
- EHEC: Plasmabehandlung von Feldsalat im Labor - Agrartechnik Potsdam-Bornim (ATB)
Sie sind flink wie Bakterien und teilen sich unter optimalen Bedingungen alle 20 Minuten, sie sind zäh wie Darmbakterien und trotzen der Magensäure unseres Magens, und sie sind hart wie kältetolerante Krankheitserreger – zu allem Überdruss bilden die biofilmbildenden Bakterienbastarde aus EHEC und EAEC auch noch Biofilme im Überfluss, auf Keimlingen, Pflanzenblättern und Bockshornklee-Sprossen: Doch jetzt packen deutsche Wissenschaftler ihre Plasma-Strahlenkanonen aus und versetzen mit kalten Plasma den EHEC-Erregern den kalten Graus: "In unseren Versuchen mit dem INP Greifswald konnten wir zeigen, dass auch der besonders virulente EHEC-Stamm O104 erfolgreich inaktiviert werden kann", erklärt Prof. Dr. Ivo Steinmetz vom Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universitätsmedizin Greifswald am 24. Juni 2011. Auch gegen EHEC (Entero-Hämorrhagische Escherichia coli) ist also ein Kraut gewachsen, Prof. Steinmetz führt fort: "Diese Technologie hat das Potenzial, Nahrungsmittel sicherer zu machen und so das Risiko von lebensmittelverursachten Epidemien zu reduzieren."
Mit Flammenwerfern gegen Aliens – mit kalten Plasma gegen EHECs
Während Sigourney Weaver noch martialisch und effekthascherisch mit Flammenwerfern auf Aliens Jagd machte, sind Flammenwerfer für die EHEC-Jagd auf Feldsalat denkbar ungeeignet: Reihenweise fällt der Feldsalat nach der Flammenwerferbehandlung um, für frische Salate sind die zwar hygienisch einwandfreien aber verkohlten Feldsalatleichen kaum noch zu gebrauchen. Vielleicht hätte der dritte Offizier Ellen Ripley nicht so überhitzt mit dem Flammenwerfer reagieren sollen, vielleicht hätte sie kühles Blut bewahren und kühles kaltes Plasma benutzen sollen: Federführend bei der Jagd nach dem unheimlichen EHEC-Wesen aus unserer fremden Darmwelt sind nämlich zum Beispiel das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Alien-Physik und das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie – kaltes Plasma besteht quasi aus einem Gas, welches bei noch moderaten Temperaturen stark ionisiert wird.
Killing me softly – kaltes Plasma wirkt bakterizid, fungizid & viruzid
Kaltes Plasma kann man zum Beispiel aus den Gasen unserer Luft herstellen, zwischen Elektroden werden die Gasmoleküle bei Temperaturen unter 40 Grad Celsius ionisiert, den Strom aus Elektronen und Ionen lenkt man dann auf die Blätter des Feldsalats – diesmal fällt der Feldsalat nicht um (siehe Bild). Dagegen fallen reihenweise Bakterien, Pilze und Viren um, kaltes Plasma wirkt nämlich bakterizid, fungizid und viruzid: Auch die Shiga-Toxin produzierenden E. coli Bakterien (STEC) des EHEC-Stammes O104:H4 können so in die EHEC-ewigen Bakteriengründe befördert werden, dazu erklärte Prof. Dr. Gregor Morfill als Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik: "Die Resultate sind aus unserer Sicht sehr überzeugend. Die EHEC-Bakterien sind zwar etwas widerstandsfähiger als normale E. coli Bakterien, für die Inaktivierung spielt das aber keine Rolle."
Nach 20 Sekunden Plasma-Behandlung sinkt die Bakterienanzahl auf ein 100.000stel
In Saus und Braus mäht der kalte Plasmagraus die EHEC-Bakterien darnieder, mehr als 100 EHEC-Bakterienkulturen hauchten unter Elektronen- und Ionenbeschuss ihr gram-negatives Leben im Städtischen Klinikum München-Schwabing gramvoll aus: Bei der Untersuchung verwendeten die Wissenschaftler auch Prototypen von etwa taschenlampengroßen Plasma-Geräten, diese könnten für normalsterbliche Verbraucher vielleicht bald in der heimischen Küche gegen normalsterbliche Aliens und EHECs einsetzbar sein – brutalstmöglich dezimierte der Plasma-Taschenlampen-Prototyp die EHEC-Erreger in 20 Sekunden auf ein 100.000stel des Ausgangswerts: "Diese Prototypen müssen nun noch zur industriellen Reife gebracht werden", sagt Prof. Morfill.
Weitere Informationen & Literatur
Weitere Informationen und Literatur finden Sie online beim Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V. (ATB), beim Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. und beim Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE).
