Hypnosetherapie: Keine Zauberei - Wissenschaft

Hypnose ist ein wirksames therapeutisches Instrument

Hypnose hilft bei der Rauchentwöhnung, feiert Erfolge in der Therapie der Alkoholkrankheit und ermöglicht den besseren Verlauf von Operationen mit und ohne Anästhesie.

„Das Gehirn ist eine Batterie“, so leitete der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Hypnose, em. Prof. Dr. Giselher Guttmann, die Pressekonferenz anlässlich des 11. Kongresses der Gesellschaft ein, der von 17. bis 21. September 2008 im AKH Wien stattgefunden hat. „Hypnose ist kein Schlafzustand, sie stellt vielmehr eine extreme Fokussierung auf eine kleine Hirnregion dar“, erläuterte Guttmann. Dies konnte mittlerweile auch wissenschaftlich nachgewiesen werden. Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie wurde festgestellt, dass „es unter Hypnose zum isolierten Ein- und Ausschalten der Erregbarkeit umschriebener Gehirnregionen kommt. „Diese „Spot-Aktivierung“ erklärt, warum etwa chirurgische Eingriffe ohne Anästhesie unter Hypnose durchgeführt werden können“, so Guttmann weiter. „Durch Hypnose kann es zu einem konkreten Blockieren der Erregbarkeit bestimmter Hirnareale kommen.“

OP ohne Narkose mit Hilfe von Hypnose

Den praktischen Beweis für diese Behauptung trat der Anästhesist und Intensivmediziner Dr. Helmut Sponring von der Schmerzambulanz im Wiener Wilhelminenspital an. Der Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für ärztliche und zahnärztliche Hypnose berichtete von einer Varizenoperation, die er ausschließlich unter Hypnose an sich selbst durchführen ließ. Nicht zuletzt diese Erfahrung und die intensive Auseinandersetzung mit der Hypnosetherapie ließen in Sponring die Überzeugung reifen, dass „es durchaus vorstellbar ist, jeden operativen Eingriff ohne Anästhesie, lediglich unter Hypnose schmerzfrei durchzuführen.“ Voraussetzung dafür sei allerdings nicht nur ein vertrauensvolles, offenes Verhältnis zwischen Patient und Therapeut. Auch Überzeugungsarbeit müsse noch geleistet werden – vor allem bei den Operateuren.

Bohrer verliert durch Hypnosetherapie Schrecken

Weniger spektakulär, dafür schon deutlich häufiger angewendet, findet die Hypnose in der Zahnbehandlung erfolgreiche Verwendung. Dabei kommt es vielfach nicht zu einer Ausschaltung des Schmerzes, vielmehr erlaubt die Hypnosetherapie dem Patienten, dem Schmerz der Zahnbehandlung gleichgültig gegenüber zu stehen, weil er oder sie sich in dieser Zeit innerlich an einen angenehmen Ort zurück gezogen haben. Wie das funktioniert, berichtete die deutsche Psychologin und anerkannte Hypnoseexpertin Univ.-Prof. Dr. Ulrike Halsband im Rahmen des Hypnosekongresses: „Hypnotische Trance bringt im Gehirn eine Reihe faszinierender Prozesse und Phänomene in Gang“, heißt es in ihrem Vortrag. Die Hypnose führt zu Veränderungen im Gehirn, die mess- und analysierbar sind. Berichtet etwa eine Versuchsperson, dass eine graue Fläche ihr plötzlich bunt erscheint, so ist dies keine Einbildung. Stattdessen zeigten die Neurone im Farbsehzentrum unter Einfluss dieses Bildes tatsächlich eine erhöhte Aktivität.

Schmerzmedikation durch medizinische Hypnose verringert

Dieses Wissen macht sich die medizinische Hypnose auch in anderen Bereichen nutzbar, etwa in der Schmerztherapie bei Migräne oder bei chronischen Schmerzzuständen. Nicht immer kann damit der Schmerz gänzlich „weghypnotisiert“ werden. Es kann allerdings auch schon ein Erfolg sein, wenn weniger Schmerzmedikation notwendig ist.

