modemesse auf dem Messegelände will das Management der Igedo Company nach eigenen Angaben auf 11.000 Quadratmetern in den renovierten Industriehallen der Böhlerwerke Designer-, Avantgarde- und Accessoires-Kollektionen eine Plattform bieten. Durch eine optimale Infrastruktur sei dieser Standort von allen zentralen Orderplätzen Düsseldorfs aus in wenigen Minuten zu erreichen, so Angaben in der Fachzeitung Textilwirtschaft. Dies ist nach Ansicht von Ortskundigen Bullshit, liegen die Böhlerwerke doch am hinterletzten Rand von Oberkassel; je nach Verkehrslage rund um den Knotenpunkt Seestern so gut wie gar nicht erreichbar. Und der Name "Gallery"? Ohne Bezug zur Mode, könnte auch um Bilder gehen.

Ein Vorgeschmack auf das neue Konzept: Die Gallery Berlin im Januar 2012

In der Berliner Event-Location Café Moskau soll eine Parallelveranstaltung zur Bread & Butter, Premium sowie zur Mercedes-Benz Fashion Week eine Preview auf das neue Konzept bieten und rund 80 Kollektionen vorstellen. Diese Miniparty soll 60 Jahre Messetradition beerben, fragen sich Düsseldorfer? Schon vom 23. bis zum 26. Juli 2011 präsentierte die High-Fashion-Ordermesse Supreme von Aline Schade am Bennigsen-Platz in Düsseldorf allein 300 Kollektionen. Doch auch diese Veranstaltung profitiert von der Anziehungskraft der Messe. Allerdings zieht sie auch Aussteller von der Messe ab. Aber in Look und Feeling setzte sie Maßstäbe, wie die Aussteller gegenüber Suite101.de seinerzeit lobend feststellten, die die Supreme nach Düsseldorf holten.

Dirk Elbers zum Aus der CPD

Oberbürgermeister Dirk Elbers wurde in der Onlineausgabe der Rheinischen Post zum Aus der CPD mit folgenden Worten zitiert: "Wenn es in den Messehallen nicht mehr funktioniert, muss man einen Schnitt machen und etwas Neues probieren." Er habe deswegen Igedo-Chef Philipp Kronen in dem Schritt bestärkt, nach Oberkassel zu gehen und baue darauf, dass auch die Investition des Hauses Gerry Weber in zwei Showroom-Komplexe auf dem früheren Rheinmetall-Areal den Standort stärkt, die als Bekenntnis zum Modestandort Düsseldorf gesehen wird. Ein Düsseldorfer Kommunikationsfachmann sieht das anders: "Die Messe war und ist der Fixpunkt mit festen Daten und Abläufen. Fällt diese weg, verlieren Gerry Webers Räume Zulauf."

Das Verschwinden einer bekannten Marke wie der CPD führt in den Köpfen der Menschen eben auch zur Auffassung, dass es den Standort nicht mehr gibt und er branchenbezogen unbedeutend ist. So wird die Reise nach Düsseldorf gestrichen, immer weniger kommen – und immer weniger besuchen die Showrooms, die dann ebenfalls geschlossen werden. Früher oder später werde die Abnehmerschaft die Geschäfte wieder verstärkt und kostensparend über Handelsvertreter abwickeln. Als einen schweren Kommunikationsfehler stuft der Fachmann die Meldung ein, die das Aus der CPD beinhaltet. Was Dirk Elbers mit dem Eurovision Song Contest erreicht hat, werde von der Messe sabotiert.

Schaden Beamtentum und Ideenlosigkeit dem Messestandort Düsseldorf?

"Käme jemand auf die Idee, den Markennamen Coca-Cola abzuschaffen, nur weil der Absatz der berühmten Brause einmal einbräche?" Wohl kaum, so der Fachmann aus dem Bereich Product Placement, der den Umzug und die Umbenennung durch die Igedo Company als den falschen Schritt von Machern einordnet, die Beobachtern in ihrem Schaffen zu beamtet und eingefahren erscheinen. Coca-Cola würde seiner Auffassung nach eher neue Kreative verpflichten, als den bewährten Namen abzuschaffen. Dass aber selbst Fashion Net e.V. als selbsternannte Einrichtung zur Stärkung des Modestandorts Düsseldorf nicht gegen das Aus der CPD vorgeht, versteht der Fachmann nicht.