Ken Follets "Eisfieber" verfilmt

Das ZDF zeigt den Event Zweiteiler Ende Januar 2010

Der Bedarf an spannenden Stoffen für das Fernsehen ist groß. Fündig wird man in erster Linie im Bücherregal. Jetzt hat man die Romane Ken Folletts entdeckt.

Der Bedarf an spannenden Stoffen für TV-Eventproduktionen reißt nicht ab. Nach den Verfilmungen von Romanen des schwedischen Autors Henning Mankell oder der Millenium-Trilogie von Stieg Larsson (zur Zeit im Kino) hat sich die ZDF-eigene Produktionsfirma Network Movie einen weiteren Bestseller-Autor an Lande gezogen: Ken Follett. Mit der Verfilmung von „Eisfieber“ ist es dem ZDF gelungen Erster in einer Reihe von Follett-Adaptionen für das Fernsehen sein.

Erst jetzt werden Ken Follett-Romane für das Fernsehen verfilmt

Von Ken Follett, der seit Veröffentlichung des „Die Säulen der Erde“-Sequels „Die Tore der Welt“ Ende 2007 wieder in aller Munde ist, sind bisher nur fünf Stoffe verfilmt worden. Prominenteste Beispiele sind 1980 „Die Nadel“ für das Kino und zuletzt 1997 „Der dritte Zwilling“ für das Fernsehen. Während „Die Säulen der Erde“ gerade als achtstündige, internationale Koproduktion unter Beteiligung von ProSiebenSat.1 entsteht, ist der von Peter Keglevic inszenierte und von Olaf Kraemer, Federica Pontremoli und Beatrix Christian geschriebenen „Eisfieber“ eine „kleine“ internationale Produktion von Constantin Television, Network Movies, der italienischen Palomar mit RTI/Mediaset, ZDF Enterprises und dem ZDF mit vorwiegend deutschem Cast und deutscher Sprache. Synchronisationsbedarf gibt es nur bei den italienischen Schauspielern, die ebenfalls in ihrer Sprache agieren.

Eisfieber“ entsteht für den internationalen Markt

Für die (Re-)Finanzierung dieses circa sieben Millionen Euro teuren Zweiteilers sei der internationale Markt unabdingbar, erzählt Network Movie-Produzent Peter Nadermann. Da ist es schon mal ein guter Start mit Palomar einen internationalen Koproduzenten an Bord zu haben, der einen Teil des notwendigen Kleingeldes mitbringt. „Schließlich ist der Film große Unterhaltung, die auch wie ein großer Event-Film aussehen soll“, sagt Peter Nadermann zu den visuellen Dimensionen der Produktion. Aber auch auf den heimischen Auftraggeber ist Verlass. Für ein Ereignis wie Ken Follett macht das ZDF „die Schatulle schon mal etwas weiter auf“, so die verantwortliche ZDF-Redakteurin Birte Dronsek. Allerdings muss man diese Aussage ins Verhältnis setzen, denn ihre Redaktion hat einen festen Jahresetat. Das bedeutet: entweder bekommen andere Produzenten für ihre ZDF-Fernsehfilme weniger Geld oder aber es werden ein, zwei Filme weniger gemacht.

Weitere Follett-Verfilmungen in der Pipeline

Die Rechte an „Eisfieber“ wurden gemeinsam von Constantin Television und Network Movies erworben; ausführender Produzent der Verfilmung ist Constantin. Die Firma bringt damit ihre internationale Produktionserfahrung aus Drehs in über 40 Ländern ein. Nach „Eisfieber“, Folletts vorletztem Roman, wird der 1994 erschienene „Die Pfeiler der Macht“ ebenfalls als Network Movie/Constantin Television-Produktion umgesetzt. Network Movies hat zudem eine Option auf vier weitere Follett-Romane erhoben. Die Titel sind noch nicht bestimmt und können aus einem größeren Paket ausgewählt werden. Einem klaren Parameter unterliegt die Auswahl jedoch: den Gegenwartsbezug. Dies verbindet auch die beiden bereits in Angriff genommenen Romanverfilmungen. In „Eisfieber“ geht es um die Gefahren von Viren durch Terrorismus; in „Die Pfeiler der Macht“ um den Aufstieg und Fall einer englischen Bankiersfamilie im 19. Jahrhundert. Birte Dronsek charakterisiert „Eisfieber“ nicht nur als Thriller, sondern auch als Familiendrama und Geschichte einer starken Frau.