Trauma bekämpfen durch Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Auch in der Psychotherapie hat sich die Hypnose mittlerweile einen fixen Stellenwert erarbeitet. Sie wird erfolgreich bei Depressionen und Angstzuständen, Burnout und psychosomatischen Erkrankungen eingesetzt. Dabei kommt eine Form der Hypnose, die Eye Movement Desensitization and Reprocessing – kurz EMDR – immer häufiger zur Anwendung. „EMDR hat sich in den vergangenen 15 Jahren weltweit zu einer der effektivsten Verfahren in der Behandlung von Traumafolgestörungen entwickelt“, berichteten Dr. Sylvia Wintersberger und Mag. Eva Münker-Kramer vom EMDR Netzwerk Österreich im Rahmen der Pressekonferenz. Mit Hilfe von EMDR werden eingefahrene Muster in Gang gebracht und neu geordnet. Dies ermöglicht die Behandlung von Erfahrungen, die ein Trauma ausgelöst haben, in einem sicheren und angstfreien Umfeld. Ist die Behandlung erfolgreich, können die traumatisierenden Erfahrungen abgelegt werden.

Strenge Kriterien der EMDR-Behandlung

Das Verfahren ist nicht ungefährlich. EMDR unterliegt – nach Auskunft von Kramer und Winterberger – strengen Qualitätskriterien. Die Anwender werden regelmäßig durch nationale und internationale Fachgesellschaften überprüft. Dies ist auch notwendig, wie Sylvia Winterberger erläutert: „Die Patienten haben um die Erlebnisse, die sich belasten, viele Barrieren aufgebaut. Werden zu viele dieser Barrieren zu plötzlich eingerissen, kommt es zu einer erneuten Traumatisierung.“ Die Ausbildungskriterien für EMDR sind streng, die praktische Anwendung ist wissenschaftlich fundiert. Dies wurde im März 2005 vom National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) bestätigt. NICE empfiehlt EMDR als Regelversorgung für PatientInnen mit Posttraumatischem Belastungssyndrom.

Hypnose gegen Süchte

Nicht nur Schmerzen, Traumata und Depressionen lassen sich mittels Hypnose heute bereits ausgezeichnet behandeln. Auch in der Therapie der Alkoholkrankheit erobert sich dieses therapeutische Verfahren einen immer größeren Stellenwert. Die Typologie der Alkoholkranken nach Otto M. Lesch verbesserte die Indikation für den erfolgreichen Einsatz von Hypnose in der Therapie der Alkoholkrankheit. Denn nicht jeder Alkoholkranke spricht in gleicher Weise auf die Behandlung mit Hypnose an.

„Wir stehen in der Behandlung der Alkoholkrankheit dort, wo man in der TBC-Therapie bei Einführung des Vibramycin war“, hielt Prof. Dr. Otto-Michael Lesch im Rahmen der Pressekonferenz fest. „Die spezialisierten Kliniken für Suchtkranke bieten den guten Hintergrund für die Therapie, aber jetzt benötigen wir spezifische, typenbezogene Behandlung.“ In der von Lesch entwickelten Typologie der Alkoholabhängigkeit zeigt sich, dass Hypnose vor allem bei Typ II- und III-Alkoholkranken wirksam ist. Die Erfolgsraten einer Hypnosetherapie bei Alkoholkranken sind – je nach Typus – erstaunlich hoch und reichen bis zu achtzig Prozent.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Sabine Fisch, Lizenzfrei

Sabine Fisch - Ich bin mit Leib und Seele Medizinjournalistin. Ich schreibe, spreche Beiträge und moderiere Medizinveranstaltungen. Ich bin 38 Jahre ...

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