
- Kerntechnischer Hilfsdienst für AKW Fukushima? - António Duarte/photoxpress.com
Die Katastrophe in Japan mit dem schwersten in der Geschichte des Landes jemals gemessenen Erdbeben (Stärke: 9.0), einem Tsunami, etlichen Nachbeben, dem drohenden GAU im Atomkraftwerk Fukushima und der Möglichkeit, dass ein weites Areal stark radioaktiv verstrahlt werden könnte, hält Japan auch an Tag zwölf nach dem Unglück fest in seinem unerbittlichen Würgegriff. Hilfe könnte einem Bericht im ZDF Morgenmagazin vom 23. März 2011 zufolge nun aus der Nähe von Karlsruhe kommen: In Eggenstein-Leopoldshafen hat die Kerntechnische Hilfsdienst GmbH ihren Sitz.
Katastrophe in Japan: Wettlauf mit der Zeit im AKW Fukushima
Wie gebannt schaut die Welt vor allem auf den Wettlauf mit der Zeit, der in einem der ehemals leistungsstärksten Reaktorkomplexe ausgebrochen ist, aus dem nicht nur immer wieder Explosionen und aufsteigender Rauch aus den Meilern, sondern auch erhöhte Strahlungswerte gemeldet werden. Es kommen Erinnerungen an den Störfall in Tschernobyl 1986 hoch, die bis dato heftigste nukleare Havarie mit katastrophalen Folgen. Denn noch immer ist auch die Lage in Fukushima äußerst bedrohlich, hat das "Ringen mit den Reaktoren", wie es ein japanischer Nuklearexperte laut Focus Online ausgedrückt haben soll, nicht einmal ansatzweise ein Ende. Erst jüngst war das gesamte Atomkraftwerk laut Medienberichten aufgrund zu hoher Strahlungswerte erneut evakuiert worden.
Möglicher Einsatz der Kerntechnischen Hilfsdienst GmbH in Japan?
Nun überlegt auch die Kerntechnische Hilfsdienst GmbH mit Sitz in Eggenstein-Leopoldshafen bei Karlsruhe, ob und wie man am besten mit schwerem Gerät in Japan helfen könnte, wie der Geschäftsführer Walter Sturz in einem vom ZDF Morgenmagazin am 23. März 2011 gesendeten Interview erklärte. Das Unternehmen verfügt über zahlreiche funkgesteuerte Inspektionsfahrzeuge bis hin zu einem 22 Tonnen schweren funkgesteuerten Bagger, dessen Technik in einem extra bleiummantelten Gehäuse steckt und aus einem Kilometer Entfernung gelenkt werden kann. So sei zu überlegen, ob man Einsatzkräfte aus Japan einfliegen lässt, um sie vor Ort auf dem Areal der KHG zu schulen – erst nach der Einweisung könne das Gerät verschickt werden, mit dem man schließlich auch umgehen können muss. Ein Vorgehen übrigens, das schon bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 zum Einsatz gekommen sei, so Sturz.
Kerntechnischer Hilfsdienst (KHG): Aufgabengebiete in Deutschland
Normalerweise ist die KHG mit ihren rund zwei Dutzend speziell ausgebildeten Stamm-Mitarbeitern in Deutschland tätig. Diese stehen laut Webseite des Kerntechnischen Hilfsdienstes in ständiger Rufbereitschaft. Zudem verpflichten sie sich bei Stör- und Unfällen in deutschen AKWs, bei der Schadensbekämpfung quer bei Fuß zu stehen, wie Walter Sturz dem ZDF gegenüber erklärte. Zusätzlich kann weiteres Personal angefordert werden. Als Aufgabengebiete weist die KHG unter anderem Strahlenschutz nebst Überwachung und Dekontamination, Inspektionen, Arbeit an Orten höchster Strahlung mit funkgesteuerten Gerätschaften sowie das Bergen von radioaktivem Material aus.
Das Unternehmen mit Sitz nahe Karlsruhe wurde 1977 gegründet, auch um der Anti-Atomkraftbewegung seinerzeit etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen. Zu den Anteilseignern und Gesellschaftern gehören Energiekonzerne, die als Betreiber der deutschen Atomkraftwerke fungieren, sowie kerntechnische Unternehmen und Forschungseinrichtungen.
Quellen:
ZDF Morgenmagazin 23.3.2011;
Artikel Fokus Online "AKW Fukushima. Kühlung ist jetzt alles" vom 23.3.2011;
Spiegel Online Themenspecial: "Katastrophe in Japan";
Webseite Kerntechnische Hilfsdienst GmbH;
Webseite Informationskreis KernEnergie;
Webseite Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm e.V., Eintrag: "Die Spezialkräfte im nationalen ABC-Einsatzkonzept"
