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Kinder und Trauer

Mit Kindern über den Tod sprechen

Für viele ein Tabu-Thema: das Sterben. Und doch: Früher oder später interessiert sich jedes Kind dafür . Wie sollten Eltern reagieren?

Der Tod kommt im Märchen vor, Kinder spielen mit Freunden „totschießen“, andere erleben, dass das geliebte Haustier stirbt. Oder sie werden durch den Tod eines Angehörigen direkt damit konfrontiert. Was ist eigentlich „tot“? fragen Kinder dann oft. Betina Seibold, Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte Wiesbaden, ist Pädagogin und Elternkurs-Leiterin. In ihrer täglichen Arbeit hat sie häufig mit Eltern zu tun, die unsicher sind, ob und wie sie ihren Kindern dieses Thema näher bringen sollen.

Sollte man mit Kindern überhaupt über den Tod sprechen?

Betina Seibold: Es ist wichtig, das Thema generell nicht zu tabuisieren. Nun setzt man sich ja in der Regel nicht einfach so mit einem Kind hin, nach dem Motto: Worüber ich immer mal mit dir reden wollte.... Richtig ist der Zeitpunkt, wenn das Kind das Thema selbst einbringt, danach fragt, es immer wieder erwähnt. Wenn ein Haustier stirbt, wenn die Oma eines anderen Kindes gestorben ist, wenn das Kind irgendwo irgendwas gehört hat – dann kann und sollte der Tod zum Thema werden. Auch, wenn man sich selbst vielleicht schwer damit tut. Wenn es einen Todesfall in der Familie gibt, muss natürlich sowieso darüber gesprochen werden.

Aber – wie spricht man mit Kindern darüber?

Betina Seibold: Vermeiden sollte man auf jeden Fall Aussagen wie: `Das ist das schlimmste, was es gibt.` Kinder haben von sich aus erst mal keine Angst vor dem Tod, gehen ganz unbefangen damit um – und deshalb sollten auch die Erwachsenen das Thema nicht dämonisieren.

Wie erklärt man Kindern denn, was der Tod ist? Man weiß es ja selber nicht so genau... Grundsätzlich: Es ist absolut erlaubt, auch Kindern gegenüber zu sagen: Alles weiß ich auch nicht, niemand weiß, wie es ist, wenn man gestorben ist. Man sollte auch Kindern gegenüber nicht so tun, als wisse man alles. Man kann erklären: Der Mensch lebt dann nicht mehr. Er kann sich nicht mehr bewegen, nicht mehr essen, nicht mehr trinken, er atmet nicht mehr – und das muss er auch nicht mehr. Er braucht seinen Körper nicht mehr. Aber in Gedanken ist er weiter bei uns, wenn wir über ihn reden, Geschichten über ihn erzählen, uns Fotos angucken. Ob man nun vom Himmel sprechen will oder nicht, das hängt ganz vom persönlichen Glauben ab. Wer das nicht glaubt, sollte es dem Kind auch nicht erzählen!

Betina Seibold:

Wenn nun der Opa schwer krank ist und bald sterben wird – sollte man das direkt thematisieren? Generell sage ich: ja. Es kommt aber darauf an, ob er das selbst thematisiert. Wenn der Opa überhaupt nicht darüber sprechen will, muss man das natürlich respektieren. Denn Kindern zu sagen: Ich erzähle dir jetzt zwar, dass Opa bald stirbt, aber du darfst ihm gegenüber nichts sagen – das wird nicht funktionieren.

Betina Seibold:

Wenn ein Angehöriger gestorben ist: Sollten Kinder mit zur Beerdigung? Auf jeden Fall! Kinder sollen daran teilhaben, sonst fühlen sie sich ausgeschlossen. Sie müssen Abschied nehmen dürfen von dem geliebten Menschen. Kinder verkraften das besser als viele denken. Natürlich gibt es Kinder, die sich dann vorstellen: In so einem Sarg mit viel Erde drüber kann man ja nicht atmen, es ist dunkel – und sie bekommen Angst. Man kann ihnen dann aber erklären: Es ist ja nur der Körper, der dort liegt. Und den braucht der Mensch nach seinem Tod nicht mehr. Sinnvoll ist es übrigens, schon vorher im Alltag ab und zu mit Kindern auf einen Friedhof zu gehen, sich die Grabsteine, Bäume, Blumen anzusehen – dann ist zumindest der Ort nicht mehr völlig neu und beängstigend für sie.

Betina Seibold:

Wie trauern Kinder? Wie merkt man, ob sie Hilfe brauchen?Kinder trauern unterschiedlich – bei manchen überwiegt Wut, andere ziehen sich eher zurück. Das hängt von der Persönlichkeit und vom Alter ab. Bei manchen wechselt die Stimmung schnell – eben noch haben sie geweint, dann toben sie schon wieder durch den Garten, dann suchen sie wieder Ruhe. Das ist normal bei Kindern. Lassen Sie dem Kind die Freiheit, auf seine ganz eigene Weise zu trauern! Es muss wissen, dass es weinen, schweigen, fragen darf, wann immer es das Bedürfnis hat. Wenn sich ein Kind allerdings dauerhaft völlig in sich zurückzieht, sollte man professionelle Hilfe suchen.

Betina Seibold:

Darf man Kindern gegenüber seine eigene Trauer zeigen? Natürlich, man sollte sogar - das Kind wird es sowieso spüren. Man kann dann schon sagen: Ich bin traurig, der Opa fehlt mir sehr. Und auch seine Tränen zeigen. Wichtig ist es aber, trotz der eigenen Trauer immer auch für die Trauer des Kindes da zu sein – für seine Fragen, Ängste, Tränen.

Betina Seibold:

Vielen Dank.

Miriam Elmers , Miriam Elmers

Miriam Elmers - ...geboren 1971 im ostwestfälischen Bad Driburg. Schon als Kind war mir eigentlich klar, was ich im Leben am liebsten will: ...

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