Schauplatz: Schottland; Drehorte: Schottland und Berlin

Gedreht wurde der in Schottland in der Weihnachtsnacht spielende „Eisfieber“ bis Anfang Juli 2009 an 28 Tagen vor Ort und an 25 in Berlin. In der Nähe von Melrose, circa 70 Kilometer südlich von Edinburgh, wurden die Außenmotive mit auf Zellulose basierenden und daher mit Wasser zu entfernenden Kunstschnee der Firma Snow Business eingeschneit. In Berlin wurden alle Innenszenen in einer geräumigen Villa gedreht. Dafür wurden Einbauten vorgenommen, die nicht nur den schottischen Herrensitz der Familie Oxenford simulierten. Unter dem Dach – die sichtbaren Stützbalken nutzend – wurde auch das heimelige Cottage eingebaut und vor dem Wohnzimmerfenster entstand in einem Dunkelzelt eine Schneelandschaft inklusive Windmaschine für den Sturm. Gedreht wurde von Kameramann Theo Bierkens mit „bewegter Kamera“ (Keglevic) auf Super16. HD war aufgrund des Beleuchtungsaufwands bei diesem fast nur Nachts spielenden Films keine Option, wie Peter Keglevic betont, auch wenn sich dies aufgrund der zahlreichen Visual Effects angeboten hätte.

Gute Ideen für Event-Filme sind selten – und daher gesucht

Für Constantin Television ist „Eisfieber“ der Auftakt auch im Event-Bereich tätig zu werden. Für das ZDF unterstreicht der Film die Hinwendung zu Gegenwarts- und Umweltstoffen. Einer der nächsten Projekte wird der Öko-Thriller „Das Geheimnis der Wale“ sein, eine Geschichte, die lose auf dem gleichnamigen Buch basiert. Auf die Frage, warum die großen Events immer Literaturverfilmungen sind, meint Birte Dronsek: „Wir würden auch Originalstoffe nehmen – immerhin ist unser größter Erfolg ‚Dresden’ einer gewesen – aber hier gibt es kaum Angebote. Grundvoraussetzung ist immer, dass der Stoff umsetz- und finanzierbar ist und seinen Fokus auf die Gegenwart legt.“

„Eisfieber“ wird Ende Januar 2010 ausgestrahlt. Die Ausstrahlung von „Die Pfeiler der Macht“ ist für das Jahr drauf geplant.

Kurzinhalt „Eisfieber“:

"Im Forschungslabor von Oxenford Bio Lab in der Nähe von Edinburgh gilt die höchste Sicherheitsstufe. Hier wird nach einem Antivirus gegen das tödliche Madoba-2-Virus geforscht, eine Ebola-Art. Firmengründer Stanley Oxenford hat sein ganzes Vermögen in das Projekt investiert. Zum Leidwesen seiner Töchter Miranda und Olga und seines Sohnes Kit, die um ihr Erbe fürchten, zeigt er Interesse an der schönen Sicherheitschefin der Firma, Antonia Gallo. Am Tag vor Weihnachten geschieht das Unvorstellbare: Skrupellose Verbrecher verschaffen sich Zutritt zum Hochsicherheitstrakt und stehlen das tödliche Virus. Doch dann führt ein Schneesturm ungeahnten Ausmaßes alle Beteiligten in das einsame Landhaus der Familie Oxenford. Abgeschnitten von der Außenwelt kommt es dort zum Eklat innerhalb der Familie und zu einem Kampf auf Leben und Tod." (Quelle: ZDF-Presseheft „Ken Folletts Eisfieber“)

Ausstrahlungsdaten:

Montag, 25. Januar 2010, 20.15 Uhr

Mittwoch, 27. Januar 2010, 20.15 Uhr

der Zweiteiler ist im Anschluss als DVD erhältlich

Stab:

Drehbuch: Beatrix Christian, Olaf Kraemer, Federica Pontremoli nach dem Roman von Ken Follett

Regie: Peter Keglevic

Kamera: Theo Bierkens

Szenenbild: Martin Schreiber

Schnitt: Barbara von Weitershausen, Moune Barius

Musik: Jacob Groth

Produktionsleitung: Ute Schnelting

Herstellungsleitung: Christine Rothe

Produzenten: Peter Nadermann (Network Movie), Wolfgang Cimera (Network Movie), Kerstin Schmidbauer (Constantin Television), Robin von der Leyen (Constantin Television)

Co-Produzent: Carlo degli Esposti (Palomar)

Weltvertrieb: ZDFEnterprises

Producer: Sigrid Strohmann, Manya Lutz

Redaktion: Birte Dronsek, Thorsten Ritsch

Länge: 2 x 90 Min.

Koproduktion von ZDF, Network Movie, Constantin Television, Palomar und RTI/Mediaset

Die Rollen und ihre Darsteller:

Stanley Oxenford: Heiner Lauterbach

Antonia Gallo: Isabella Ferrari

Kit: Tom Schilling

Nigel: Matthias Brandt

Olga: Sophie von Kessel

Miranda: Katharina Wackernagel

Daisy: Anneke Kim Sarnau

Elton: Bülent Sharif

Steve: Janek Rieke

Harry Mac: Huub Stapel

Frank: Martin Lindow

Ned: Arndt Klawitter

Hugo: Massimo Poggio

u.a.

Thomas Steiger, Sabine Felber

Thomas Steiger - Seit Mitte der 80er Jahre schreibe ich über Film und Fernsehen. Erst Filmbesprechungen, dann über die Hintergründe der ...

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