Nachdem sich der Kinderfilm einer fasst 50jährigen Entwicklung unterzogen hat, etabliert er sich in der zweiten Hälfte des 20. Jh. vollends. Welche unterschiedlichen Wege dabei die DDR und die BRD gegangen sind, zeigt der folgende Text. Er versteht sich als Fortsetzung des Artikels zur "Geschichte des Kinder- und Jugendfilms".

IV.) Der neue deutsche Kinderfilm und der zeitgenössische Kinderfilm

Der Regisseur Hark Bohm produzierte 1972 mit „Tschetan der Indianerjunge“ unbewusst, den ersten Film, der sich durch seine Problematik am Kind als Zuschauer orientierte. Ähnliches gelang ihm zwei Jahre später auch mit „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ nach dem Roman von Christine Nöstlinger. Doch trotz allem Bemühen blieben Kinderfilme unwirtschaftlich. Filmförderungen wurden überwiegend an Filme ab einer bestimmten Länge vergeben, sodass Kinderfilme, die oft weniger als 60 Minuten Filmmaterial enthielten, nicht unterstützt wurden. Einer der längeren Filme für das junge Publikum war Petersens „Die unendliche Geschichte“ (1984).

Die 80er Jahre

In den 80er Jahren beschäftigen sich Kinderfilme mit den Auswirkungen des zweiten Weltkriegs („Stern ohne Himmel“, 1980), gingen wieder stärker auf die Phantasiewelt der Kinder ein („Konrad aus der Konservenbüchse“, 1982) und boten abenteuerliche Kinoerlebnisse („Flußfahrt mit Huhn“, 1983). Auch Ulrich Königs Serie „Meister Eder und sein Pumuckl“ setzte phantasievolle Stoffe um. Zehn Jahre später nahm der Einfluss Hollywoods zu und Filmemacher orientierten sich stark an Walt Disney und den Filmen für die ganze Familie“(1) , um Kinderfilme rentabel zu produzieren („Peterchens Mondfahrt“, 1990).

V.) Der Kinderfilm in der DDR

Im Gegensatz zur Bundesrepublik, wo jährlich circa drei Kinderfilme produziert wurden, drehten die DEFA-Filmstudios in der DDR seit den 50er Jahren acht bis zehn Kinder- und Märchenfilme im Jahr. Im Vordergrund stand die sozialistische Erziehung der Kinder wie etwa in „Die Störenfriede“ (1953). In diesem Zusammenhang thematisierten Filme wie „Sheriff Teddy“ zum Beispiel den gegenwärtigen, „negativen Einfluss der westlichen `Schundliteratur`“(2) . Das änderte sich Mitte der 60er Jahre, denn nachdem sich der DEFA-Märchenfilm nicht mehr auf die Vermittlung ethischer Werte, im Sinne der politischen Überzeugung der DDR, verstand, erlebte dieser einen Aufschwung. In diese Zeit gehören Filme wie „König Drosselbart“ (1965), „Schneeweißchen und Rosenrot“ (1979) und „Philipp der Kleine“ (1975).

Karl May und die Indianer

Auch in der DDR drang das aufkommende Fernsehen die Filmproduzenten zum Umdenken. Deshalb entstanden in diesem Zeitraum viele Indianerfilme („Die Söhne der großen Bärin“, 1965 oder „Tecumseh“, 1972), die jedoch nach Ausstrahlungsbeginn der Karl May Filme aus der BRD 1982 wieder an Bedeutung verloren(3) . Der Kinderfilm der 70er und 80er Jahre bezog sich immer mehr auch auf die persönlichen Probleme der Kinder und Jugendlichen, wie zum Beispiel die Scheidung der Eltern (in „Ikarus“, 1975).

Das Festival „Der goldene Spatz“ entstand in der DDR

1979 wurde, zur Unterstützung der Kinderfilmemacher, das nationale Festival „Der goldene Spatz“ ins Leben gerufen. Dadurch konnten in unregelmäßigen Abständen Kinderfilme prämiert werden. Die Idee „Kinderfilm und Kinderfernsehen in Deutschland zu fördern“(4) wird seit 1993 durch die Deutsche Kindermedienstiftung unter dem gleichen Namen für ganz Deutschland fortgeführt und weiterentwickelt.

Literaturangabe:

1) zitiert nach dem Werbeslogan für die Disneyfilme

2) Heidtmann, Horst: Kindermedien. Stuttgart: 1992, S. 153.

3) Heidtmann, Horst: Kindermedien. Stuttgart: 1992, S. 154.

4) Deutsche Kindermedienstiftung Goldener Spatz, Die Deutsche Kindermedienstiftung GOLDENER

SPATZ, http://www.goldenerspatz.de/stiftung/index/index.htm (Zugriff am 26. Mai 2009)