Kik-Discounter

KiK-Filiale in Hamburg - Julia Strelow
KiK-Filiale in Hamburg - Julia Strelow
Nach Dumpinglöhnen und Ausbeutung von Billigkräften geht es nunmehr um heimliche Abfrage von Mitarbeiterdaten

"Im internen Umgang sind Vertrauen, Fairness, Wertschätzung und Offenheit Grundlage unseres Handelns. Sie bilden für das interne Miteinander ebenso die Grundlage wie für den Auftritt im Markt und in der Öffentlichkeit. Kontinuierlicher Informationsaustausch, Teamarbeit sowie Eigeninitiative und verantwortliches Handeln jeder/s Einzelnen kennzeichnen unsere Arbeitsatmosphäre. Wir legen Wert auf sichere und attraktive Arbeitsplätze und gute Arbeitsbedingungen."

Diese wohlklingenden Worte sind auf der Homepage des Discounters Kik zu lesen. Worte, die nicht nur den Mitarbeitern wie Hohn in den Ohren klingen. Als vertrauliche und faire Maßnahme dürfte die Abfrage von über 49.000 Mitarbeiterdaten bei der Auskunftei Creditreform nicht unbedingt gesehen werden.

Umgang mit Mitarbeitern

Der medienscheue Gründer des Unternehmens, Stefan Heinig, gab im September 2007 der Zeitung "Welt" sein erstes Interview überhaupt. Dort mit der Tatsache konfrontiert, dass den Aushilfen (die damals 50 Prozent der Belegschaft stellten), die in seinem Unternehmen arbeiten, Löhne unter fünf Euro gezahlt werden, verwies er auf die regionale Unterschiedlichkeit der Lohnzahlungen. Außerdem glaube er nicht, dass 50 Cent mehr motivierend wären. Denn: "Wir motivieren mit einem sehr guten Betriebsklima [...] unsere Mitarbeiter haben einen absolut sicheren Arbeitsplatz."

Wie heute bekannt ist, trifft das anscheinend höchstens auf Mitarbeiter zu, die nicht verschuldet sind. Nachdem im vergangenen Jahr bekannt geworden war, dass Kik bereits in den Jahren 2008 und 2009 massenhaft Creditreform-Auskünfte über seine Angestellten eingeholt hatte, ermittelte die Staatsanwaltschaft Dortmund. Da jedoch nicht bewiesen werden konnte, dass dies zum Zwecke der systematischen Aussiebung von Mitarbeitern veranlasst worden war, musste das Verfahren eingestellt werden.

Dies könnte sich jetzt ändern. Durch die Aussage eines mutigen ehemaligen Bezirksleiters im TV-Magazin Panorama kam nun heraus, dass diese Absicht sehr wohl ursächlich war. So berichtet er, dass Kik sich von jedem Mitarbeiter trennen wollte, der "eine "Eidesstattliche Versicherung" oder eine "Haftandrohung" hatteWenn er als Bezirksleiter diese schriftliche Anweisung der Zentrale nicht befolgt hätte, wäre er zukünftig für mögliche Fehlverhalten seiner Mitarbeiter haftbar gemacht worden, dies konnte er natürlich nicht verantworten. Da ihm verboten wurde, den wahren Grund für die Trennung zu sagen, hätte er "sich etwas aus den Fingern saugen müssen." Viele Mitarbeiterinnen hätten geweint, da sie sich das Ganze nicht erklären konnten. Kik erklärte gegenüber "Panorama", dass man seit 2009 mit keiner Wirtschaftsauskunftei mehr zusammenarbeiten würde.

Bloß keinen Betriebsrat

Konsequenterweise (wenn man sich die inoffizielle Firmenpolitik ansieht) wurde bisher jede Gründung eines Betriebsrates bei Kik verhindert. Während bislang zum Beispiel beim Konkurrenten "Lidl" einige mutige Mitarbeiter zumindest in ein paar Filialen Betriebsräte gründen konnten, ist dies bisher nur im Logistikbereich in Bönen gelungen. Mit tatkräftiger Unterstützung der Gewerkschaft "Verdi" wurde im Juni 2009 nach knapp zweijährigem Nervenkrieg der bislang einzige Betriebsrat in dem gut 2.500 Filialen zählenden Unternehmen gegründet.

"Besser als wie man denkt" - Frau Pooth wirbt

Nun ist es ja jedem selbst überlassen, mit welch moralischen Grundsätzen man sich für viel Geld zum Gesicht einer Firma macht. Aber ein "Geschmäckle" hat es schon, dass eine Frau, die sich als Botschafterin für "Ein Herz für Kinder" einsetzt, ihr Gesicht und ihren Namen für einen Discounter hergibt, der unter anderem deshalb am Pranger stand (steht?), weil er auch Kinder unter menschenunwürdigen Bedingungen im Ausland arbeiten ließ. Darauf angesprochen, antwortete sie dem Reporter: "Kik produziert weltweit. Ich sitze ja nicht im Vorstand und weiß deshalb keine Details."

Julia Strelow, Stephan Wallocha

Julia Strelow - Autorin der Bücher: "Ratgeber Nachhilfe - Informationen, Adressen, Berichte" sowie "Jetzt sind wir dran?! - Frauen in der ...

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