Kinder und Trauer

Wie helfen Erwachsene trauernden Kindern?

Auch wenn Eltern ihre Kinder vor Schmerz, Krankheit und Tod bewahren wollen, so gehören Leid und Tod zum Leben. Wie kann man trauernden Kindern helfen?

Wenn ein Kind einen schmerzhaften Verlust verarbeitet, fühlen die Erwachsenen sich oft hilflos. Ob der Hund des Kindes überfahren wurde; ein Vogel an einem Wintertag erfroren im Garten liegt oder Opa an einem Schlaganfall stirbt, all dies sind schmerzhafte Verluste. Eltern trennen sich und Freunde ziehen weg, all das füllt Kinder mit Trauer. Eltern können Verlust, Abschied und Tod und die damit verbundene Trauer nicht verhindern, aber sie können sie lindern, indem sie Räume schaffen, wo Trauer gelebt werden darf.

Reden Sie über den Verlust

Tabuisieren Sie die Trauer nicht, sondern signalisieren Sie: Du darfst mit dem, was dich berührt, zu mir kommen. Ich nehme dich und deine Gefühle ernst.

Wenn ihr Kind erklärt: „Ich vermisse Opa.“, dann können Sie getrost antworten: „Das tue ich auch.“

Erinnerungsfotos

Fällt es schwer, Worte zu finden, hilft ein Fotoalbum. Gemeinsam im Sofa kann man sich Bilder anschauen und die damit verbundenen Geschichten und Anekdoten erzählen.

Mit Kleinkindern sollte man sich Bilder vom Kind selbst anschauen und darüber sprechen, wie das Kind größer geworden ist und sich verändert hat. Erst konnte es nicht gehen; dann bekam es Zähne; später konnte es laufen.

Diese Veränderungen gehören zum Leben dazu. Veränderungen bestimmen auch den Lauf des Jahres und können in der Natur beobachtet werden, wenn die Bäume sich im Laufe des Jahres verändern.

Schauen Sie sich Erinnerungsstücke an

Holen Sie Erinnerungsstücke hervor, etwa ein Geschenk oder Erbstück des Verstorbenen. Sprechen Sie darüber, was diese Dinge für sie und für den Verstorbenen bedeutet haben.

Indem Sie über den Verstorbenen reden, erfährt das Kind, daß das Leben endlich ist, weil der Tod zum Leben gehört. Aber es erfährt auch, daß der Verstorbene nach dem Tod nicht einfach vergessen ist, sondern in der Erinnerung der Menschen, die ihn lieben, weiterlebt.

Ratschläge, wie man einem trauernden Kind begegnen kann:

  • Erzählen Sie die Wahrheit, aber tun Sie dies mit Sensibilität.
  • Geben sie dem Kind die Möglichkeit, seine Trauer auszudrücken, indem Sie Bilder zeichnen, Anekdoten und Geschichten über den Verstorbenen erzählen.
  • Seien Sie offen für alle Fragen und gestehen Sie ihre eigene Trauer ein.
  • Schaffen sie verläßliche Rahmen im Alltag, die dem Kind Stütze im Verlust geben, so daß es sich geborgen fühlt.
  • Wenn das Kind Angst hat, einen Elternteil zu verlieren, versichern Sie ihm: „Ich weiß nicht, wie lange ich lebe, aber ich hoffe, daß ich so lange bei dir bin, bis du alleine zurecht kommst.
  • Erzählen Sie, wer sich sonst um es kümmern soll, damit das Kind sich geborgen fühlt.
  • Erklären Sie die Urasche für den Tod so realistisch wie möglich, z.B. "Ein Geschwür ist so gewachsen, daß das Herz aufgehört hat zu schlagen."
  • Idealisieren Sie den Verstorbenen nicht. Erinnern sie sich an ihn als den Menschen, der er war. So kann ein anderer Mensch seinen Platz einnehmen.
  • Das Kind braucht einen größeren Sinnzusammenhang, um den Tod zu verstehen. Versichern Sie dem Kind, daß Gott uns in schweren Zeiten nicht verläßt, sondern an unserer Seite geht. Beten Sie zusammen Klagepsalmen (Ps 62, 88 u. a.)
  • Denken Sie in Dankbarkeit an die gemeinsamen guten Stunden. Freude und Dankbarkeit haben eine heilende Kraft.
  • Haben Sie Zeit für und mit ihrem Kind.
  • Verhindern Sie, daß das Kind die Rolle eines anderen Menschen übernimmt, z.B. die des Ehepartners oder des verstorbenen Bruders oder Schwester.
  • Besuchen Sie das Grab.
  • Beten Sie für den Verstorbenen und übergeben Sie ihn in Gottes Hände.
  • Machen Sie einen Spaziergang auf dem Friedhof und sprechen sie über die Symbole: Kreuz, Sonne, auferstandner Christus.
  • Es ist wichtig, daß das Kind erlebt, daß die Eltern für den Verstorbenen beten. Gott ist nicht nur der Gott der Lebenden, sondern auch der Toten, denn in seiner Treue hat er den Tod überwunden.
  • Wenn das Kind erlebt, daß die Eltern auf Gottes Treue bauen – auch über den Tod hinaus – dann kann es auch mit Zuversicht leben, daß Gott ihm helfen wird, auch über den Tod hinaus. Es sollte Gott als gegenwärtig in seinem Leben erleben; als jemanden, auf den man immer bauen kann und vertrauen.
Eva Maria Nielsen, Eva Maria Nielsen

Eva Maria Nielsen - Kurzvita 1994 Diplom Theologin in Münster 1996 Rezensentin für den Evangelischen Buchberater 1999 Magister in ...

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