Kinder und der Umgang mit Geld

Für diese Investition ist es nie zu früh.

Das liebe Geld ... - Birgit Brüggehofe 2008
Das liebe Geld ... - Birgit Brüggehofe 2008
Plastik regiert. Und die Kreditkarte ist schnell gezückt, wenn Kinder Wünsche haben, deren Erfüllung keinen Wimpernschlag dauert. Für Umgang mit Geld ist es nie zu früh

Jüngere Kinder haben oft noch gar keine Vorstellung davon, woher Geld überhaupt kommt. Alle Eltern möchten sichergehen, dass die Bedürfnisse und Wünsche Ihrer Kinder erfüllt werden, egal, was sie Ihren Kindern über den Wert von Geld und harter Arbeit vermitteln. Es ist ja so leicht, seine Kreditkarte zu zücken und seine Bedürfnisse von jetzt auf gleich zu befriedigen – ohne Rücksicht darauf, welche Botschaft man damit an sein Kind sendet.

Früh übt sich …

Ziehen Sie in Erwägung, wie weitreichend und elementar es in unserer Gesellschaft ist, Ihren Kindern einiges über Geld beizubringen, und auch, wie man es in einem gewissen Rahmen sinnvoll investiert. Ihre Kinder sind nie zu klein, um quasi als Teil ihres eigenen, eingegrenzten finanziellen Erlebensspielraums etwas über den Umgang mit Geld zu lernen. Indem sie hier sehr früh Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln, wird es ihnen zukünftig leichter fallen, in diesen Bereichen selbstverständlicher und kontrollierter mit Geld umzugehen.

Richten Sie auf jeden Fall für jedes Ihrer Kinder ein Sparkonto ein. Und machen Sie einen Plan. Sogar sehr kleine Kinder verstehen schon, wie ein Sparschwein funktioniert.

Sobald ein Kind zählen kann, kann es nach und nach einschätzen, was das gewohnte Eis und die begehrten Weingummischlangen wert sind. Lassen Sie es seine Wünsche nach Süßem ruhig in Beziehung zu seiner wöchentlichen Einnahme setzen: Geben Sie ab etwa dem fünften Geburtstag regelmäßig wöchentlich Taschengeld!

Sauberer Herd ist Euros wert

Sollten Sie Ihr Kind für Aufgaben im Haushalt auch in barer Münze honorieren? Dazu gehen die Meinungen auch unter Pädagogen, auseinander, und von manchem inneren Elternauge mag die Schreckensvision aufsteigen, in der der pubertierende Filius nach jedem abgetrockneten Teller mit dem Fingerknöchel auf den Küchentisch klopft, um seinen Euro pro erledigter Hausarbeitseinheit einzufordern. Lassen Sie dies eine Vision bleiben. Hausarbeit ist Kinderpflicht, das sagt nicht zuletzt das BGB. Aber warum nicht wiederkehrende, größere Aufgaben wie Rasenmähen oder Teppich shampoonieren gut geplant mit bestimmten Beträgen versehen? Die Wahrheit liegt, wie meistens, in der Mitte, und dort trifft man sich auch, um solche Dinge gemeinsam festzulegen.

Eigenes Geld – ein gutes Gefühl

Schlagen Sie Ihren Kindern vor, sich auch außerhalb ihres Zuhauses zu betätigen, also für Geld zu arbeiten. Ihr Teenager kann neben der Schule oder am Wochenende einen Teilzeitjob annehmen. Sie fragen jetzt sicher, wann soll mein Sohn das denn noch machen? Nun ja, er soll ja nicht für Sie alle das Brot verdienen, sondern ein anderes Verhältnis zu Geldwert und Arbeit aufbauen. Gar nicht zu schweigen vom positiven Nebeneffekt für zukünftige Bewerbungsbemühungen. Es ist eine wichtige Lektion für Kinder, zu wissen, dass Geld nicht sinnlos aus dem Fenster geworfen werden sollte, und sie stärkt Selbstbewusstsein und Selbstwert.

Planung und Transparenz schafft Klarheit

Finanzplanung für Kids? Warum nicht? Ermutigen Sie Ihre Kinder, Ihre Einkünfte aufzuteilen und beim Sparen ein wenig geplant vorzugehen, z. B. in Form von Kurzzeitersparnissen für Spielzeuge, regelmäßige Ausgaben (das eigentliche Taschengeld) sowie Langzeitersparnisse für größere Wünsche. Ungewohnte Töne? Manchem mag dieser Ansatz übertrieben scheinen. Dennoch sind gute Gewohnheiten in Gelddingen, die man bereits in der Kindheit erwirbt, für das ganze Leben prägend.

Die Zeiten, in denen nur der Familienvater wusste, über welches Budget eine Familie verfügte, und in denen die Ehefrau ihren Gatten verschämt um ein paar Groschen für ein neues Kleid bitten musste, sollten eigentlich vorbei sein. Und warum nicht etwas mehr Transparenz für alle und damit Vertrauen schaffen? Eine großartige Möglichkeit, Ihren Kindern etwas über Geld und Investitionen beizubringen, ist, einen „finanziellen Familienabend“ zu veranstalten. Machen Sie eine Liste all Ihrer monatlichen bzw. wöchentlichen Ausgaben. Notieren Sie jede Ausgabe auf einem separaten Stück Papier. Dann stellen Sie auf, auf welchen Betrag sich Familieneinkommen für den aktuellen Monat beläuft.

Obwohl Spielgeld gute Dienste leistet, kann es Augen öffnen, wenn Sie hier echtes Geld benutzen. Geben Sie Ihren Kindern z. B. die Rechnungen und lassen Sie diese das Geld bei Ihnen einfordern. So visualisieren Sie, wofür und wie Geld innerhalb der Familie ausgegeben wird, auf welche Weise sich ein schwer verdienter Gehaltsscheck in nichts auflöst – und dass das Geld eben wirklich nicht auf Bäumen wächst. Im Anschluss an Ihr Treffen sollten Sie mit den Kindern diskutieren, wie jeder Einzelne seinen Teil dazu beitragen kann, die Ausgaben zu reduzieren, und wie und wo man ein wenig mehr sparen kann.

Große Pläne …?

Kleine Strukturen machen dann bald Platz für größere Herausforderungen: Eine Familie kann z. B. einen Fonds für Anschaffungen einrichten, von denen die ganze Familie profitiert: für einen Urlaub, ein gemeinsames Essen im Lieblingsrestaurant, einen Musical-Besuch … es gibt ja glücklicherweise eine unbegrenzte Zahl an Sachen, für die man sparen und auf die man sich gemeinsam freuen kann. Vielleicht visualisieren Sie dieses gemeinsame Vorhaben ganz plastisch mit einem extra „Geldtopf“ an einem prominenten Ort – natürlich mit dem entsprechenden, für alle nachvollziehbaren Diagramm, das die Fortschritte sichtbar dokumentiert.

Und: Pecunia non olet, das wissen längst alle, die schon einmal bei lustiger Taschenbuch-Lektüre mit Dagobert Duck selbstvergessen im Geldpool geplanscht haben. Nicht zuletzt Ihre Kinder.

Birgit Brüggehofe, Brüggehofe 2007

Birgit Brüggehofe - "Ein großes Talent, das durch Studium und Achtsamkeit erlangt werden kann, ist die Kunst, sich bestimmt, fein, richtig, kernig, ...

rss

Ähnliche Themen