
- Natur pur im Garten - Nina Hawranke
Mit dem Vordringen der ostasiatischen Kunst in die westliche Gartengestaltung hat neben Bonsai, Pagode & Co. vor allem auch der Kiesgarten bei uns Einzug gehalten. Er besticht durch Schlichtheit, Eleganz und harmonische Proportionen und ist damit Sinnbild für Einkehr, meditative Versenkung und Entspannung zugleich. Doch obwohl er optisch durchaus ein Juwel darstellt, ist er aus ökologischer Sicht nicht unbedingt vorteilhaft. Denn: Ein sorgfältig gehegter Kiesgarten ist in punkto Artenvielfalt in Pflanzen- und Tierreich eine Ödnis. Noch extremer ist der japanische Steingarten gestaltet – in ihm wird die Vegetation mittels Felsen, Sand und Kies nachgeahmt; Pflanzen sind hier, bis auf Moos, nicht vorgesehen.
Auch Kies- und Steingärten kommen nicht ohne Pflege aus
So mancher entscheidet sich für einen Kies- oder Steingarten, weil er meint, dass dieser aufgrund des spärlichen oder fehlenden Bewuchses besonders pflegeleicht sei. Zwar fällt im Sommer das allwöchentliche Rasenmähen weg, aber wer glaubt, dass auch das lästige Jäten mit dem Kiesgrund ein Ende hätte, der hat sich leider getäuscht. Im Gegenteil – ein Kiesgarten muss regelmäßig von Wildkräutern befreit werden. Auch ein entsprechend vorbereiteter Untergrund, der im Vorfeld von allen tief wurzelnden Wildkräutern befreit und dann gewalzt wurde, schützt nicht vor der Ansiedlung unerwünschter Pflanzen. Samen, Staub und anderes organisches Material wie Blätter gelangen durch die Luft auf das Areal und lassen den Kies mit der Zeit vererden, sofern dieser nicht regelmäßig geharkt werden.
Eingeschränkte Vielfalt durch Kiesflächen
Als hübscher Hingucker und Accessoire ist gegen japanische Stein- und Kiesgärten nichts einzuwenden. Aber wer dem ökologischen Aspekt in seinem Garten Rechnung tragen möchte, der sollte einen derart gestalteten Bereich auf eine Teilfläche des Gesamtareals beschränken. Oder anders ausgedrückt: Sorgen Sie immer auch für Grün, damit Sie Insekten, Vögeln und anderen Tieren einen Lebensraum bieten.
Blumenmix und Wildkräuter – der Naturgarten gibt sich mannigfaltig
Zugegeben, auch der deutsche Durchschnittsgarten mit seiner sauber gestutzten Rasenfläche und den durchgeplanten Blumenbeeten lässt es oft an Vielfalt mangeln. Eine Alternative dazu bietet der Naturgarten, der sich am großen Freilandgarten jenseits von Zaun und Zivilisation orientiert und, richtig geplant, ein Stück domestizierte Wildnis darstellt, die ein wahres Paradies für gerade die Tierarten darstellt, die in der freien Natur zunehmend unter Platzmangel leiden. Ein Naturgarten sollte sich vorwiegend aus der heimischen Vegetation bedienen, um den natürlichen Lebensraum gefährdeter Tierarten zu imitieren.
Naturgärten – „Unkraut“ erwünscht
Naturgärten sind bunt, duften nach Kräutern und einer Vielzahl an Wildblumen, summen und brummen vor Leben und sind immer auch ein wenig chaotisch. Das macht ihren Reiz aus – sie sind Natur hautnah, direkt vor der Terrasse. Auch Naturgärten benötigen allerdings, so paradox es klingt, regelmäßige Pflege. Wie genau diese aussieht, ist nicht mit einem Patentrezept zu beschreiben, denn jeder naturnahe Garten ist einzigartig und braucht dementsprechend eine individuelle Hege.
Dreh- und Angelpunkt eines Naturgartens ist sicherlich die Wildkräuterwiese, in der Vielfalt höchst willkommen ist und die ein-, höchstens zweimal im Jahr gemäht wird. Ein „junger“ Naturgarten braucht etwa drei Jahre lang eine intensivere Betreuung. Neupflanzungen müssen gewässert und schnell wachsende Pflanzen so kurz gehalten werden, dass sie langsam wachsende nicht überwuchern. Verblühte Stauden werden im Frühjahr gekappt, um das erneute Ausschlagen zu begünstigen. Alles in allem begnügt sich ein naturnaher Garten im Jahr mit drei bis vier Arbeitsdurchgängen – und belohnt dafür mit einem einzigartigen Naturerlebnis.
Das Biotop vor der Terrasse – aktiver Naturschutz
Die Vielfalt eines Naturgartens ergibt sich vor allem aus dem Zusammenspiel verschiedener Lebensräume: Trocken- und Feuchtbereiche, Wildpflanzenbeete, Baumgruppen als Schattenspender, Todholzhaufen und eine Wildgehölzhecke, die einen schützenden Rahmen um das hauseigene Biotop zieht, gehören zu einem gut geplanten Naturgarten dazu. Variationsreich und vielgestaltig ist die einzige Regel, die in punkto Planung eines Naturgartens gilt. Ansonsten sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt – wenn diese sich auch an die grundlegenden Vorgaben von Mutter Natur und ihrem natürlichen Repertoire halten sollte. Somit scheiden alle Exoten unter den Pflanzen aus. Das muss keineswegs langweilig sein – über 3.000 Wildpflanzenarten finden sich im mitteleuropäischen Raum. Eine reichhaltige Palette also, die Raum genug für individuelle Vorstellungen lässt – mit denen gleichzeitig Naturschutz gelebt wird.
