KI-Einsatz im Gesundheitssektor

Krankenhäuser setzen verstärkt auf Informationstechnik

Krankenhäuser sind ein riesiger Markt für Künstliche Intelligenz und Informationstechnik. Eine Studie beschreibt die Möglichkeiten des Einsatzes im Future Hospital.

Ohne Informationstechnik (IT) geht in modernen Krankenhäusern nichts mehr. Und in Zukunft wird IT das so genannte Future Hospital noch stärker prägen als wir es heute gewohnt sind. Wissenschaftler des Forschungsprojekts für aktuelle und zukunftsorientierte Informations- und Medientechnologie und deren Nutzung in Baden-Württemberg (Fazit) haben die möglichen Entwicklungen unter dem Titel „Zukünftige Informationstechnologie für den Gesundheitsbereich“ der kommenden 15 Jahre untersucht. Die Studie wurde von der Stiftung Baden-Württemberg in Stuttgart, dem Zentrum für angewandte Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim sowie dem Karlsruher Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) herausgegeben.

Technikoffensive im Krankenhaus

Alle Zeichen deuten demnach auf eine Technikoffensive in der Gesundheitsbranche, in der die Künstliche Intelligenz (KI) verstärkt Einzug halten wird. „Für neue Märkte im Bereich IKT-basierter Gesundheitsanwendungen sind Themen wie Proteomics, Telemonitoring, Expertensysteme und -datenbanken, Spracheingabe für Dokumentationstätigkeiten oder Datenzugriff von überall aus besonders interessant“, heißt es in der Studie, für die mehr als 200 Experten aus Unternehmen, Verbänden, wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen, Institutionen des Gesundheitswesens sowie Vereinen hinsichtlich der Wichtigkeit, Realisierbarkeit und Wünschbarkeit des IT-Einsatzes befragt wurden. Neue Märkte für die Informationstechnik bei Gesundheitsanwendungen sehen die Experten besonders bei Sensorik, Spracherkennung, Datenbanken, virtuelle Realität und Simulationen, Radio Frequency Identification (RFID) sowie neuen Systemen für Planung und Management. Gleichwohl seien je nach Sachgebiet unterschiedlich lange Realisierungsphasen zu erwarten.

Spracherkennung im OP?

Kostensenkend und zeitsparend werde sich zum Beispiel die Spracherkennung auswirken, und das nicht nur bei Dokumentationstätigkeiten. So könnten Chirurgen bald schon während einer Operation nur durch ihre Sprache Geräte sicher navigieren. „Aber eine Genauigkeit, wie sie für die Navigation von Geräten im OP notwendig ist, zu erreichen, ist technisch sehr schwierig. Trotzdem sagen 90 Prozent der Antwortenden, sie wird noch vor 2020 so genau sein können“, heißt es in dem Report. Experten bestätigen diese Ansicht: Für Axel Freyberg vom Beratungshaus A.T. Kearney besteht laut Handelsblatt das Potenzial der Spracherkennung vor allem „bei solchen Tätigkeiten, für die Nutzer die Hände frei haben müssen - Autofahrer oder operierende Ärzte etwa.“

Software ersetzt Tonbanddikate

98 Prozent der Befragten halten den Einsatz von Sprachtechnik für Dokumentationsarbeiten für wünschenswert und in absehbarer Zeit realisierbar. „Administrative Aufgaben machen im Krankenhaus einen großen Teil der Arbeit aus. Wenn diese routinemäßig durch Spracheingabe erledigt werden können, wäre dies eine große Entlastung für Ärzte und Pflegepersonal“, so die Begründung. „Moderne Diktiersoftware ersetzt zum Beispiel das aufwendige Abtippen von Tonbanddiktaten über Krankheitsbilder oder Visiten“, so die Markterfahrung des Berliner Sprachdialogexperten Lupo Pape, Geschäftsführer des mehrfachen Voice Award-Gewinners SemanticEdge. Für ihn ist die Sprachtechnik aber zudem ein geeignetes Mittel, mit dem Krankenkassen ihre telefonische Services verbessern könnten: „Standardprozesse wie Adressdaten- und Bankverbindungsänderung oder die Identifizierung eines Anrufers über die Eingabe der Kundennummer könnten hier ohne Wartezeit und rund um die Uhr abgearbeitet werden“, so Pape.

Andreas Schultheis - Andreas Schultheis, Jahrgang 1974, war nach dem Studium der Politik- und Medienwissenschaft wissenschaftlicher Mitarbeiter einer ...

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