
- Khaled Hosseini - A Thousand Splendid Suns - Simon & Schuster
Wer dem Schicksal von Hassan und Amir im Bestseller "Der Drachenläufer" oder in der Verfilmung gefolgt ist, den wird auch Khaled Hosseinis zweiter Roman nicht kalt lassen. Schauplatz der Geschichte ist ebenfalls Afghanistan, diesmal aber begleiten die Leser und Leserinnen zwei Frauen und deren Schicksal in einem von Krieg zerrütteten Land.
Zwei Frauenschicksale - eine Geschichte
Hosseini lässt seine Leserschaft zuerst langsam an der Geschichte der jungen Mariam teilhaben, die schon jung ihre Mutter verliert und von ihrem reichen, aber nicht legitimen Vater an einen sehr viel älteren Mann verheiratet wird. Dies alleine reicht für westliche Verhältnisse schon aus, um eine Tragödie zu schreiben. Doch Mariams Leben wird von der Zwangsheirat an nur noch komplizierter und schwieriger. In emotional tristen Verhältnissen verlebt sie die Jahre an der Seite ihres lieblosen Gatten und nur der Wunsch nach einem eigenen Kind, das sie lieben und von dem sie geliebt werden kann, hält sie noch am Leben. Doch auch dieses Glück scheint ihr verwährt...
Geschickt springt Hosseini dann in das Leben einer ganz anderen Person. Laila, halb so alt wie Mariam, lebt nicht nur seit ihrer Kindheit in Kabul, sondern hat auch das Glück, Tochter liebender Eltern zu sein und einen besten Freund zu haben, den man aus Bilderbüchern kennt. Dass er nur noch ein Bein hat, hält die junge, leidenschaftliche Laila nicht davon ab, sich unsterblich in ihn zu verlieben.
Als jedoch der Krieg ausbricht und sich die politischen Gruppen gegenseitig bekämpfen, ändert sich auch Lailas Leben schlagartig und für immer.
Ein Drama jagt das andere
Das Laila und Mariams Leben schon bald untrennbar miteinander verschmelzen sollen, gefällt keiner der beiden Frauen so wirklich. Doch Mariam muss es einsehen, ihr Mann heiratet zusätzlich das blutjunge Mädchen, dem scheinbar nichts geblieben ist.
In dieser seltsamen Dreierbeziehung leben sie nun einige Jahre, es werden Kinder geboren und der Krieg wütet weiter. Bis eines Tages ein Entschluss gefasst wird...
Hosseini gelingt es in seinem zweiten Roman sogar noch besser, die Grauen des Krieges und der Taliban einzufangen und aufs Papier zu bannen. Als westlicher Leser steht einem oft der Mund offen bei den "Regeln", an die sich vor allem Frauen zu halten haben. Dass ohne Burka und männliche Begleitung niemand auf die Straße darf, ist relativ bekannt. Dass aber Lachen, Singen oder sprechen ohne vorher etwas gefragt worden zu sein, ebenso mit Peitschenhieben und Hausarrest strafbar ist, ist beinahe noch schockierender.
Ein Schriftsteller, der mit seinem Werk wächst
Hosseini tut ein ziemliches Wagnis damit, 100 Seiten einem Charakter und die nächsten 50 ausschließlich einem anderen zu widmen. Doch was vielen anderen Autorin vielleicht misslungen wäre, glückt Hosseini sehr gut. Wie zwei Geschichten sich langsam aber sicher zu einer, größeren, verweben, fällt weder den Charakteren selbst, noch den Lesern bewusst auf. Bis man plötzlich am Ende angelangt ist und sich darüber bewusst wird, dass Mariam und Laila nicht mehr Mariam und Laila sind, sondern eine Familie.
Zum Weinen gibt es auch dieses Mal - ganz wie im Drachenläufer - genug Gelegenheit. Wenn einem nicht die Grausamkeiten des Kriegsalltags die Tränen in die Augen treiben, so wird es mit Sicherheit das Ende tun, das schön abgerundet und weniger verkrampft dramatisch wirkt als das des Drachenläufers.
Eine tolle Buchempfehlung für alle, die im "Drachenläufer" die Frauen vermisst haben oder die etwas über Afghanistan lernen wollen. Oder auch für solche, die sich einfach gerne von einer gut geschriebenen Geschichte mitreißen und in eine völlig fremde, und doch reale, Welt entführen lassen möchten. Für weitere Informationen, Interviews und Videos, steht die Homepage des Autors zur Verfügung.
Khaled Hosseini: A Thousand Splendid Suns. Bloomsbury 2008. Paperback, 432 Seiten. Euro 6,80
Khaled Hosseini: Tausend strahlende Sonnen. Berlin Verlag 2009. Taschenbuch, 384. Euro 10,90
