Kinderhoroskop im Unterschied zum Horoskop für Erwachsene

Astrologie: Im Kinderhoroskop ist der Mond wichtig - Göksel Tanirgan / pixelio.de
Astrologie: Im Kinderhoroskop ist der Mond wichtig - Göksel Tanirgan / pixelio.de
Die Astrologie erkennt im Horoskop die Anlage eines Menschen, egal ob Kind oder Erwachsener. Beim Kinderhoroskop spielt der Mond eine wesentliche Rolle.

Einem Kind fehlt zu Beginn seines Lebens das bewusste Wissen um sein Selbst, das reflektierende Wissen und das mitgeteilte Wissen. Das aber heißt nicht, dass es nichts mitbringt ins Leben, im Gegenteil! Im Verständnis der Astrologie lässt sich am Horoskop eines Menschen ablesen, was in ihm angelegt ist, es lässt sich das „Warum“ seiner Existenz herauslesen. Die Astrologie sieht in dem Horoskop eines Menschen das in Symbole gekleidete Abbild seiner Anlagen. Die wichtigsten Symbole sind die Tierkreiszeichen, die Planeten, die Häuser und der Aszendent.

Im Horoskop erkennbar: die Anlage eines Menschen

Das Wesen einer Anlage ist ihre Verwirklichung: Ein Geschenk, das verpackt bleibt, hat ihren Sinn verfehlt. Nur wenn aus der Möglichkeit einer Anlage, aus ihrem „Vielleicht“ einmal gelebte Wirklichkeit wird, hat sich die Anlage erfüllt. Hier enthüllt sich also, dass die Anlage nichts Statisches, nichts Determiniertes, nichts fatalistisch Hinzunehmendes und erst recht kein nie zu modifizierendes Schicksal ist, sondern sich „ent-wickeln“ soll. Doch hier enthüllt sich auch das Drama für Menschen, deren Anlage nicht erkannt, nicht erlebt oder gar unterdrückt wurde. Wie kann nun die Anlage eines Menschen aus dem Horoskop herausgelesen werden?

Einer der verwirrenden Punkte in der Astrologie ist ihr Reichtum: Es gibt die unterschiedlichsten „Schulen“, die alle ans selbe Ziel wollen, aber verschiedene Wege gehen. Wolfgang Döbereiner (*1928) beispielsweise, der Gründer der Münchner Rhythmenlehre, will eine sinnstiftende Interpretation. „Was hilft es dem Klienten“, sagt er in seinen Vorträgen, „wenn man ihm sagt, dass sein Mars im siebten Haus für Angriffe auf seine Person steht?“ Döbereiners Absicht ist es, dem Horoskopeigner das „Warum“ hinter den Angriffen klarzumachen. Erst dann kann der Mensch dieses Wissen integrieren und nutzen – mit der Auskunft „Mars in 7“ allein lässt sich nichts anfangen.*

Deutung eines Kinderhoroskops mit anderen Akzenten

Das Kinderhoroskop wird nach denselben Regeln gedeutet wie das Horoskop für Erwachsene, nur eben mit anderen Akzenten. Hat der Astrologe erst einmal den Plan hinter dem Ganzen herausgearbeitet, also die Anlage, widmet er sich den einzelnen Aspekten. Er stellt und beantwortet die Frage nach dem Erleben des Kindes. Indikator für das Erleben im Kinderhoroskop ist der Mond, nicht die Sonne. Die Sonne steht für das bewusste Verhalten, das Wollen, etwas, was bei einem Säugling und selbst noch bei einem Kindergartenkind wenig zielgerichtet bzw. nur auf kurzfristige Befriedigung elementarer Bedürfnisse ausgerichtet ist. Hier liefert die Stellung des Mondes im Horoskop wesentlich mehr Informationen über die Art und Weise, wie das Kind seine Umwelt erlebt.

Der Mond gilt in der Astrologie als das große Pendant zur Sonne. Er steht für das Unbewusste, das Empfangende. Und wenn das Wort nicht als Mangel aufgefasst wird, dann steht der Mond auch für das Passive als Gegensatz zum Aktiven der Sonne, für die Ruhe statt für die Tat, für Empfinden statt für Handeln. Der Mond im Horoskop eines Kindes gibt Auskunft über die Beschaffenheit seines Gemüts. Aus seinem lateinischen Ursprung „Luna“ leitet sich unser Wort „Laune“ ab. Eine Eigenschaft, die wir dem Kind normalerweise problemlos zugestehen: dass es „launisch“ ist und seinen Empfindungen unverstellt und direkt nachgibt. Wenn es hungrig ist, schreit es; wenn ihm langweilig ist, ruft es; wenn es Schmerzen hat, macht es sich bemerkbar; wenn es ihm gut geht, erkennen das die Eltern sofort an seinen Äußerungen.

Das Horoskop für Kinder zu interpretieren birgt Gefahren

Beim Kinderhoroskop tritt nun eine besondere Konstellation auf den Plan: Das Kind, der eigentliche Horoskopeigner, ist nicht anwesend während der Interpretation. Oder anders gesagt: Seine Eltern erfahren an seiner Statt, was das Kind antreibt, wie es empfindet, was es (später einmal) will. Zwei Gefahren lauern dabei am Rand der Deutung: Im Bestreben, das Potential ihres Kindes kennenzulernen, filtern Eltern die Aussagen und lassen nur in ihr Bewusstsein dringen, was ihnen angenehm erscheint. Die zweite Gefahrenquelle: Das Kind wird von den Eltern, im Wissen um seine Anlagen, zu stark festgelegt. Eigene Erfahrung darf es nicht machen, denn „man weiß es ja besser“, besitzt vermeintlich die Übersicht, gibt sein vorgeblich Bestes zu seinem Besten.

Sich mit Hilfe des Horoskops seinem Kind zu nähern ist eine sowohl schöne wie auch schwere Aufgabe. Man sollte meinen, dass das Wissen um die inneren Regungen des Kindes, um seine Empfindungen, um sein Wesen den Zugang erleichtern. Das mag auch so sein, doch es bleibt eine Frage offen: Wie soll ein Vater, wie eine Mutter mit, um ein Beispiel zu formulieren, draufgängerisch gestimmten Widder-Aszendenten behutsames Verständnis aufbringen für die so sensible Gefühlswelt ihres Kleinen mit Fische-Aszendenten? Kenntnis allein heißt noch lange nicht Verstehen, und erst recht bedeutet es nicht, dass die Eltern, ausgestattet mit dem rein intellektuellen Wissen einer Horoskopinterpretation, eine bessere Mutter, ein besserer Vater werden. Wer sich aber dieser Hürden bewusst ist, sollte auf jeden Fall einen guten Astrologen konsultieren. Die Erfahrung wird unbezahlbar sein.

* In seinen in Buchform erschienen Vorträgen bezieht Döbereiner immer wieder Position gegenüber einer Form der Astrologie, die gleich Kochrezepten glaubt, mit den Zutaten aus Sonne, Mond und Sterne ein Deutungs-Menü kochen zu können.

Johannes Flörsch, Johannes Flörsch

Johannes Flörsch - Johannes Flörsch (Jahrgang 1956): Nach einer Bankkaufmannslehre, nach dem Studium der klassischen Gitarre am Konservatorium ...

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